Full text : "Grenzgänger"

zu.  Die  Ausführungen  haben  gezeigt,  daß  die  lokalen  Akteure  der  grenzüberschreitenden
  Zusammenarbeit  weitaus  weniger  mit  praktischen  Problemen  zu  kämpfen  haben,
  die  durch  das  Aufeinandertreffen  unterschiedlicher  Kultur-  oder  Sprachräume
bzw.  unterschiedlicher  Staatssyteme  hervorgerufen  werden.  Hinzu  kommt,  daß  die
Kooperation  auf  dieser  Ebene  sehr  stark  durch  private  Kontakte,  d.h.  familiäre  bzw.
freundschaftliche  Beziehungen  zu  Menschen  jenseits  der  Grenze,  begünstigt  werden.
Sich  negativ  auswirkende  Ressentiments,  wie  sie  möglicherweise  ein  französischer
Staatsbeamter  der  Regionalpräfektur  gegenüber  einem  deutschen  Landesbeamten
(oder  umgekehrt)  haben  kann,  scheinen  auf  der  untersuchten  Maßstabsebene  eine
marginale  Rolle  zu  spielen.  Das  tatsächlich  aufgetretene  Extrembeispiel  eines  lothringischen
  Bürgermeisters,  der  ob  seiner  persönlichen  Erfahrungen  mit  der  Nazizeit
die  Kooperation  mit  einer  saarländischen  Nachbargemeinde  über  Jahre  blockierte,
sollte  in  diesem  Zusammenhang  nicht  übennterpretiert  werden.  Trotz  dieser  historischen
  Erblast  ist  das  Klima  zwischen  den  lokalen  Partnern  in  der  Regel  von  einem
sehr  kollegialen,  meist  aufrichtig  freundschaftlichen  Umgang  miteinander  geprägt.
Die  Kooperation  von  Planung  und  Verwaltung  wird  im  grenznahen  Raum  begleitet
von  mannigfaltigen  kulturellen  Aktivitäten  wie  Festen,  Messen,  Ausstellungen,  Jugendfreizeiten,
  Sportveranstaltungen  etc.,  die  zum  Teil  aus  der  Verwaltungskooperation
  hervorgegangen  sind,  zum  Teil  auf  Eigeninitiativen  der  örtlichen  Vereine  und
dörflichen  Gemeinschaften  beruhen.  Der  Beitrag  dieser  -  oftmals  belächelten  -  Veranstaltungen
  zur  grenzüberschreitenden  Identitätsbildung  in  der  Bevölkerung  bzw.
zur  Akzeptanzforderung  für  grenzüberschreitende  Projekte  und  Investitionen  ist  keineswegs
  zu  unterschätzen.
Angesichts  dieser  sozio-kulturell  günstigen  Rahmenbedingungen  für  eine
grenzüberschreitende  Integration  spielen  die  dargestellten  Teilräume  eine  tragende
Rolle  in  der  Entwicklung  des  gesamten  Grenzraums  Saar-Lor-Lux.  Dabei  ist  ihre
Zukunft  davon  abhängig,  in  welchem  Maße  es  gleichzeitig  auf  der  internationalen
wie  interregionalen  Ebene  gelingt,  die  Rahmenbedingungen  der  Kooperation  zu
verbessern  und  die  bestehenden  Hindernisse  abzubauen.  Wie  beispielhaft  gezeigt
wurde,  erfahren  diese  Netzwerke  eine  zunehmende  Institutionalisierung  und
gewährleisten  damit  sowohl  eine  gewisse  Kontinuität  als  auch  eine  größere
Verbindlichkeit  der  Absprachen  und  Planungen.  Sie  können  als  bereits  integrierte
Kembereiche  des  Saar-Lor-Lux-Raumes  betrachtet  werden,  die  mittelfristig  einen
wesentlichen,  ja  beispielhaften  Beitrag  zur  Überwindung  der  EU-Bmnengrenzen
leisten.  Diese  Ansätze  können  als  Basis  einer  Integration  „von  unten“  (bottom-up)
verstanden  werden,  die,  im  Gegensatz  zu  den  bei  der  Realisierung  des  europäischen
Binnenmarktes  oder  der  Währungsunion  dominierenden  to/?-fi?ow«-Kräften,  eine
größere  Nachhaltigkeit  und  Akzeptanz  in  allen  Lebensbereichen  erwarten  läßt.

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