Full text: "Grenzgänger"

2.2 Zweite Phase: 1981-1995: Massiver Aufschwung und Explosion der Zahlen der 
Grenzgängerarbeit in Luxemburg 
Das Jahr 1981 ist der wirkliche Anfang dessen, was heute als ein regelrechtes Phäno¬ 
men betrachtet wird. Die Grenzgänger in Luxemburg steigen von nun an explosions¬ 
artig: 1987 sind es über 20,000 Grenzgänger, 1992 über 40.000, 1995 wird die 
Schwelle der 50.000 überschritten, und seit Ende 1996 zählen die offiziellen Statisti¬ 
ken über 60.000 Grenzgänger auf dem Luxemburger Arbeitsmarkt. 
Betrachten wir diese Zahlen etwas genauer: 
Wir stellen einen steilen Aufstieg der Kurve ab 1985 fest. Zwischen 1985 und 1995 
hat die Grenzgängerzahl sich mehr als verdreifacht. Dieser Aufstiegskurs scheint 
sich in nächster Zukunft nicht zu verlangsamen, da viele Betriebe noch immer mit ei¬ 
nem Mangel an qualifiziertem Personal in Luxemburg rechnen müssen. Ende 1996 
machen die Grenzgänger 29,9 % der aktiven Bevölkerung Luxemburgs aus! Bei die¬ 
sen Proportionen auf dem Luxemburger Arbeitsmarkt müssen die Grenzgänger mit 
Alltagsproblemen rechnen: 
Über 90 % der Grenzgänger kommen mit ihrem PKW zu ihrem Arbeitsplatz, was in 
einem kleinen Land wie Luxemburg zu erheblichen Verkehrsproblemen führt. Dies 
fuhrt nicht nur zu gewaltigen Staus während den Spitzenstunden, sondern auch zu 
enormen Parking-Problemen: Mit nur 2 % des Landesgebietes muß die Stadt Luxem¬ 
burg 38 % der Arbeitnehmer unterbringen. Es gibt aber nur 15.500 Parkplätze für 
45.000 Berufstätige. 
Die Behörden bemühen sich, Lösungsvorschläge zu suchen. Des öfteren stoßen diese 
auf Widerstand bei der Bevölkerung: So bemüht man sich, die Dauerparker durch 
sehr hohe Geldstrafen aus dem Stadtkern zu entfernen. Nur, das einzige Problem ist, 
daß man auf diese Weise auch die Kurzparker bestraft... Seit Anfang der 80er Jahren 
baut man nach Vorbild des Auslandes P&Ride Parkings rund um die Stadt. Mehr als 
17.000 Parkplätze stehen heute durch diese Alternative zur Verfügung. Mit 
Verkehrsstockungen müssen die Grenzpendler jedoch weiterhin rechnen. Das lu¬ 
xemburgische Straßennetz kann keinen Bemfsverkehr von über 200.000 Menschen 
problemlos täglich befördern. 
Kommen wir jetzt zur Analyse der Herkunft der Grenzgänger zwischen 1981 und 
1995: 
Wir stellen fest, daß Frankreich und Belgien anfangs der achtziger Jahre fast die glei¬ 
che Zahl an Grenzgängern stellen. Ab 1985 nehmen die Lothringer die Spitze hin¬ 
sichtlich des Herkunftslandes der in Luxemburg arbeitenden Grenzgänger. In der 
Zeit zwischen 1981 und 1995 hat sich die Zahl der französischen Grenzgänger ver¬ 
fünffacht; die der belgischen fast verdreifacht und die der deutschen fast versechs¬ 
facht. 
Die Grenzgänger aus Deutschland haben proportional also die stärkste Zunahme, ob¬ 
wohl sie 1995 noch immer nur 18 % der Gesamtgrenzgängerzahl in Luxemburg aus¬ 
machen. Die Zahl der Grenzgänger aus Frankreich steigt proportionnal zur Gesamt¬ 
kurve. Die Lothringer machen 1995 über 50 % der Grenzgänger aus. Die belgischen 
Grenzgänger steigen proportional am schwächsten: 1975 machten sie noch 50 % der 
Grenzgänger in Luxemburg aus, 1995 sind es nur noch 30 %. Seit 1985 haben die bel- 
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