Full text : "Grenzgänger"

Französischkompetenz  auf  germanophoner  Grundlage,  die  der  Situation  in  Luxemburg
  vergleichbar  wäre,  scheint  es  noch  ein  weiter  Weg  zu  sein.  Zumindest  in
Saarbrücken  und  Saarlouis  ist  Französisch  de  facto  zweite  Geschäftssprache.
Die  dialektale  Gliederung  setzt  sich  östlich  in  Rheinland-Pfalz  fort.  Im  Regierungsbezirk
  Trier  wird  Moselfränkisch  gesprochen,  in  der  Westpfalz  mit  dem  Hauptort
Kaiserslautern  Rheinffänkisch  oder  Pfälzisch.  Im  Gegensatz  zum  Saarland  ist  Englisch
  unbestritten  die  erste  Fremdsprache,  Französisch  spielt  daneben  nur  eine  untergeordnete
  Rolle.
Die  Ergebnisse  der  brieflichen  Umfrage  zum  Sprachverhalten  und  zu  Spracheinstellungen
  bei  Grenzgängern  aus  verschiedenen  Regionen  in  Saar-Lor-Lux  beruhen  auf
der  Auswertung  von  44  ausgefüllt  zurückgesandten  Fragebögen.9  Der  Begriff  des
Grenzgängers  umfaßt  dabei  die  Arbeitspendler,  die  den  höheren  Löhnen  jenseits  der
Grenze  folgen,  und  die  Wohnpendler,  welche  die  niedrigeren  Immobilienpreise  auf
der  anderen  Seite  der  Grenze  nutzen.  Den  Schwerpunkt  bilden  französische  Arbeitspendler
  aus  Ostlothringen,  die  im  Saarland,  in  der  Westpfalz  oder  in  Luxemburg  einer
  Beschäftigung  nachgehen.  Aus  Frankreich  liegen  30  beantwortete  Fragebögen
vor,  acht  wurden  von  Deutschen,  zwei  von  Luxemburgern  und  vier  von  Belgiern  beantwortet.
  Es  antworteten  25  Männer  und  19  Frauen.  Alle  befragten  Grenzgänger
sind  zudem  Einkaufspendler,  die  sich  auch  im  Nachbarland  versorgen.  Neben  den
Grenzgängern  gibt  es  viele  weitere  Einkaufs-  und  Freizeitpendler,  die  in  dieser  Untersuchung
  nicht  berücksichtigt  werden.  Durch  die  Verschickung  von  Fragebögen
konnte  eine  größere  Anzahl  von  Grenzgängerinnen  und  Grenzgängern  aus  unter¬9

 Einige  weitere  Fragebögen  konnten  nicht  in  die  Auswertung  einbezogen  werden,  da  sie
nicht  von  Grenzgängern  ausgefüllt  wurden,  sondern  von  Gemeindeangestellten  oder
sprachpolitisch  interessierten  Personen  aus  den  angefragten  Gemeinden.  Studien  zum
Sprachgebrauch  von  Grenzgängern  waren  bibliographisch  nicht  zu  ermitteln.  Einige  Bemerkungen
  zu  dem  Komplex  macht  Wolfgang  Bufe,  Bilingualismus  an  der  Grenze  oder  die
Lothringer  und  ihre  ‘Sprache’,  in:  LiLi.  Zeitschrift  für  Literaturwissenschaft  und  Linguistik
83  (1991)  S.  96-99.  Allerdings  gibt  es  zahlreiche  Studien  zum  Sprachgebrauch  in
Sprachminderheitengebieten.  Im  Untersuchungsraum  ist  zuerst  zu  nennen  Walter  Hoffmeister,
  Sprachwechsel  in  Ost-Lothringen.  Soziolinguistische  Untersuchung  über  die  Sprachwahl
  von  Schülern  in  bestimmten  Sprechsituationen  (Deutsche  Sprache  in  Europa  und
Übersee,  Berichte  und  Forschungen  2),  Wiesbaden  1977.  Mit  Fragebögen  arbeiteten  auch
Yves  Persoons  /  Mireille  Versele,  Deutsch-Französischer  Sprachkontakt  in  “la  Wallonie
Prussienne”.  Eine  sprachsoziologische  Fallstudie  im  deutsch-sprachigen  Raum  Belgiens,
in:  Jean  Caudmont  (Hg.),  Sprachen  in  Kontakt.  Langues  en  contact  (Tübinger  Beiträge  zur
Linguistik  185),  Tübingen  1982.  Vergleichbar  in  den  Problemstellungen  ist  eine  belgische
Untersuchung:  Sonja  Vandermeeren,  Spracheinstellungen  links  und  rechts  der  Sprachgrenze.
  Eine  kontaktlinguistische  Umfrage  im  Vurgebiet  und  in  Altbelgien-Nord  (Plurilingua
14),  Bonn  1993.  Zu  den  Untersuchungsmethoden  insbesondere  die  S.  31  -44.  Mit  Leitfadeninterviews
  arbeitete  Stroh  (wie  Anm.  7).  Zu  sprachsoziologischen  Methoden  vgl.  auch  Johannes
  Bechert  /  Wolfgang  Wildgen,  Einführung  in  die  Sprachkontaktforschung.  Unter
Mitarbeit  von  Christoph  Schroeder  (Die  Sprachwissenschaft),  Darmstadt  1991,  S.  38-51.

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