Full text: Sprachenpolitik in Grenzregionen

zösisch (Gascognisch) und Comisch.138 Dies legt nahe, daß die grundsätzliche 
Haltung der Engländer zur Sprachensituation in ihrem Reich offenbar mit dem 
Betreiben aktiver Sprachenpolitik zur Vernichtung des Walisischen unvereinbar 
war. Das galt jedoch nicht in gleichem Maße für das Irische. Unter Eduard III. 
wurde 1359-60 den Engländern in Irland verboten, untereinander Irisch zu 
sprechen. Englische Gesandte versuchten in den achtziger Jahren des 14. Jahr¬ 
hunderts beim Papst eine Anordnung an die Geistlichen in Irland zu erreichen, 
die sie angewiesen hätte, ihre Gemeindemitglieder zum Erlernen des Englischen 
zu veranlassen.139 
In einer frühen Phase des Aufstandes bezichtigten die Engländer Owain 
Glyndwr, die englische Sprache vernichten zu wollen. In einem Schreiben an 
verschiedene Aristokraten und an die Sheriffs einiger Grafschaften teilte der 
König am 26.05.1401 mit, daß sich Owain Glyndwr mit anderen Rebellen er¬ 
hoben habe und diese sich erneut versammelt hätten, um mit Macht ins engli¬ 
sche Königreich einzudringen und ,unsere englische Sprache1 und die Unterta¬ 
nen zu vernichten.140 Der König scheint damit Gerüchte aus den Marken auf¬ 
zugreifen, die Owain gleichfalls unterstellten, die englische Sprache vernichten 
zu wollen. Der Graf von Northumberland berichtete von Owains Friedenswillen 
- „...mais t[re]s volents voudroit il avoir pees“ - und seiner Verhandlungsbe¬ 
reitschaft. Er teilte aber auch mit, daß Owain nicht zu Verhandlungen in den 
Marken zu erscheinen wage, weil dort allgemein geschrien werde, er wolle die 
englische Sprache vernichten.141 
Insbesondere die zuletzt zitierte Stimme läßt daran denken, daß Sprache hier 
für Nation oder Volk steht, ein Gebrauch, der für Britannien anderwärts nach¬ 
138 Hinweis von Dr. Huw Pryce. - „...natio tarnen Anglicana, alias Britannia, in, de, [et] sub 
se quinque linguas habet, videlicet nationes, ... videlicet Anglicanam, quam Anglici [et] 
Scoti conformem habent, Wallicanam [et] Hybemicam, Vasconicam [et] Corimbricam.“ 
Mansi, Sp. 1066. Siehe Genet: S. 69. - Kahl, S. 97, bezieht sich auf diese Äußerungen 
Poltons, erweckt jedoch mit seinen Überlegungen, welche Sprachen denn gemeint sein 
könnten, den Eindruck, als habe er die Quelle nicht eingesehen. 
139 Vgl. Bartlett, S, 203. - Ebd. schließt Bartlett, daß Versuche administrativer Umsetzung 
von Sprachenpolitik im Mittelalter ungewöhnlich und zum Scheitern verurteilt gewesen 
seien. 
140 „Oweyn Glendourdy [e]t autres noz rebelx de n[ot]re pays de Gales se sont levez [e]t de 
nouvelle assemblez en les marches de Kemerdyn aiant en purpos dentrer en n[ot]re 
roiaume ove fort main pour destruir n[ot]re lange Angloys [e]t tous noz foialx lieges [e]t 
soubgiez qui Dieux defende ...“ POPC 2, S. 55. 
141 ,JEt t[rè]s volents voudroit il approcher as marches Denglet[er]re pur treter [e]t parler ovec 
aucuns s[eigneur]s sinoun q[ue] le comun voys [e]t claymor y est q[ue] le dit Owein 
voudroit [e]t entende a destruire la lange Engloys.“ POPC 2, S. 60. 
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