den dreisprachigen Luxemburgern vergleichbar sind. Die gesellschaftliche Dreisprachigkeit
in Luxemburg ermöglicht auch eine individuelle Einsprachigkeit. Viele
frankophone Grenzgänger aus Frankreich und Belgien, die nur über eine niedrige berufliche
Qualifikation verfügen, wählen aus dem Luxemburger Sprachenangebot
konsequent immer nur das Französische aus. Sie können damit ohne Probleme in Luxemburg
arbeiten und einkaufen, aber wohl kaum beruflich aufsteigen.
Die Franzosen, die in Deutschland arbeiten, sind hingegen zwingend auf deutsche
Sprachkenntnisse angewiesen. Rein frankophone Grenzgänger sind die Ausnahme,
und sie müssen sich ziemlich schnell sprachlich anpassen. Französisch kann nur von
einem Teil in Kundenbeziehungen angewandt werden. Die deutsch-französische
Sprachgrenze in Lothringen wird somit zur schwer durchlässigen Anwerbegrenze für
Grenzgänger nach Deutschland. Frankophone Lothringer erfahren so leicht eine
sprachliche Minderwertigkeit. Als Reaktion formulieren sie - wie die einsprachigen
Deutschen aus der Grenzregion - die Aufforderung: Lerne die Sprache des Nachbarn!
leichten Herzes um in: Nachbar, lerne meine Sprache] In dieser deutsch-französischen
Sprachenkonkurrenz hatte bislang das Deutsche alle ökonomischen
Trümpfe in der Hand, doch die Erfolge der Region Lothringen bei der Schaffung neuer
Arbeitsplätze könnten für die Zukunft ausgeglichenere Verhältnisse hersteilen.
Vielleicht suchen dann auch Saarländer eine Anstellung in Lothringen, Französischkenntnisse
vorausgesetzt.
Die Zweisprachigkeit der germanophonen Lothringer ist ihr ökonomischer Vorteil.
Einige erkennen den Zusammenhang zwischen der Bewahrung der Dialekte als
Grundlage der Zweisprachigkeit und dem daraus entstehenden Vorsprung in einem
vielsprachigen europäischen Arbeitsmarkt. Auf einsprachiger Grundlage eine persönliche
und gesellschaftliche Zwei- oder Dreisprachigkeit wie die Luxemburger zu
erreichen, scheint für die frankophonen Lothringer hingegen in noch größerer Feme
zu liegen als für die Deutschen in den Grenzregionen.
Die meisten Grenzgänger ziehen aus ihrer persönlichen Zwei- und Mehrsprachigkeit
ein erhöhtes Selbstbewußtsein. Der Bilingualismus trägt somit auch zur
Identitätsbildung bei. Die große Zustimmung zu André Weckmanns Forderungen für
eine Bilingua-Zone kommt von Menschen, die täglich mit der Sprachenvielfalt
umgehen müssen. Das sollte die Politiker der Region ermuntern, weitere Schritte in
diese Richtung zu wagen. Die Reserviertheit der Frankophonen aus Lothringen und
Belgien sowie der Rheinland-Pfälzer aus dem Regierungsbezirk Trier, die beide
etwas abseits der deutsch-französischen Grenze leben, gegenüber den Forderungen
zeigt aber auch die Grenzen dieses Konzeptes auf. Kern einer Bilingua-Zone in
Saar-Lor-Lux können auf absehbare Zeit wohl nur das Großherzogtum Luxemburg,
das Arelerland, das germanophone Lothringen und das Saarland sein, obwohl gerade
im Saarland die prinzipielle Offenheit gegenüber dem Französischen oft von einer
sprachlichen Bequemlichkeit bei grenzüberschreitenden Kontakten konterkariert
wird.
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