Full text: "Grenzgänger"

werden in Saar-Lor-Lux gesprochen. Die Region wird von Norden nach Süden von 
der romanisch-germanischen beziehungsweise deutsch-französischen Sprachgrenze 
durchzogen, die sich im frühen Mittelalter zwischen Galloromanen und Franken her¬ 
ausbildete.3 Westlich dieser Grenze werden wallonische und romanisch-lothringi¬ 
sche Dialekte des Französischen gesprochen, beziehungsweise nach dem weitgehen¬ 
den Verschwinden der romanischen Dialekte ein Regionalfranzösisch. Mutterspra¬ 
che, Umgangssprache und Nationalsprache fallen in den frankophonen Teilen Bel- 
gisch-Luxemburgs und Lothringens also durchweg zusammen. 
Östlich der Sprachgrenze werden moselfränkische und rheinfränkische Dialekte so¬ 
wie darauf fußende regionale Umgangssprachen gesprochen. Die Grenze zwischen 
mosel- und rheinfränkischen Dialekten wird durch die dat/das-Linie markiert: nörd¬ 
lich dieser Linie sagt man moselfränkisch dat, südlich davon rheinfränkisch das. 
Weitere Wort- und Lautgrenzen konstituieren die sogenannte ‘Hunsrückbarriere’ als 
Grenzsaum zwischen Mosel- und Rheinfränkisch. Das Moselfränkische des Untersu¬ 
chungsraums kann mit Hilfe der op/of-Linie in eine westmoselfränkische oder lu¬ 
xemburgische Variante mit op und eine südmoselfränkische Variante mit of unter¬ 
schieden werden. Insgesamt zeigt das Südmoselfränkische eine größere Nähe zum 
Rheinfränkischen und zum Hochdeutschen. Die mosel- und rheinfränkischen Dia¬ 
lekte gehören trotz dieser Laut- und Wortgrenzen einem sprachlichen Kontinuum an, 
das heißt die Verständigung von Ort zu Ort ist möglich, und erst nach einer gewissen 
Strecke wird der sprachliche Brückenschlag schwieriger. 
Nach ersten Anfängen im vergangenen Jahrhundert wurden seit Beginn des 20. Jahr¬ 
hunderts die moselfränkischen Dialekte Luxemburgs in Abgrenzung gegen das 
Deutsche, und nach der zweimaligen Besetzung im I. und 2. Weltkrieg vor allem in 
Abgrenzung gegen die Deutschen, zu Letzebuergesch oder Luxemburgisch ausge¬ 
baut. Luxemburgisch wurde erstmals 1939 und dann im Sprachengesetz von 1984 
zur Nationalsprache erhoben. Neben Französisch und Deutsch ist auch Luxembur¬ 
gisch Verwaltungs Sprache.4 
In der belgischen Provinz Luxemburg mit der Hauptstadt Arlon/Arel werden wallo¬ 
nische und romanisch-lothringische Dialekte und entlang der luxemburgischen 
Grenze auch moselfränkische Dialekte gesprochen. Das moselfränkische Sprachge¬ 
biet wird im allgemeinen als Arelerland bezeichnet. Das Moselfränkische ist fast nur 
noch als Familiensprache im Gebrauch, während das öffentliche Leben vom Franzö¬ 
3 Zur Entstehung der Sprachgrenze vgl. Wolfgang Haubrichs, Über die allmähliche Verferti¬ 
gung von Sprachgrenzen. Das Beispiel der Kontaktzonen von Germania und Romania, in: 
Wolfgang Haubrichs/Reinhard Schneider (Hgg.), Grenzen und Grenzregionen (Veröffent¬ 
lichungen der Kommission für saarländische Landesgeschichte und Volksforschung 22), 
Saarbrücken 1994, S. 99-129. 
4 Zur neueren Geschichte der Sprachen in Luxemburg vgl. Fernand Hoffmann, 1839-1989: 
Fast 150 Jahre amtlicher Zwei- und privater Einsprachigkeit in Luxemburg. Mit einem na¬ 
tionalsozialistischen Zwischenspiel, in: Wolfgang Dahmen et alii (Hgg.), Germanisch und 
Romanisch in Belgien und Luxemburg. Romanistisches Kolloquium VI (Tübinger Beiträ¬ 
ge zur Linguistik 363), Tübingen 1992, S. 149-164. 
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