Full text : "Grenzgänger"

(Abb.  8).  Es  handelt  sich  um  Teilräume  jener  von  Moll  definierten  Grenzzone18,  von
denen  im  folgenden  beispielhaft  die  drei  vorgestellt  werden  sollen,  die  angesichts  einer
  voranschreitenden  Institutionalisierung  ihrer  lokalen  Kooperation  mittel-  bis
langfristig  die  Entstehung  echter  Städtenetze  erwarten  lassen.
Fallbeispiel  A:  Die  Agglomération  Transfrontalière  du  PED
Longwy-Rodange-Athus
Die  Agglomération  Transfrontalière  ist  als  Nachfolgeprojekt  aus  dem  Pôle  Européen
  de  Développement  (PED)  hervorgegangen.  Es  handelte  sich  hierbei  um  ein
bisher  einmaliges,  trinationales  Vorhaben,  das  im  Zeitraum  1985-1995  zur  wirtschaftlichen
  Wiederbelebung  des  ehemaligen  Eisen-  und  Stahlreviers  im  Raum
Longwy  (F),  Athus  (B)  und  Pétange  (L)  beitragen  sollte.  Mit  erheblicher  finanzieller
Unterstützung  der  EU  konnte  auf  den  ca.  5  km2  großen  Industriebrachen  im  Tal  der
Chiers  ein  trinationaler  Gewerbepark,  der  Parc  International  d'Activités  (PIA),  geschaffen
  werden.  In  diesem  Bereich  sowie  auf  umliegenden,  z.T.  neu  erschlossenen
Gewerbeflächen  wurden  etwa  5.500  neue  industrielle  Arbeitsplätze  geschaffen,  städtebauliche,
  Ökologische  und  kulturelle  Aktivitäten  jedoch  weitestgehend  vernachlässigt19

Aus  dem  Unmut  über  die  einseitige  wirtschaftliche  Ausrichtung  des  Programmes  erwuchs
  die  Initiative  von  21  Grenzgemeinden  (15  F,  3  B,  3  L),  fortan  stärker  Einfluß
auf  die  Entwicklung  ihres  Grenzraumes  zu  nehmen.  Leitbild  der  Kooperation  ist  die
Schaffung  einer  Agglomération  Transfrontalière,  die  langfristig  die  Gestalt  eines
Stadtverbandes  (Communauté  urbaine)  annehmen  soll.  Diese  Projektidee  wurde  von
den  Regierungen  der  am  PED  beteiligten  Nationalstaaten  begrüßt  und  1993  in  einer
gemeinsamen  Resolution  zum  offiziellen  Folgeprojekt  des  PED  bestimmt.  Das  Projektgebiet
  umfaßt  eine  Fläche  von  300  km2  und  zählt  etwa  112.000  Einwohner.
Mit  der  Association  Transfrontalière  de  l'Agglomération  du  PED  wurde  1996  eine
privatrechtliche20  Organisationsstruktur  geschaffen,  die  im  wesentlichen  von  den  betroffenen
  Gemeinden  und  Gemeindeverbänden  getragen  wird,  aber  auch  staatliche
Vertreter  integriert.  Ferner  ist  auf  belgischer  Seite  mit  IDELUX21  ein  kommunaler
Zweckverband  an  der  Association  beteiligt,  der  bereits  im  Rahmen  des  PED-Projektes
  operative  Aufgaben  wahmahm.  Die  Aufnahme  ministerieller  Repräsentanten  der
drei  beteiligten  Staaten  war  aus  Gründen  der  Vorgeschichte  des  Projektes  sowie  angesichts
  der  in  Aussicht  gestellten  finanziellen  Unterstützung  aus  nationalen  und  eu-18

  Moll  (wie  Anm.  7).
19  Vgl.  Christian  Schulz,  Reaktivierung  von  Industriebrachen  als  Element  einer  ökologisch
orientierten  Strukturpolitik  im  Saar-Lor-Lux-Raum?  Das  Beispiel  des  Pôle  Européen  de
Développement  Longwy-Rodange-Athus,  Unveröffentlichte  Diplomarbeit,  Universität  des
Saarlandes,  Fachrichtung  Geographie,  Saarbrücken  1994;  ders.,  L'Agglomération  Transfrontalière
  du  Pôle  Européen  de  Développement  (PED)  Longwy-Rodange-Athus.  Expériences
  et  perspectives  d'un  programme  trinational  de  restructuration  économique,  in:  Revue
Géographique  de  l'Est  35  (1996),  S.  133-150.
20  Verein  nach  französischem  Recht.
21  =  Intercommunale  d'Équipement  Économique  de  la  Province  de  Luxembourg.

170
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.