Full text : "Grenzgänger"

frage  nach  Förderung  durch  INTERREG  I  überstieg  die  verfügbaren  Mittel  von  800
Mio.  ECU  um  35  %10 11.
Bei  der  Verwendung  der  Gelder  von  INTERREG  I  (1990-1993)  spielte  die  kommunale
  Ebene  im  Saar-Lor-Lux-Raum  noch  eine  deutlich  untergeordnete  Rolle.  Beispielsweise
  ging  im  Rahmen  des  Operationellen  Programmes  für  den  saarländischlothringischen
  Grenzraum  von  insgesamt  9,8  Mio.  ECU  Gemeinschaftsmitteln  nur
etwa  ein  Drittel  an  Projekte  mit  lokaler  Beteiligung  (Begleitausschuß  1994).  Die
mittlerweile  bessere  Kenntnis  über  die  Fördermöglichkeiten  durch  INTERREG  II
und  die  demzufolge  größere  Anzahl  qualifizierter  Projektanträge  seitens  der  Kommunen
  läßt  jedoch  erwarten,  daß  sich  die  Gelder  aus  INTERREG  II  (Abb.  5)  ausgeglichener
  auf  die  beiden  Kooperationsebenen  verteilen  werden.
Städtenetze  im  Grenzraum
INTERREG  II  beruft  sich,  wie  oben  zitiert,  auf  die  Notwendigkeit  eines  Ausbaus  von
Kooperationsnetzen  über  die  Binnengrenzen  der  EU  hinweg.  Es  wird  ein  Leitbild
aufgegriffen,  das  in  den  achtziger  Jahren  Einzug  in  die  französische,  zu  Beginn  der
neunziger  Jahre  auch  in  die  deutsche  Raumordnungsdiskussion  gefunden  hat.  Grundlage
  ist  das  klassische  Modell  der  zentralen  Orte  von  Christaller1'.  Dieses  wurde  dahingehend
  erweitert,  daß  nicht  mehr  eine  zentralitätsbedingte,  vertikale  Hierarchie
Leitbild  siedlungsstruktureller  Ordnung  ist;  in  den  Mittelpunkt  des  Interesses  rückt
vielmehr  eine  eher  horizontale  Vernetzung  zentraler  Orte  mit  Aufgaben-  und  Funktionsteilung
  zwischen  diesen  (Abb.  6).  Letztere  ist  in  der  Regel  ein  Ergebnis  von  intensivem
  Austausch  und  Kommunikationsprozessen  zwischen  den  Zentren12.
Denkbar  sind  dabei  Netze  sowohl  auf  der  transeuropäischen  Ebene  zwischen  den  europäischen
  Metropolen,  auf  der  nationalen  Ebene  zwischen  den  Ballungs-  und  Verdichtung
  sräumen  eines  Landes,  auf  der  regionalen  Ebene  zwischen  Ober-  bzw.  Mittelzentren
  als  auch  auf  der  lokalen  Ebene  zwischen  Unterzentren.  Das  Konzept  ist
demnach  nicht  nur  auf  stark  urbanisierte  Räume,  sondern  auch  auf  ländliche  Gebiete
anwendbar.  Des  weiteren  kann  ein  Städtenetz  unterschiedliche  zentralörtliche  Ebenen
  vereinen.  Besteht  es  beispielsweise  aus  einem  Oberzentrum  und  mehreren  umliegenden
  Mittelzentren,  so  besitzt  das  Oberzentrum  auch  weiterhin  einen  zentralörtlichen
  Überschuß  im  Sinne  Christallers.  Jedoch  sind  die  Mittelzentren  nicht  mehr
zwangsläufig  zentripetal  allein  auf  diesen  Ort  ausgerichtet,  sondern  weisen  ebensolche
  Relationen  untereinander  auf,  mitunter  gar  ohne  einen  direkten  Bezug  zum  Oberzentrum.


10  Reinhard  Klein,  Grenzüberschreitende  regionalpolitische  Zusammenarbeit  im  Rahmen
von  INTERREG  und  PHARE,  in:  EUREG  2  (1995),  S.  48-52.
11  Walter  Christaller,  Die  zentralen  Orte  in  Süddeutschland,  Darmstadt  1933  (Neuauflage
1968).
12  Vgl  u.a.  Gerhard  Stiens,  Veränderte  Entwicklungskonzeption  für  den  Raum  außerhalb  der
großen  Agglomerationsräume.  Von  der  monozentrisch  dezentralen  Konzentration  zur  interurbanen
  Vernetzung,  in:  Informationen  zur  Raumentwicklung  7/8  (1994),  S.  427-443;
Paul  Drewe,  Les  villes  du  Benelux  face  au  défi  de  la  coopération  transfrontalière,  in:  Revue
de  l'Assemblée  des  Régions  d'Europe  9  (1994),  S.  24-28.

165
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.