Full text: Zwischen Deutschland und Frankreich

Die ihr zugeschriebene Übertragung von Chansons de geste in spätmittelhochdeutsche 
Prosa wird in die Zeit ihrer Regentschaft gesetzt. 
Ähnlich wie bei der Verwaltungskorrespondenz stellt sich die Frage nach dem persönli¬ 
chen Anteil Elisabeths an der Übertragung der französischen Chansons des Gestes in 
spätmittelhochdeutsche Prosa. Reinhard Hahn äußerte sich 1990, daß die Autorschaft der 
Saarbrücker Gräfin bei näherem Zusehen nicht über jeden Zweifel erhaben sei383. Karl 
Heinz Spieß verfolgte diesen Gedanken weiter und spricht sich nicht nur gegen eine ei¬ 
genhändige Niederschrift der Übertragungen aus, sondern formuliert: „Vermutlich hat 
Elisabeth die Übersetzung der Chansons de geste einem zweisprachigen Sekretär aus ihrer 
Umgebung übertragen und vielleicht die eine oder andere mündliche Hilfestellung gege¬ 
ben.“384 Er stützt sich dabei auf eine Stelle im Konzept ihres Schreibens an René von An¬ 
jou vom 4. Juni 1432, worin sie die nicht umgehende Beantwortung seines Briefes damit 
entschuldigt, daß ihre Amtleute und Räte und diejenigen, die soliche briejje %u dutschem ver- 
stentnisse brengen möchten, jetzt nicht bei ihr seien385. Hinsichtlich der Verneinung einer ei¬ 
genhändigen Niederschrift stimme ich mit Spieß überein. Die von ihm herangezogene 
Schriftstelle möchte ich nicht so schwer gewichten wie er, zumal es eine ähnliche Aussage 
über Defizite an französischen Sprachkenntnissen am Saarbrücker Hofe gibt. Den Ent¬ 
wurf eines Schreibens an König Karl VII. von Frankreich ließ Elisabeth im März 1441 zu¬ 
nächst dem Bellis von Vitry zusenden mit der Bitte, ihre Entgegnung auf die französi¬ 
schen Ansprüche in die rechte Form zu bringen „denn wir sind in Deutschland und ha¬ 
ben keine Leute mit Kenntnis von Stil, Gebräuchen und Sprache Frankreichs, um mit 
Ehrerbietung und Demut, wie sie seiner königlichen Majestät zukommt“386 387, zu antworten. 
Als im Jahre 1444 Elisabeth und ihr Sohn Johann König René baten, bei König Karl VII. 
von Frankreich für die Sicherheit ihrer Lande vorstellig zu werden, begründeten sie ihren 
Entschluß einer nassau-saarbrückischen Gesandtschaft unmittelbar an den französischen 
König mit den Worten: So haben wir auch in dieser %yt nymandt darin schicken gehabt der es mit der 
frant^oisen spräche ußgerichten kondeiS7, m.a.W., am Saarbrücker Hof sei niemand, der die fran- 
383 Hahn, Reinhard: Ion französischer Zungen in teütsch. Das literarische Lieben am Innsbrucker Hof des späteren 15. 
Jahrhunderts und der Prosaroman ,Pontus und Sidonia\ Frankfurt/Main und Bern 1990, S. 76. 
384 Spieß, Karl-Heinz: „Zum Gebrauch von Literatur im spätmittelalterlichen Adel“, in: Kasten, Ing¬ 
rid/Paravicini, Werner (Hgg.): Kultureller Austausch und I Jteraturgeschichte im MittelalterITransferts culturels et 
Histoire littéraire au Moyen Age (= Beiheft der Francia 43), Sigmaringen 1998, S. 97-100. 
385 Varsberg-Korrespondenz, Nr. 41. 
386 car nous sommes en Allemengne et n'avons nulle gens, stile ne sonde% des usaiges et langaiges de Trance pour faire no(st)re 
responce portant honneur et humilitey au Roy Monseigneur comme a sa royale mageste appartient (Brief vom 
18.03.1441 LA SB Best. N-Sbr.II Nr. 3044 fol. 35). Ein ähnliches Schreiben richtete Graf Johann am 
23.12.1454 an Thierry von Lunécourt, Bellis in Vitry:....wil ich dem konige gerne dar umb schriben und ist dar 
umb in dem besten myne meynonge, da^ ir mir in ernstlicher forderungs wise einen briejf schriben duhent, als ir mich des¬ 
halb betedingen wollet und mir mit schickent eynen entwerff nach der besten forme, als sich dem konige %u schriben gebürt, 
wie ir wollet da% ich dem konige schribe, so wil ich den briejf ußrichten und uch schicken dun, dem konige den vort %P%ufu- 
gen (Konzept, ebd. Nr. 1552). 
387 Instruktion (wie Anm. 276). 
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