ren. Die Umschläge der ersten von Langen verlegten Bücher stammen noch von renommierten
französischen Künstlern, doch waren diese bereits im eigenen Land mit
Aufträgen überlastet. Bald übernahmen Langens Simplicissimus-Zeichner die Buchgestaltung.
Die Werbewirkung ihrer Umschläge war im allgemeinen größer als bei
den französischen Vorbildern, die stark dem naturalistischen oder impressionistischen
Stil verhaftet blieben, während bei Langen ein nicht malerischer, sondern flächiger
oder linearer Stil die Oberhand gewann. Außerdem verfugte Langen, wie die
französischen Buchkünstler mit einem gewissen Neid Zugaben, über die moderneren
Reproduktionsverfahren. Die bei Langen veröffentlichten Bücher erhielten durch die
Umschläge ein unverwechselbares, “individuelles” Gewand, das auf dem deutschen
Buchmarkt der 90er Jahre Aufsehen erregte und den Verlag ins Gespräch brachte.
Seine von Künstlern geschaffenen Originalumschläge bedeuteten eine Revolution
auf dem deutschen Buchmarkt und machten bald Schule.
Die Idee zum Simplicissimus, diesem farbigen, großformatigen Wochenblatt, das mit
den Jahren zum bedeutendsten satirischen Oppositionsblatt der Kaiserzeit wurde,
hatte sich Langen ebenfalls auf der anderen Rheinseite geholt, wo die satirische Presse
eine lange Tradition hatte. Vorbild für Langen waren vor allem französische Neugründungen
der 90er Jahre, so der 1891 ins Leben gerufene Gil Blas illustré und die
seit 1894 erscheinende Zeitschrift Le Rire. In Deutschland wurde Langens Zeitschrift
von Anfang an als typisch französisch empfunden. Hermann Hesse schrieb beispielsweise
in einem Artikel über den Simplicissimus:
Der Geist dieses Blattes war nicht eigentlich deutsch, er kam aus Paris und bestand
in jener typisch pariserisch wundervollen Mischung von Künstlertum und Politik, die
in Paris so viele junge Künstler und Literaten dazu trieb, auch das politische Leben
bewußt und kritisch mitzuerleben.13
Langens Simplicissimus kann als eklatantes Beispiel für einen gelungenen Transfer
bezeichnet werden, gelungen vielleicht auch deshalb, weil er sich bald von den französischen
Vorbildern emanzipierte. Ursprünglich als Unterhaltungsblatt konzipiert,
wurde er von Langen immer stärker ins Fahrwasser der gesellschaftlichen und politischen
Satire gesteuert. Der Verleger sah hier eine Möglichkeit, sich von der konkurrierenden
Münchner Schwesterzeitschrift, der ebenfalls 1896 gegründeten Jugend,
abzusetzen. Außerdem war es ihm gelungen, einige ungewöhnlich begabte Zeichner
als feste Mitarbeiter zu gewinnen. Die Karikaturen eines Th. Th. Heine, Bruno Paul,
Eduard Thöny, Ferdinand von Reznicek, Wilhelm Schulz und später Olaf Gulbransson
wurden wegen ihrer künstlerischen Qualität und inhaltlichen Brisanz von ausländischen
satirischen Zeitschriften, vor allem in Frankreich, oft nachgedruckt. (Abb.2)
Durch Langens Vermittlung erschienen in Paris bei dem Verleger Félix Juven, mit
dem dieser befreundet war, erfolgreiche Serien aus dem Simplicissimus, so Th. Th.
Heines berühmt-berüchtigte Folge Bilder aus dem deutschen Familienleben (Scènes
de la vie de famille en Allemagne). (Abb.3) Langen sah in diesem Export von Erzeugnissen
deutscher Satire optimistisch nur positive Aspekte. Er hoffte, die in Frankreich
nachgedruckten Karikaturen oder die französischen Ausgaben der Alben von Simplicissimus-Zeichnern
würden dem Nachbarland zeigen, daß die Deutschen sich durch¬13
Hermann Hesse, Erinnerungen an den Simplicissimus. In: Neue Zürcher Zeitung vom
28.3.1926.
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