Das Lebertal/Val de Liepvre war - wie eben erwähnt - wohl schon früh gemischtsprachig.
So erscheint der Name Leberau französisch als Liepvre, im Patois lycev, mit einem
ins Frühmittelalter weisenden Diphthong. Der Name des oberhalb von Markirch/Ste-Marie-aux-Mines
gelegenen Dorfes Echery/Eckirch (alt Eckerich) stellt
noch kompliziertere Probleme. Es handelt sich wohl um einen Personenamen, nämlich
Achiricus, in toponomastischer Verwendung, welcher ebenfalls auf das Frühmittelalter
deutet14. Es muß aber deutlich betont werden, daß die Ortsnamen dieses letzteren
Gebiets dringend weiterer Forschung bedürfen.
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Nach den klassischen Ausführungen des Schweizer Wirtschaftshistorikers Hektor
Ammann, zuletzt Professor an der Universität Saarbrücken, kann kein Zweifel darüber
bestehen, daß der noch heute nachwirkenden kulturellen Blüte des Elsaß im
Mittelalter ein bedeutender wirtschaftlich-finanzieller Erfolg zu Grunde lag15. Entsprechend
hoch dürfte die Anziehungskraft des Landes für Einwanderer gewesen
sein.
Dabei sollte man im Idealfall zwischen primärer Einwanderung direkt aus Lothringen
und sekundärer Einwanderung aus einem der elsässischen Romanengebiete, in
der Regel aus dem Urbeistal, unterscheiden können. Die Quellen lassen dies dann zu,
wenn der Herkunftsort des Grenzgängers angegeben ist.
So finden wir in einer Bürgeraufnahme des Urbeistals von 1372 neben einem anscheinend
germanophonen Matheus Anderwart die beiden wahrscheinlich aus dem
gleichen Ort stammenden Thiriat Pittit und Menschin Guttey de Port. Die Herkunftsangabe
dürfte sich auf St-Nicolas-de-Port16 bei Nancy beziehen, allenfalls auf Portsur-Seille,
jeweils im Departement Meurthe-et-Moselle. Daß sich mehrere Einwohner
bei der Auswandemng zu einer Gruppe zusammenschlossen, läßt sich übrigens
auch sehr schön in den Bürger- und Einwohnerbüchem der Stadt Genf des 15.-17.
Jahrhunderts verfolgen.
Zurück zu den Namen. Thiriat ist die lothringische Verkleinerungsform (auf -ittu)
von Thierry “Dietrich”17. Pittit entspricht dem französischen Petit, hat aber ein typisch
östliches -i- in der Vortonsilbe, wie es im Frankoprovenzalischen weit verbreitet
ist18. Menschin stellt eine Ableitung von Dominicus dar. Diese letztere entspricht
14 Müller, Limite (wie Anm. 11), S. 319-320.
1 5 Hektor Ammann, Von der Wirtschaftsgeltung des Elsaß im Mittelalter, in: Alemannisches
Jahrbuch 1955, S. 95-202.
16 RUB, 2 (wie Anm.3), S. 71. Die Identifizierung im Index von Port mit Port-sur-Saöne
(Hte-Saône) ist zweifellos falsch (ebd,, S 651).
17 Vgl. Jacobsson, Bans de tréfonds (wie Anm.9), S. 75, wo sich Formen wie Thieriat, Theiriat
finden. Ein Thiriat This ist 1551 in Thicourt (Diedersdorf) bezeugt: Hans Witte, Das
deutsche Sprachgebiet Lothringens und seine Wandelungen, Stuttgart 1894, S, 39.
18 Dazu gehören die in der Westschweiz gut bezeugten Familiennamen Pittei und Pittier.
Letzterer findet sich auch in Lothringen 1357 in der Schreibung Pithier; Witte, Das deutsche
Sprachgebiet Lothringens (wie Anm. 17), S. 22.
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