Full text : "Grenzgänger"

gend  von  Toulouse  besucht  hatte.28  Fast  scheint  es,  als  habe  bereits  die  Herkunft  aus
der  Lombardei  ausgereicht,  einen  entsprechenden  Anfangsverdacht  zu  begründen.
In  zwei  spektakulären  Fällen  ist  sogar  das  Strafmaß  bekannt,  das  die  Inquisition  über
notorische  Ketzerboten  verhängte:  In  Toulouse  wurde  1309  Guilielmus  Falqueti  aus
Verdunet  beschuldigt,  insgesamt  viermal  zu  den  Häretikern  in  die  Lombardei  gereist
zu  sein.  Bei  diesen  Gelegenheiten  habe  er  Anfragen,  Briefe,  Grüße  (salutationes)  und
weitere  Nachrichten  (rumores)  übermittelt.29  Mehrfach  ist  auch  von  anderen  Personen
  die  Rede,  die  er  als  Führer  über  die  Grenze  geleitete  (duxit  illuc  dúos  heréticos).
Die  abschließende  Urteilsbegründung  hebt  noch  einmal  die  Botengänge  hervor,  die
Guilielmus  erwiesenermaßen  unternommen  habe:  Convincitur...  deviis,  quasfecit  in
Lombardiam  pro  hereticis  ...30  Ganz  ähnlich  lauten  die  Vorwürfe,  die  bei  derselben
Verhandlung  gegen  Raimundus  Moneta  aus  Verdun  erhoben  wurden:  Auch  er  soll
viermal  als  nuncius  die  heretici  in  der  Lombardei  aufgesucht  und  dabei  Briefe  und
Mitteilungen  hin  und  her  befördert  haben;  außerdem  habe  er  einen  Ketzer  in  die
Lombardei  begleitet  und  von  dort  wieder  zurückgeführt.31  Bei  der  Verkündung  des
Strafmaßes  wendet  sich  der  Inquisitor  in  direkter  Anrede  an  die  beiden  Verurteilten,
um  ihnen  ihre  -  im  Vergleich  zu  anderen  Delinquenten  -  besonders  gravierende
Schuld  vorzuhalten:  “Und  weil  ihr,  Guilielmus  Falqueti  und  Raimundus  von  Verdun,
euch  schwerer  vergangen  habt  und  daher  schwerer  zu  bestrafen  seid,  bestimmen  wir,
daß  ihr  lebenslänglich  unter  verschärften  Bedingungen  im  Kerker  eingeschlossen
werden  sollt,  in  Fesseln  und  in  Ketten.”32
Unnachsichtig  verfolgte  die  Inquisition  jeden,  der  die  Strenge  ihrer  Maßnahmen  zu
kritisieren  wagte.  1321  äußerte  Petrus  de  Fonte  aus  Vaychis  (Ariége)  gegenüber  anderen
  Dorfbewohnern  die  Meinung,  es  sei  sündhaft,  Ketzern,  Juden  oder  Sarazenen
etwas  Böses  zuzufügen,  wenn  sie  auf  untadlige  Weise  ihren  Lebensunterhalt  erwirtschafteten.
  Auch  habe  er  gehört,  daß  in  der  Lombardei  den  Ketzern,  Juden  und  Sara¬"8

  Ebd.:  Petrus  Maurelli  veniebat  frequenter  ad  amicos  et  credentes  de  partibus  Tolosae  ex
parte  credentium  et  proborum  hominum  de  Lombardia.
29  Philippi  a  Limborch  Historia  Inquisitionis.  Cui  subjungitur  Liber  sententiarum  inquisitionis
Tholosanae  ab  anno  Christi  MCCCVII  ad  annum  MCCCXXIII,  Amsterdam  1692,  lib.  sent.
S.  13:  Item  cum  quibusdam  aliis  personis  ivit  in  Lombardiam  apud  Comum  ad  querendum
heréticos,  et  invenit  et  vidit  et  audivit  predicationem  eorum,  inde  reportavit  literam  pro  aliis
  hereticis  istius  patrie  et  salutationes  hereticorum.  Item  secunda  vice  rediit  in  Lombardiam
  apud  Comum  et  portavit  eis  salutationes  et  rumores  aliorum  hereticorum  et  credendum
  ipsorum.  Item  tertia  vice  ivit  missus  per  heréticos  in  Lombardiam  apud  Comum  et  Quercum
  ad  heréticos,  et  portavit  eis  literas  hereticorum,  et  reportavit  inde  literas  responsales
et  salutationes  mutuas.  Item  quarta  vice  ivit  in  Lombardiam  ...
30  Ebd.,  S.  14.
31  Ebd.:  Item  ivit  in  Lombardiam  quatuor  vicibus  missus  per  heréticos  ad  heréticos,  tanquam
nuncius  eorundem  portans  et  reportans  rumores  et  nunciationes  mutuas  et  literas  eorundem,
  et  in  quadam  vice  duxit  et  associavit  de  terra  ista  usque  in  Lombardiam  Amelium  de
Perlis  hereticum  ad  alios  heréticos,  et  inde  reduxit  eundem.
32  Ebd.,  S.  32:  Et  quia  tu,  Guilielme  Falqueti,  et  tu,  Raimunde  de  Verduno,  amplius  et  gravius
deliquistis  et  ideo  estis  gravius  puniendi,  vos  in  muro  stricto  et  in  loco  arctiori  in  vinculis  et
cathenis  perpetuo  decernimus  includendos.

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