Full text : "Grenzgänger"

Das  Konzept  orientiert  sich  an  dem  seit  einigen  Jahren  in  Wissenschaft  und  Politik
diskutierten  Phänomen  der  „Netzwerke“,  die  Steinbach  als  „mehr  oder  minder  stabile
Beziehungssysteme  zwischen  einer  Anzahl  von  ‘Grundelementen’“  bezeichnet13.
Mit  Grundelementen  sind  -  im  bildlichen  Sinne  -  Städte  als  die  Knoten  des  Netzes  gemeint.
  Diese  stehen  über  die  „Kanten“  des  Netzes  miteinander  in  Beziehung.  Die
Kanten  können  sowohl  materieller  Art  (z.B.  Verkehrswege,  Versorgungsleitungen
etc.)  als  auch  immaterieller  Art  sein  (z.B.  Verwaltungshierarchien,  Kooperationsvereinbarungen
  etc.).  Letztere  bezeichnet  Stembach  (ebd.)  auch  als  „sekundäre“  Netze,
die  in  der  Regel  nur  auf  der  Basis  von  „primären“  Netzen  der  Transport-,  Kommuntkations-
  und  Ver-  bzw.  EntsorgungsInfrastruktur  existieren  können.  Drewe  bezieht
neben  den  chames  matérielles  und  den  chaînes  immatérielles  auch  die  Ströme  {flux)
bzw,  den  Austausch  von  Gütern,  Personen  und  Informationen  zwischen  den  Städten
in  seine  Betrachtungen  ein14 15.  Ähnlich  unterscheidet  Stiens  „physische“  von  „organisatorischen“
  Austauschbeziehungen;  letztgenannte  „umfassen  Koordinations-  und
Kooperationsbeziehungen,  die  erst  in  der  Umsetzung  gemeinsamer  Planungen  und
Entscheidungen  raumrelevant  werden“,  während  die  erstgenannten  „sich  räumlichfunktional
  bereits  niedergeschlagen  haben“13.  Solche  immateriellen  bzw.  organisatorischen
  Beziehungen  zwischen  Städten  stehen  im  Mittelpunkt  der  nachfolgenden  Betrachtungen.

Grundvoraussetzung  für  das  Funktionieren  immaterieller  Städtenetze  ist  nach  Drewe
zum  einen,  daß  sich  die  jeweiligen  Aktivitäten  ergänzen,  zum  anderen,  daß  zwischen
den  lokalen  Akteuren  ein  Konsens  und  ein  bestimmter  Wille  zur  Schaffung  von  Synergieeffekten
  existieren16 17.  In  beiden  Fällen  handelt  es  sich  um  Bedingungen,  die
zwischen  grenznachbarschaftlichen  Gemeinden  in  der  Regel  erfüllt  sind.  Es  kann
also  von  der  Annahme  ausgegangen  werden,  daß  sich  Städtenetze  im  regionalen
Maßstab  mit  wachsendem  Bedeutungsverlust  der  Barriere  Wirkung  der  Grenze  auch
grenzüberschreitend  ausbilden  können,  wie  das  Modell  in  Abb.  7  zeigt.
In  stark  integrierten  Grenzräumen  kann  somit  der  Fall  eintreten,  daß  grenzüberschreitende
  Städtenetze  ehemals  national  ausgerichtete  Kooperationsstrukturen  und
Verwaltungshierarchien  überlagern  oder  sogar  verdrängen.  Sie  würden  in  diesem
Stadium  in  die  Städtenetz-Defmition  von  Adam  passen,  wonach  die  Elemente  eines
Netzes,  also  die  Städte  und  Gemeinden,  „in  engeren  bzw.  in  intensiveren  Austauschbeziehungen
  zueinander  stehen  als  zu  Elementen  außerhalb  dieses  Netzes“1'.
Im  Saar-Lor-Lux-Raum  lassen  sich  unterhalb  eines  regionalen  bzw.  überregionalen,
die  Oberzentren  miteinander  und  mit  den  Nachbarräumen  verbindenden  Städtenetzes
Anzeichen  für  die  Entstehung  lokaler  grenzüberschreitender  Netze  ausmachen

13  Josef  Steinbach,  Regionalpolitik  mit  Netzen,  in:  Raum.  Österreichische  Zeitschrift  für
Raumplanung  und  Regionalpolitik  20  (1995),  S.  26-30.
14  Drewe  (wie  Anm.  13).
15  Stiens  (wie  Anm.  13).
16  Drewe  (wie  Anm.  13).
17  Brigitte  Adam,  Städtenetze  zwischen  Tradition  und  Innovation,  BfLR-Arbeitspapiere  94,
2,  Bonn  1994.

167
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.