Full text : "Grenzgänger"

Im  Zusammenhang  mit  dem  Symposiumsthema  und  mit  dem  Titel  des  vorliegenden
Beitrags  möchte  ich  zwei  Thesen  vorstellen  und  kurz  begründen:
1.  Bisherige  Delimitationsversuche  der  Grenzregionen  sind  wenig  effektiv.  Bei  der
Delimitation  sollen  unbedingt  Naturbedingungen  berücksichtigt  werden.
2,  Die  deutsch-polnische  Grenze  soll  so  lange  Grenze  der  Europäischen  Union  bleiben,
  bis  Polen  zur  Vereinigung  bereit  ist.  Die  Grenzregionen  können  gute  Untersuchungsgebiete
  werden.
Eine  der  wichtigen  Aufgaben  der  polnischen  Westgrenze  in  der  Zeit,  als  Polen  noch
an  die  DDR  grenzte,  war  -  trotz  ihrem  Propagandanamen  “Friedens-  und  Freundschaftsgrenze”
  -  die  Trennung  der  beiden  Staaten.  Charakteristisch  waren  hier
Schwierigkeiten  mit  der  Grenzüberschreitung,  zu  wenig  Grenzübergänge,  Mangel  an
lokalen  Transgrenzkontakten.  Als  einzige  “Grenzregionen”  galten  dann  die  sogenannten
  Grenzzonen  (auf  beiden  Seiten)  mit  genau  festgelegten  Vorschriften,  die
dem  Staatsgrenzenschutz  dienten.  Dadurch  wurden  strenge  Aufenthaltsregeln  in  den
Grenzgebieten  bestimmt,  die  sowohl  für  Bürger  eines  der  beiden  Staaten  als  auch  für
Ausländer  obligatorisch  waren.  Die  Vorschriften  bestimmten  auch  Möglichkeiten
der  Grenzwasserbenutzung,  Entwicklung  des  touristischen  Verkehrs  und  so  weiter.
Alle  Investitionsentwürfe  sollten  mit  entsprechenden  Grenzschutzorganen  besprochen
  werden.  Die  einige  zehn  Jahre  dauernde  Situation  hat  zur  deutlichen  ökonomischen
  Stagnation  dieser  Gebiete  beigetragen.  Wesentliche  Veränderungen  und  eine
Wirtschaftsbelebung  folgten  im  polnisch-deutschen  Grenzgebiet  nach  der  Vereinigung
  Deutschlands  und  nach  dem  Zerfall  sozialistischer  Staaten.  Man  begann  dann
mit  Versuchen,  Territorialgrenzen  der  polnisch-deutschen  Transgrenzzusammenarbeit
  festzusetzen.  Es  wurden  Kontakte  zwischen  den  westlichen  Wojewodschaften
Polens  und  den  östlichen  Bundesländern  Deutschlands  aufgenommen,  die  als  erste
Symptome  gegenseitiger  Zusammenarbeit  angesehen  werden  können.
Obwohl  die  Annahme  des  angedeuteten  territorialen  Umfangs  der  Transgrenzregionen
  einige  Vorteile,  wie  zum  Beispiel  genau  bestimmte  Grenze,  Koordinationsmöglichkeit
  lokaler  Wirtschaftsentwicklungspläne  und  so  weiter  aufweist,  überwiegen
hier  die  Nachteile.  Darunter  sind  unter  anderem  verschiedene  Regionengrößen  auf
den  beiden  Grenzseiten  und  verschiedene  Befugnisse  der  lokalen  Behörden  zu  erwähnen,
  Bei  der  Bestimmung  der  Grenze  zwischen  Wojewodschaften  und  Bundesländern
  wurde  die  Rolle  der  Transgrenzzusammenarbeit  auf  diesen  Gebieten  nicht
berücksichtigt.  Grenzen  der  administrativen  Einheiten  wurden  bei  der  Bestimmung
des  Territorialumfangs  der  auf  dem  polnisch-deutschen  Grenzland  gegründeten  Euroregionen
  genutzt.  Trotz  der  Anfangsbegeistemng  funktionieren  die  Euroregionen
nicht  völlig  effektiv.  Den  größten  Vorbehalt  sieht  man  in  ihrem  Umfang,  der  der
spontan  entstehenden  Transgrenzzusammenarbeit,  der  Plazierung  der  Grenzübergänge
  und  so  weiter  nicht  entspricht.  Nicht  alle  schon  vieljährigen  Erfahrungen  anderer
  Euroregionen  lassen  sich  auf  das  Grenzgebiet  Polen-Deutschland  übertragen.  Zur
Gestaltung  der  Transgrenzregionen  wurden  natürlich  auch  andere  Versuche  unternommen.
  Es  sollten  zum  Beispiel  zwei  auf  beiden  Seiten  der  Grenze  parallel  laufende
  Bodenstreifen  abgesondert  werden.  Eine  solche  Idee  hat  unter  anderen  der  Brandenburger
  Ministerpräsident  Stolpe  vorgeschlagen.  Der  Stolpe-Plan  setzte  die  Transgrenzzusammenarbeit
  in  einem  Streifen  in  Breite  von  40-50  km  auf  der  deutschen
und  75-100  km  auf  der  polnischen  Seite  voraus.  Gemeinsame  Investitionen  in  diesem

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