Full text : "Grenzgänger"

Carole  Schmit

30  Jahre  Grenzgänger  in  Luxemburg  (1965  -1995)

1. Einleitung
Zur  Illustration  des  bearbeiteten  Problems  geben  wir  einige  Zahlen  aus  Luxemburg:
Das  Land  hat  eine  Größe  von  2.586  km2.
Die  Gesamtbevölkemng  (01/01/1997)  liegt  bei  418.031  Einwohnern.
Die  aktive  Bevölkemng  macht  (12/1996)  204.360  Personen  aus.
Die  Grenzgänger  sind  61.065  (12/1996),  sie  machen  also  29,9  %  der  aktiven  BevöL
kerung  aus!
Luxemburg  hat  25  %  wohnhafte  Ausländer.
Kommen  wir  jetzt  zur  Definition  des  Grenzgängers:  Es  handelt  sich  dabei  um  einen
Angestellten  ohne  Unterschied  seiner  sozio-professionellen  Kategorie,  der  im  Prinzip
  jeden  Tag  oder  mindestens  einmal  pro  Woche  in  sein  Wohnland  zurückfährt.  In
Luxemburg  wird  oft  von  Grenzpendlern  gesprochen,  was  ihre  große  Mobilität  unterstreicht.
  Das  französiche  Wort  ist  frontalier.  Die  Grenzgänger  in  Luxemburg  kommen
  aus  den  drei  Nachbarländern  von  Luxemburg:  Belgien,  Deutschland  und  Frankreich.
  Zwei  Drittel  dieser  Grenzgänger  leben  in  einem  Umkreis  von  20  km  von  der
luxemburgischen  Grenze.
Sie  werden  nicht  mit  den  wohnhaften  Ausländem  in  den  Statistiken  verrechnet.  Seit
Anfang  der  achtziger  Jahre  haben  sie  ihre  eigene  Kartei  bei  den  staatlichen  Krankenkassen,
  Sie  sind  in  Luxemburg  versichert,  fallen  aber  als  Arbeitslose  unter  die  Verwaltung
  ihrer  Wohngegend.  Sie  stehen  also  nicht  bei  den  luxemburgischen  Arbeitslosenzahlen.

Warum  analysiere  ich  gerade  die  30  Jahre  von  1965  bis  1995  ?  Diese  Epoche  ist  sehr
interessant  für  die  Entwicklung  Luxemburgs.  Denn  die  Erdölkrise  von  1973  hat  nicht
eine  schwerste  Wirtschaftskrise  zur  Folge  oder  gar  eine  Stagnation,  sondern  paradoxerweise
  einen  Aufschwung,  bedingt  durch  eine  tiefe  Restrukturation.  Neue  Wirtschaftsbezirke
  entstehen  (Dienstleistungen,  Banken,  Medienkonzeme).  Arbeitsplätze
  werden  geschaffen,  die  nur  mit  Hilfe  der  Grenzgänger  belegt  werden  können.  Die
siebziger  und  achziger  Jahre  werden  in  Luxemburg  als  die  goldenen  bezeichnet.
Zum  andern  ist  der  Beginn  dieser  Arbeit  durch  eine  Quellengrenze  begründet.  Es  hat
sich  nämlich  als  schwierig  erwiesen,  Grenzgängerzahlen  vor  1961  zu  bekommen.  Es
gibt  keine  abgetrennte  Kartei,  nur  der  Wohnort  ist  bestimmend;  die  Grenzgänger
wurden  noch  im  Ausland  besteuert  und  waren  auch  dort  versichert.
2. Die  historische  Entwicklung
Es  gibt  zwei  Hauptphasen,  in  denen  man  den  Grenzgängeraufschwung  in  Luxemburg
nachvollziehen  kann.

197
            
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