Full text : "Grenzgänger"

len  Ostfrankreichs  -  aber  nicht  nur  hier  -  verbreitet  ist.  Zwar  könnte  man  vermuten,
daß  der  Name  des  Schwiegervaters  Rokkenbrot  aus  dem  Französischen  übersetzt  ist,
doch  scheint  Roggenbrot  ein  durchaus  deutscher  Personenübemame  gewesen  zu
sein25.
Aus  dem  Westvogesischen  kam  1473  Sarme  von  Stiffe2b,  d.h.  Etival.  Denselben  Ortsnamen
  dürfte  auch  der  1368  in  Colmar  eingebürgerte  Johans  Stifal21  tragen,  wobei
die  Endung  -al  direkt  aus  dem  Französischen  entlehnt  wurde.  Sarme  gehört  vielleicht
zur  Anselme-Sippe;  vgl.  die  Westschweizer  Familiennamen  Ansermet  und  Sermier.
Der  Name  der  Abtei  und  des  Ortes  Etival  erscheint  aber  normalerweise  als  Stifey  in
Colmar,  so  1371  der  von  Stifey  hof  oder  1387  der  appt  von  Stifey2& 29.
1376  Johans  Rubeschz  deutet  auf  den  Weiler  Robache  bei  St-Die.  Dazu  bildete  man
ein  deutsches  Femininum  in  1450  daz  Ennelin  Rubetzschin,  Clawin  Bemplins  seligen
.  29
wittwe  .
Mit  Johanns  von  Gors  genant  Serressin,  seit  1396  herrschaftlicher  Vogt  des  Urbeistals
  auf  Burg  Hohenack30,  nähern  wir  uns  der  gesellschaftlichen  Oberschicht.  Er  kam
als  Fachkraft  aus  dem  bekannten  Gorze  bei  Metz,  wohl  im  Gefolge  der  Grafen  von
Saarwerden,  welche  die  Herrschaft  Hohenack  als  Mitgift  der  Herzlaude  von  Rappoltstein
  innehatten.  Sein  Spitzname  Sarrasin  “Sarazene”,  mit  lothringischer  Palatalisierung
  Serressin,  ist  nicht  unbedingt  schmeichelhaft  gemeint.  Sein  Name  erscheint  übrigens
  auch  stärker  eingedeutscht  als  Sersey  (1396)31.
Der  Ostbewegung  ins  Elsaß  schlossen  sich  auch  Adelsfamilien  an.  Die  bekannteste
von  ihnen  sind  die  Awelin/Owelin,  welche  aus  Ban-de-Laveline  bei  St-Die  stammen
und  seit  ca.  1300  während  langer  Jahrzehnte  eine  nicht  unwichtige  Rolle  im  Elsaß
spielten.  Als  Gefolgsleute  und  Partner  der  Rappoltsteiner  waren  sie  in  Hunaweier
(1344)  und  Kaysersberg  (1345)  begütert.  Vor  allem  aber  fungierten  sie  seit  1329  als
Inhaber  der  Judenburg  über  Diedolshausen/Le  Bonhomme  im  Urbeistal32.
Reich  vertreten  in  Rappoltsweiler,  dem  Hauptort  der  Grafschaft  Rappoltstein,  findet
sich  seit  1303  eine  anscheinend  adelige,  wohlhabende  Familie  von  Spinal  (Spynal),
also  aus  Epinal,  der  Hauptstadt  des  Vogesen-Departements.  Zu  der  gleichen  Schicht

25  RUB,  1  (wie  Anm.3),  S.  243.  Ein  Hennin  Rockenbrot  wird  1364  als  Bürger  von  Rappoltsweiler
  erwähnt;  RUB,  2  (wie  Anm.3),  S.  3.  Vgl.  auch  Edmund  Nied,  Südwestdeutsche  Familiennamen,
  Freiburg  i.  Br.  1938,  S.  84.  -  Für  die  Aufschlüsselung  des  Familiennamens
Besançon  nach  Departementen  bin  ich  Carole  Champy  (Epinal)  zu  großem  Dank  verpflichtet.

26  RUB,  5  (wie  Anm.3),  S.  3.
27  Sittler,  Listes  (wie  Anm.5),  S,  39.
28  Sittler,  Listes  (wie  Anm.5),  S.  48,  95.
29  RUB,  2  (wie  Anm.3),  S.  125;  RUB,  4  (wie  Anm.3),  S.  101.
30  RUB,  2  (wie  Anm.3),  S.  357.
31  RUB,  2  (wie  Anm.3),  S.  395.  Die  Identität  mit  Serressin  wurde  von  Albrecht  nicht  erkannt
(Index,  S.  669).
32  RUB,  1  (wie  Anm.3),  S.  292-294,  346,  377-378,  430,  440;  RUB,  2  (wie  Anm.3),  S.  5,
74-75.

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