Full text : "Grenzgänger"

Gebiet  -  vor  allem  im  Bereich  Touristik,  Agrar-  und  Nahrungsmittelindustrie  usw.
sollten  durch  eine  Deutsch-Polnische  Entwicklungsbank  finanziert  werden.
Die  Landwirtschaftsentwicklung  auf  der  polnischen  Seite  wurde  im  Stolpe-Plan  nur
zweitrangig  betrachtet.  Vorausgesetzt  wurde  außerdem  eine  schwächere  Industrieentwicklung
  als  auf  der  deutschen  Seite.  Im  polnischen  Teil  der  Insel  Uznam  sollte  -
dem  Plan  nach  -  ein  deutsches  Wirtschaftsgebiet  mit  der  deutschen  Mark  als  Zahlungsmittel
  gegründet  werden.  Sogar  die  Deutschen  meinen,  daß  solche  Projekte  viele
  polnische  Bürger  beunruhigen  können  (Wirtschaftspolitische  Diskurse  1992).
Der  zweite  Satz  der  ersten  These:  “Bei  der  Delimitation  sollen  unbedingt  Naturbedingungen
  berücksichtigt  werden”,  hängt  mit  der  kontroversen  Teilung  in  natürliche
und  künstliche  Grenze  zusammen,  was  oft  kritisiert  wurde  (Maul  O.  1956,  Barbag  J.
1974).
Umgangssprachlich  versteht  man  unter  natürlicher  Grenze  eine  durch  Flüsse,  Seen,
Gebirgsgipfel  oder  Moore  laufende  Staatsgrenze.  Der  Begriff  “natürliche  Grenze”
wird  auch  aufgrund  seiner  geopolitischen  Herkunft  nur  ungern  benutzt.  Seit  der  Entwicklung
  der  Militärtechnik  haben  natürliche  Grenzen  ihre  strategische  Bedeutung
verloren,  was  zum  am  häufigsten  erwähnten  Argument  gegen  die  Benutzung  dieses
Begriffs  wurde.
Man  betont  auch,  daß  die  Rolle  der  natürlichen  Grenzen  als  Kommunikationshmdernis
  immer  kleiner  wird.  Wenn  wir  aber  unter  natürlicher  Grenze  die  ganze  Naturschönheit
  wie  Grenzflüsse,  Seen,  Grundwasser,  Wälder  verstehen,  die  durch  zwei
aneinander  grenzende  Länder  gemeinsam  benutzt  werden  kann  (Kaluski  S.,  1997),
dann  ist  dieser  Begriff  aktuell  und  logisch  begründet.  Der  Umfang  einer  Transgrenzregion
  der  so  gemeinten  natürlichen  Grenze  kann  zum  Beispiel  durch  die  Wasserscheide
  der  Grenzflüsse  oder  durch  Waldgrenzen  angesetzt  werden.  Im  Falle  der  polnisch-deutschen
  Grenze  kann  als  eine  solche  Transgrenzregion  das  Oder-Neiße-Gebiet
  gelten,  das  bis  jetzt  bei  Gestaltungsversuchen  der  oben  genannten  Regionen  konsequent
  unbeachtet  gelassen  wurde.
Vielleicht  werden  sich  infolge  der  Hochwasserkatastrophe  im  Sommer  1997  Zentralund
  Lokalbehörden  der  beiden  Länder  dessen  bewußt,  daß  Natur  ein  wesentlicher
Faktor  der  Transgrenzzusammenarbeit  ist.  Beispiele  einer  solchen  Zusammenarbeit
sieht  man  in  vielen  Ländern  Europas  und  der  Welt  (Kaluski  S,,  1992).
Alle  mit  der  gemeinsamen  Wirtschaft  im  Odergebiet  verbundenen  Unternehmen
würden  sicher  durch  einen  Vertrag  über  das  internationale  Zuflußgebiet  (bassin  de
drainage  international)  erleichtert.  Das  ist  ein  neuer  Begriff,  der  Ende  der  50er  Jahre
unseres  Jahrhunderts  in  der  Literatur  des  Internationalen  Rechts  und  in  der  Vertragspraxis
  erscheint  (Harting  E.,  1955).  Darunter  ist  am  häufigsten  ein  sich  auf  dem
Territorium  zweier  oder  mehrerer  Länder  erstreckendes  Gebiet  zu  verstehen,  das
durch  die  Wasserscheide  des  Flußgebiets  begrenzt  wird.  Zur  Entstehung  dieses  Begriffs
  hat  die  Notwendigkeit  einer  planmäßigen  und  optimalen  Ausnutzung  der
Grenzflüsse  und  ihrer  Nebenflüsse  beigetragen.  Wenn  das  Odergebiet  als  eine  Transgrenzregion
  betrachtet  wird,  entstehen  große  Möglichkeiten  in  allen  Bereichen  der
Wasserwirtschaft,  wie  in  der  Binnenschiffahrt,  der  Bewässemng,  im  Kampf  mit  der
Wasserverschmutzung  und  so  weiter,  koordinierend  zu  handeln.
Dank  der  Naturschönheit  kann  im  Odergebiet  eine  touristische  Transgrenzregion  gestaltet
  werden.  Von  Kostrzyn  bis  Szczecin  fließt  die  Oder  durch  ein  landschaftlich  in¬149


            
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