Full text: Zwischen Deutschland und Frankreich

Leider sind aus Elisabeths Zeit die Burgkapläne nicht namentlich bekannt. Erst nach ih¬ 
rem Tod erfahren wir einen Namen, sogar von einem literarisch interessierten Kaplan. 
Am 23. November 1466 bat Adelheid von Sierck, Gräfin zu Leiningen, den Grafen Jo¬ 
hann, auf seinen Kaplan Bruder Lienhart einzuwirken, ihr ein Buch, das sie ihm geliehen 
hatte und dessen Rückgabe sie angemahnt habe, nun endlich zurückzugeben392. Übrigens 
erscheint ein Kaplan von Bolchen auch im Ausleiheverzeichnis der Margarethe von Ro- 
demachern393. 
Gegenüber Hahn und Spieß möchte ich doch Elisabeth einen erheblichen Anteil an der 
Übertragung der Chansons de Geste zugestehen. Ich stimme mit ihnen überein, daß sie 
die Texte nicht selbst geschrieben hat. Ihre wenigen überlieferten Unterschriften (Abb. 15 
— 17) zeigen keinen sehr flüssigen Duktus. Ich räume ein, daß Elisabeth auch nach rund 
zwanzigjährigem Aufenthalt in germanophoner Umgebung bei ihren Übersetzungen hin 
und wieder einen native-speaker konsultierte oder gar konsultieren mußte. Für das Ge¬ 
samtwerk halte ich aufgrund meiner Untersuchung ihrer Regierungstätigkeit an der Autor¬ 
schaft fest, die bisher vorgetragenen gegenteiligen Argumente überzeugen mich nicht, 
auch nicht die Briefpassagen über sprachliche Defizite. Einmal sind sie interpretierbar als 
Stilmittel einer Verzögerungstaktik: Um mehr Zeit zur Beratung und Antwort zu gewin¬ 
nen, werden Sprachschwierigkeiten vorgeschützt und man schickt zu wichtigen Verhand¬ 
lungen einen Beauftragten, weil man dadurch sich selbst die Möglichkeit der Annahme 
oder Ablehnung seiner Vereinbarungen offen hält. Zum anderen weisen sie nicht pau¬ 
schal auf mangelnde Kenntnis der Sprache hin, sondern nur in zwei Teilbereichen, dem 
sehr sensiblen des Protokolls und der exakten rechtlichen Interpretation. Schon im Sinne 
der captatio benevolentiae des Empfängers war es notwendig, dem französischen König ein 
formgerechtes Schreiben zuzuleiten. Zu dessen Abfassung hatte man in Saarbrücken kei¬ 
ne Erfahrung; denn die Notwendigkeit, sich an Kaiser oder König zu wenden, ergab sich 
höchst selten. 
Schließlich ist darauf hinzuweisen, daß am Ende des ,Loher und Maller' Elisabeth als 
Übersetzerin genannt wird394. Gerade diesem letzten Argument messe ich umso höhere 
quotienscumque nos vel successor noster comes Sarapontensis aut nostre conthorales seu uxores in loco Sarapontensi presentes 
extiterimus et domicilium nostrum tenuerimus, quod idem capellanus dicte capellaniae qui pro tempore fuent mensam et vic- 
tum continue habeat in dicta domo nostra in augmentum porcionis sue. 
392 Eienhart habe sich herausgeredet, daß Graf Johann es in Händen habe. Am 13.12. antwortet Johann, es 
könne sehr wohl sein, daß Bruder Lenbard ihm das Buch geliehen und er es verlegt habe. Wenn er es fin¬ 
de, werde er es ihr schicken (LA SB Best. N-Sbr.II Nr. 2320 S. 231 u. 239). Adelheid von Sierck, er¬ 
wähnt zwischen 1451 und 1508, war die Tochter Arnolds von Sierck (J1443), der in Saarbrücken ein 
Burghaus besessen hatte, und der Eva, Tochter des Rheingrafen Johann. Adelheid war vermählt mit 
Graf Hannemann von Leiningen, Teilhaber an der Herrschaft Forbach, erwähnt zwischen 1453 und 
1494 (Möller, Walter: Stammtafeln westdeutscher Adelsgeschlechter, Darmstadt 1922, S. 269 f. u. Tafel 121 ). 
393 Vgl. das Bücherverzeichnis Margarethes bei Schenk von Schweinsberg (wie Anm. 88). 
394 ...ist diß buch ouch vurbaß von welsch %u dutsch gemacht durch die wolgebome frowe Elisabeth die es durch sich selbs also 
bedutschet hat als es hie vor an beschrieben stat... 1437. Des bittent erst wir vor die frowe, got welle ir woltat meren, dann 
bittent ouch vor den schnber (wie Anm. 374). Vgl. auch das Kollophon des Druckes von 1514 (Abb. 18). 
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