Angabe der stimmlosen Affhkata tsch-. Schar(r)ion stellt wohl eine Ableitung von
char “Wagen” dar38.
Die gleiche Affrikata tsch- haben wir auch in 1365 Henman Zschepelin, einer deutschen
Ableitung von patois tchepei “Hut”, das dem französischen chapeau entspricht39
40. Ferner in 1379 nebent Jeckelin Betzschatten erben, wozu man ungeniert ein
deutsches Femininum 1364 Betzschettin mit Umlaut bildete. Das zugrundeliegende
Appellativ ist wohl betch s.f. “Brunnentrog”, genauer eine Verkleinerungsform auf
-itta (lothr. -at)*°.
Phonetisch und morphologisch unverändert bleibt 1387 Urien der Treger aus Urbeis.
Urten hat lothringische Parallelen, scheint daher romanischen Ursprungs und auch
romanisch verschriftet zu sein41. Im rappoltsteimschen Urbar von 1441 wird dieser
Name dann als Urrian korrekt ins Deutsche eingepaßt42. Man könnte eventuell an die
Sippe von deutsch Ulrich denken, welche aber meist Ory im Lothringischen lautet.
Das lothringische Abri(t) taucht ohne Veränderung als 1441 Abry vogtze Hohennack
im Urbeistal auf (auch Abrey), der rappoltsteinische Nachfolger des eben besprochenen
Serressin, dann 1544 im benachbarten Münstertal (ebenfalls Abry). Abri(t)
gehört zu germanisch Albirich43.
*
Relativ einfach zu deuten sind Ableitungen von Heiligennamen oder Vornamen wie
1383 Henselin Symeney (Gemar) oder 1364 Jekelin Zschekeme mit seinem Femininum
1361 Zschekemeyn. Hier gibt die Graphie zsch- die im Deutschen unbekannte
stimmhafte Affrikata dj- wieder. Scheckmey erscheint übrigens auch 1544 im Münstertal44.
1321 Wilhelm dem man sprichet Willermey wird zweisprachig bezeichnet,
RUB, 1 (wie Anm.3), S. 165; RUB, 2 (wie Anm.3), S. 117, usw. Socin, Mittelhochdeutsches
Namenbuch (wie Anm.4), 560. - Vgl. unten eine weitere char-Ableitung.
39 RUB, 2 (wie Anm.3), S. 17. Maurice Hermann, Glossaire du patois d’Orbey, Orbey 1983,
S. 12. - Nicht zu verwechseln mit dem mhd. Familiennamen Scheppellin ohne die Affrikata.
40 RUB, 2 (wie Anm.3), S. 1 (nebent der Betzschettin), S. 157. Adolf Homing, Glossare der romanischen
Mundarten von Zell (La Baroche) und Schönenberg im Breuschtal (Beimont) in
den Vogesen, Halle a. S. 1916, S. 11. Vgl. Wulf Müller, Une ancienne zone de contact: le
Val d’Orbey (Haute Alsace), in: Zwischen den Sprachen. Siedlungs- und Flurnamen in germanisch-romanischen
Grenzgebieten. Beiträge des Saarbrücker Kolloquiums vom 9.-11.
Oktober 1980, Saarbrücken 1983, S. 313-341, hier S. 318.
41 RUB, 2 (wie Anm.3), S. 237 (dort Vrien gedruckt). Albrecht Greule und Wulf Müller, Béhine,
ein germanisch-romanischer Bachname, in: Beiträge zur Namenforschung, Neue Folge
9(1974), S. 83-101, hier S. 86.
42 Hans Witte, Romanische Bevölkerungsrückstände in deutschen Vogesentälem, in: Deutsche
Erde 6 (1905), S. 8-14, 49-54, 87-91, hier S. 50 (Lorentz von Urbach, Urrians sun).
43 RUB, 3 (wie Anm.3), S. 541. Matter, Bürgerverzeichnis (wie Anm.7), S.26. Jacobsson,
Bans de tréfonds (wie Anm.9), S. 140.
44 RUB, 1 (wie Anm.3), S. 563 (nebent der Zschekemeyn)-, RUB, 2 (wie Anm.3), S. 1 und 192;
Matter, Bürgerverzeichnis (wie Anm.7), S. 26.
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