Einen anderen Ursprung dagegen hat -ey in der ursprünglichen Baumbezeichnung
Boscheney, häufiger Familienname in Rappoltsweiler ab 1362, das eigentlich “junge
Buche“ bedeutet: bochnei. Im Patois des Urbeistals kann -ei nämlich auch auf lat.
-ariu bemhen, welches in unserem Zusammenhang allerdings quantitativ unerheblich
ist. Der Vokal -o- der ersten Silbe hat sich zu -e- abgeschwächt in 1408 Bescheney,
sicher wegen der im Deutschen bewahrten romanischen Endbetonung51.
Wieder anders gelagert ist der Fall 1311 Sazsey, 1338 Cuenzelin Sausex, wo die Endung
wahrscheinlich lat. -etum repräsentiert, also salicetum “Weidengebüsch”, im
heutigen Patois sösi, eine auf das Französische ausgerichtete Form. Es kann sich bei
diesem ursprünglichen Ortsnamen sehr wohl um das westvogesische Saulcy-sur-Meurthe
handeln, 1188 Salzeis, 1300 Sacei52. Wir hätten es dann eigentlich
mit einem Herkunftsnamen zu tun.
In 1347 Cuontze Goffrey haben wir eine hybride Form vor uns53, indem Joffroi im
Anlaut an das entsprechende deutsche Gottfried angelehnt wurde. Die Endung -ey repräsentiert
hier einen älteren Aussprache stand von französisch -oi.
Nicht in diesen Zusammenhang gehört Marley (seit 1330). Es repräsentiert nämlich
den Ortsnamen Marlenheim im Unterelsaß, im Mittelalter meist Marley und somit
ein deutschsprachiger Familienname. Man weiß allerdings nicht, ob das häufige Malrey/Malrei
mit Metathese ebenfalls von hier stammt54.
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1383 Clauus Schahan (in Gemar) entspricht ganz klar dem französischen Jean (Jehan).
Seit 1387 ist Schahan auch im Urbeistal bezeugt und als Schan am Ausgang des
Lebertals (1346). Dazu bildete man im Deutschen die einen Umlaut bewirkende Verkleinerungsform
Zschenlin (1477)55. Jaquemin wurde 1441 in Ammerschweier als
Schogkmen wiedergegeben, mit Verdumpfung von französisch a > elsässisch o56.
Der Name des Reichenweierer Einwohners Grantschann dagegen wurde nicht nennenswert
eingedeutscht (1482). Das gleiche gilt für den Münstertäler Lentz Groschan
(1551). Auch 1387 Schoenal (Urbeistal) könnte zu dieser Namensippe gehören, mit
graphischer Rundung -oe- zu nur scheinbar entrundetem -e-. Es wäre also eine hyperkorrekte
Schreibung, denn elsässisches -ö- wurde zu dieser Zeit zu -e- entrundet57. In
51 RUB, 1 (wie Anm.3), S. 577; RUB, 2 (wie Anm.3), S. 570. Homing, Glossare (wie
Anm.40), S. 14. Müller, Siedlungs- und Flurnamen (wie Anm. 13), S. 39.
52 RUB, 1 (wie Anm.3), S. 203, 374. Paul Marichal, Dictionnaire topographique du département
des Vosges, Paris 1941, S. 399. Gérard Taverdet, Les noms de lieux des Vosges, Dijon
1988, S. 55.
53 RUB, 1 (wie Anm.3), S. 454. Vgl. Jacobsson, Bans de tréfonds (wie Anm.9), S. 116.
54 RUB, 1 (wie Anm.3), S. 178, 560, usw. Fritz Langenbeck, Vom Weiterleben der vorgermanischen
Toponymie im deutschsprachigen Elsaß, Bühl/Baden 1967, 1, S. 49.
55 RUB, 2 (wie Anm.3), S. 192, 237; RUB, 5 (wie Anm.3), S. 115. Witte, Elsaß (wie Anm.8),
S.57.
56 Witte, in: Deutsche Erde 6 (1907) (wie Anm.42), S. 89.
5/ RUB, 2 (wie Anm.3), S. 237; RUB, 5 (wie Anm.3), S. 294. Witte, in: Deutsche Erde 6
(1907) (wie Anm.42), S. 90.
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