Full text: Zwischen Deutschland und Frankreich

in Saarbrücken und St. Johann367. Die beiden inhaltlich ähnlichen Urkunden von 1452 und 
1455368 wiesen das Patronatsrecht wiederum dem Stift St. Arnual zu, verpflichteten dieses 
aber, daß mindestens ein Priester persönlich auch nachts in den Städten anwesend und 
damit jederzeit für Kasualien erreichbar sein sollte. 
In ihrem Testament setzte sie dem Stift St. Arnual einen Betrag von 200 fl. aus, um auf 
ewige Zeiten jährlich 52 Wochenmessen und 4 Vigilien an dem Fronaltar in der Stiftskir¬ 
che für sie, ihren Gatten und ihre Kinder zu lesen, im ersten Jahresviertel von der Hl. 
Dreifaltigkeit, im 2. Viertel von dem heiligen Geist, im 3. Viertel von Unserer Lieben Frau 
und im 4. Viertel für die armen Seelen. Mit Geleucht, Ornamenten und anderen Sachen 
sollte es so gehalten werden, wie es der Herrschaft gebührt369. 
Wenige Wochen nach ihrem Tod stiftete ihr Sohn eine Wochenmesse für die Mutter370. 
Ihr Sohn Philipp hatte schon im Spätjahr 1455 etliche Messen in der Stiftskirche in Weil- 
burg für sich selbst und seine Gemahlin Margarethe von Heinsberg sowie für seine Eltern 
Graf Philipp I. und Elisabeth von Lothringen-Vaudemont gestiftet371. 
Elisabeth wurde als erstes Mitglied der landesherrlichen Familie in der St. Arnualer Stifts¬ 
kirche beigesetzt. Während seit dem 12. Jh. die Grafen von Saarbrücken ihre Grablege in 
der Kirche des Prämonstratenserstifts Wadgassen gehabt hatten und noch Graf Johann II. 
von Saarbrücken-Commercy (fl 381) testamentarisch festgelegt hatte, in der Stiftskirche 
St. Nikolaus in Commercy oder in Wadgassen bestattet zu werden, je nach dem, ob er in 
welschen oder deutschen Landen sterben würde, begründete sie eine neue Familientradi- 
tion, die fast rund zwei Jahrhunderte beibehalten wurde372. Es ist nicht bekannt, ob sie 
selbst oder ihr Sohn für Grab und Tumba den exponierten Platz vor dem Hochaltar wähl¬ 
te373. Jedenfalls erhielt sie damit eine Ruhestätte, die ihrem sozialen und politischen Rang 
entsprach. 
7. Kulturelle Interessen und literarisches Schaffen 
Erste Kontakte mit dem kulturellen Leben ihrer Zeit sind schon aus Elisabeths Kindheit 
bekannt. Sie dürfte etwa zehn Jahre alt gewesen sein, als sich ihre Mutter mit der Uberset- 
367 Am 02.11.1452 (ebd. Nr. 1469). 
368 Am 31.05.1455 (ebd. Nr. 848). 
369 Ihr Testament konnte bisher noch nicht aufgefunden werden. Revers des Dekans und Kapitels vom 
09.03.1461 (LA SB Dep.St.Arnual Bd. 2, S. 163 ff.). 
370 HHStA Wiesbaden Abt. 3001 Nr. 17 fol. 311-312. 
371 Die Stiftungsurkunde konnte ich bisher nicht auffinden, wohl aber einen Revers des Dekans des Stiftes 
Weilburg am 04.12.1455 (HHStA Wiesbaden Abt. 130 II Nr. 246). 
372 Herrmann, Hans-Walter: „Zur Geschichte des Stifts St. Arnual“, in: Herrmann, Hans-Walter (Hg.): Die 
Stifiskirche St. Arnual in Saarbrücken, Köln 1998 (= Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchenge¬ 
schichte Bd. 130), S. 591-698, hier S. 655-662. 
373 Zum Grabmal vgl. den Aufsatz von Christoph Trepesch in diesem Band S. 625-658. 
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