Full text : "Grenzgänger"

Auch  hier  haben  Schaffhauser  Bauern  in  den  neunziger  Jahren  viel  Grund  und  Boden
aufgekauft.  Ihre  Eigentums  flächen  sind  von  45,4  ha  auf  75  ha  (1997)  angewachsen,
während  die  Pachtflächen  mit  rund  190  ha  in  etwa  konstant  blieben.  Auffällig  ist  jedoch,
  daß  auf  denjenigen  Gemarkungen,  auf  denen  Eigentumszuwächse  der  Schweizer
  registriert  wurden,  gleichzeitig  die  Pachtflächen  zurückgegangen  sind.  Um  die
Nutzung  auf  Dauer  zu  sichern,  haben  hier  die  Schaffhauser  Bauern  bereits  gepachtete
Flächen  durch  Kauf  erworben.
Von  dem  für  Blumberg  zuständigen  Landwirtschaftsamt  in  Donaueschingen  wird
der  schweizerische  Auslandsanbau  nicht  nur  kritisch  gesehen.  So  wird  anerkannt,
daß  anders  als  in  anderen  Teilen  des  Amtsbezirks  keine  Grenzertragsböden  brachfallen.
  Auch  stellte  sich  heraus,  daß  deutsche  Landwirte  oft  gar  nicht  daran  interessiert
seien,  das  zur  Verfügung  stehende  Land  zu  pachten.  Im  übrigen  sei  der  grundsätzlichen
  finanziellen  Besserstellung  der  Schweizer  Landwirte  mit  staatlichen  Regulationsmechanismen
  nicht  derart  beizukommen,  daß  dadurch  die  Konkurrenzfähigkeit
deutscher  Landwirte  gesteigert  werden  könnte.  Ein  Anreiz  zum  Kauf  bestehe  für  die
Schweizer  durch  die  großen  Unterschiede  bei  den  Grundstückspreisen.  So  koste  ein
Hektar  Land  in  Deutschland  20  000  -  30  000  DM  während  in  der  Schweiz  80  000  -
100  000  Franken  fällig  würden.  Zudem  können  Schweizer  bei  Kreditaufnahmen  von
einem  günstigeren  Zins  profitieren.  Sie  können  außerdem  billiger  Düngemittel  und
Maschinen  in  Deutschland  beziehen  und  die  dort  erzeugten  Agrarprodukte  zu  „paradiesischen“
  Preisen  in  der  Schweiz  absetzen.
5. Fazit
Für  die  Schweizer  Grenzlandwirte  ist  es  nicht  nur  verlockend,  sondern  betriebswirtschaftlich
  sinnvoll,  günstige  und  profitable  Flächen  im  benachbarten  Ausland  zu
pachten  oder  hinzuzukaufen.  Die  Expansion  wäre  nicht  denkbar  ohne  die  durch
Grenzabkommen  mit  den  Nachbarländern  geschaffene  zollfreie  10-km-Zone  und
ohne  die  innerschweizerischen  Fördermechanismen,  die  zwar  eingeschränkt  wurden
(Direktzahlungen  statt  Preisgarantien),  aber  den  Schweizer  Landwirten  nach  wie  vor
ein  hohes  Einkommen  sichern  und  somit  die  Konkurrenzfähigkeit  gegenüber  Bauern
in  Deutschland  bis  auf  weiteres  erhalten.  Ohne  die  Anpassung  an  EU-Preise  wird  es
daher  für  Schweizer  auch  in  nächster  Zeit  wenig  Grund  geben,  auf  die  Ausdehnung
ihrer  Produktions  flächen  im  Ausland  zu  verzichten.  Die  Tatsache,  daß  vielfach  das
Verhältnis  zu  den  Kollegen  im  Nachbarland  unter  diesen  Gegebenheiten  leidet,
scheint  die  primär  nach  Aspekten  der  Wirtschaftlichkeit  und  auch  der  Existenzsicherung
  arbeitenden  Schweizer  nicht  zu  Nachsicht  gegenüber  finanziell  schwächer  ausgestatteten
  deutschen  Landwirten  zu  veranlassen.  War  der  bis  in  die  sechziger  Jahre
hinein  noch  bescheidene  Schweizer  Auslandsanbau  in  Südbaden  ein  Teil  der  vielfältigen
  traditionellen  Beziehungen  zwischen  den  Bewohnern  diesseits  und  jenseits  der
Staatsgrenze,  oft  auf  verwandtschaftlichen  Bindungen  begründet,  so  ist  seit  der  rasanten
  Expansion  bei  Pachten  und  Grundstückskäufen  ein  Konkurrenzdruck  entstanden,
  der  besonders  junge  deutsche  Landwirte  im  Grenzraum  trifft.

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