Full text: "Grenzgänger"

des 19. Jahrhunderts3. Es läßt uns vor allem in die rappoltsteinischen Territorien - 
aber nicht nur in diese - einen intimen Blick werfen. Was die Personennamen betrifft, 
so hat die Auswertung dieses Monumentalwerks noch nicht wirklich begonnen, 
wenn man von einigen bei Socin erscheinenden Auszügen absieht4. 
Dazu kann man nun die ältesten, von Luden Sittler veröffentlichten Bürgerlisten der 
Stadt Colmar vergleichen5. Auch sie sind sprachwissenschaftlich nicht ausgewertet. 
Für das für unsere Belange so wichtige Münstertal fehlen dann allerdings alte Bür¬ 
gerlisten, so daß man auf solche des 16. Jahrhunderts und auf Zufallsfunde zurück¬ 
greifen muß. 
Die Forschungslage läßt sich in wenigen Worten skizzieren, denn die sprachwissen¬ 
schaftliche Aufarbeitung der alten französischen Personennamen im Oberelsaß hat 
noch gar nicht angefangen. Man beschränkte sich jahrzehntelang darauf, eifrig die 
ethnische Zugehörigkeit fremdländisch klingender Personennamen des Mittelalters 
und der frühen Neuzeit zu erörtern, wobei die Formen auf -ey des Münstertals den 
Diskussionsmittelpunkt bildeten. Julius Rathgeber glaubte nämlich 1874, im Mün¬ 
stertal irische Reste, welche auf das frühe Mittelalter deuteten, gefunden zu haben6. 
Doch allmählich grenzte man sich auf das Näherliegende ein, nämlich die Einwande¬ 
rung aus den benachbarten frankophonen Gebieten. Abgeschlossen wurde die Dis¬ 
kussion schließlich 1937 durch den auch heute noch lesenswerten Aufsatz von Jean 
Matter, der vor allem die Bedeutung der Heiraten von Münstertälerinnen mit Lothrin¬ 
gern und Urbeistälem hervorhob7. Trotz aller Diskussionsfreude interessierte man 
sich aber in keiner Weise für die Etymologie der behandelten Familiennamen. Auch 
das wertvolle, in seiner Bedeutung kaum zu überschätzende Material, welches Hans 
Witte veröffentlichte, trägt in dieser Beziehung wegen seiner ethnischen Fragestel¬ 
lung kaum Neues bei8. 
Während also eigentlich nur die Materialien für unser Problem aus der lokalen For¬ 
schung zu verwerten sind, hat sich die schwedische Schule von Michaelsson intensiv 
mit den altlothringischen Personennamen beschäftigt, Die Metzer Bannrollen wur¬ 
3 Karl Albrecht, Rappoltsteinisches Urkundenbuch 759-1500. Quellen zur Geschichte der 
ehemaligen Herrschaft Rappoltstein im Elsaß, 5 Bde., Colmar 1891-1898 (im folgenden zi¬ 
tiert als RUB). 
4 Adolf Socin, Mittelhochdeutsches Namenbuch nach oberrheinischen Quellen des 12. und 
13. Jahrhunderts, Darmstadt 1966 (Basel 1903). 
5 Lucien Sittler, Les listes d’admission à la bourgeoisie de Colmar 1361-1494, Colmar 1958. 
0 Julius Rathgeber, Münster im Gregorienthai, Straßburg 1874, S. 27. 
7 Jean Matter, Bürgerverzeichnis der 10 Orte von Stadt und Tal Münster 1544, in: Jahrbuch 
des Geschichtsvereins für Stadt und Tal Münster 11 (1937), S. 11-32. Instruktiv auch Ga¬ 
briele Chavoen, Das elsässische Münstertal, eine Landeskunde, Freiburg i. Br. 1940 
(Diss.), S. 59-62. 
8 Vgl. vor allem Hans Witte, Zur Geschichte des Deutschtums im Elsaß und im Vogesenge¬ 
biet, Stuttgart 1897. Noch heute ist die elsässische Forschung kaum über diese Fragestel¬ 
lung hinausgelangt: Denis Leypold, Peuplement et langue au Ban de la Roche (XVe- 
XVHle siècles), Problèmes et recherches, in: Revue d’Alsace 117 (1990/91), S. 23-34. 
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