Comprenez-vous cela? Nous échangeons avec la France, comme du reste avec les
autres pays civilisés, tous les produits de notre industrie, de notre commerce, de nos
arts: Et il n y aurait que l’échange de la satire qui nous serait défendueZ16
Auf Anraten seiner Mitarbeiter - der Simplicissimus war seit 1906 eine GmbH - stellte
Langen die Übersetzung der Bildunterschriften noch 1908 ein, ein untrügliches
Zeichen dafür, daß die Zeiten Vermittlern seiner Art nicht mehr günstig gesinnt waren.
Der deutschen nationalistischen Presse, die diese eher harmlose Initiative zu einem
Generalangriff gegen den Verleger und dessen Zeitschriften genutzt hatte, war nicht
bekannt, daß dieser in der Tat mit dem Gedanken gespielt hatte, eine ganz und gar
französische Ausgabe seiner erfolgreichen Zeitschrift für den französischen Markt
herzustellen. Im Juni 1908 hatte Langen mit dem französischen Verleger Rueff verhandelt,
der an einer solchen Ausgabe interessiert war, von der er glaubte, in Frankreich
ca. 60.000 Exemplare absetzen zu können. Doch die feindliche Reaktion der
deutschen Presse auf die édition française hatte ihn eines Besseren belehrt. Am 31.
Juli 1908 schrieb er seinem Pariser Vertreter Paul Bruck, der Zeitpunkt für eine französische
Ausgabe sei noch nicht gekommen:
Wenn die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich anders geworden
sind, und vor allem, wenn die Nervosität bei uns in Deutschland gewichen ist,
wird man vielleicht anders darüber sprechen. Und am Tage der deutsch-französischen
Allianz können wir die französische Ausgabe erscheinen lassen. Aber bis dahin
muß sich bei uns in Deutschland noch einiges ändern.
Langens erster Paris-Aufenthalt war in erster Linie ein Bildungserlebnis, doch wurde
der Keim zu seiner Politisierung bereits 1894 gelegt, als der junge Verleger zu Beginn
der Dreyfüs-Affäre feststellen mußte, daß die so bewunderte französische parlamentarische
Demokratie ein ohnmächtiges Gebilde war, hilflos gegenüber den Angriffen
von seiten des katholischen Klerus, der Armee und Antisemiten. Während
seines zweiten Paris-Aufenthalts erlebte nun Langen mit, wie die Dritte Republik,
deren Schwäche die Affäre enthüllt hatte, aus dieser Krise gestärkt hervorging. Das
war dem Eingreifen neuer Kräfte zu verdanken, zu denen vorrangig Vertreter akademischer
Berufe, Künstler, Schriftsteller und Publizisten gehörten, les intellectuels
nannte man sie. Diese Intellektuellen hatten erprobt, daß sie, wenn sie sich über parteipolitische
Differenzen hinwegsetzten, in der Demokratie eine Macht darstellten.
Gleichzeitig hatten die Ereignisse der französischen Innenpolitik Langen gezeigt,
daß sich Fortschritte in der Parlamentarisierung nur durch ein gemeinsames Vorgehen
von Liberalen und Sozialdemokraten durchsetzen können. So verließ der Verleger
Paris in der Hoffnung, daß es möglich sein müßte, auch im eigenen Land die fortschrittlichen
Kräfte der Nation zu sammeln, um die Parlamentarisierung voranzutreiben.
Eine aufbauende kulturpolitische Zeitschrift sollte diese aus Frankreich mitgebrachten
Ideen propagieren und gleichzeitig ein Forum der deutsch-französischen
Annäherung sein. Nach sorgfältigen Vorbereitungen erschien am 1. Januar 1907,
herausgegeben von Albert Langen, Kurt Aram, Hermann Hesse und Ludwig Thoma,
die kulturpolitische Halbmonatsschrift März. Von Anfang an unterstrich man in ihren
Spalten die Rolle der süddeutschen Länder, denen wegen ihres offeneren Verhält¬16
Jules Huret, En Allemagne. La Bavière et la Saxe, Paris 1911, S. 100.
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