Full text : Sprachenpolitik in Grenzregionen

Der  Forderung  eines  Waffenverbots  für  Waliser  stimmte  der  König  ebenfalls
zu.  Er  nahm  allerdings  loyale  Waliser  davon  aus.109  Nur  zur  Beratung  angenommen
  wurde  der  Antrag,  die  jeweils  reichsten  Waliser  einer  Gegend  als  Geiseln
  für  das  Wohlverhalten  ihrer  Landsleute  zu  nehmen.110  Aus  englischer
Sicht  wohlbegründet  durch  die  Unzuverlässigkeit  walisischer  Burgvögte  und
Truppen111  waren  die  Forderungen,  Befestigungsverbote  gegen  die  Waliser
auszusprechen  und  sie  auch  nicht  mehr  als  Vögte  einzusetzen.112  Doch  mißtrauten
  die  Commons  nicht  nur  den  Walisern,  sondern  auch  den  einheimischen
Engländern.  Deshalb  sollten  Burg-  und  Stadtbesatzungen  mit  Landesfremden
ergänzt  sowie  „Mischlinge“  entfernt  werden.113
Mit  weiteren  Maßnahmen  versuchten  die  Commons,  Wales  wirtschaftlich  in  die
Knie  zu  zwingen.  Die  Forderung  nach  einem  Waffen-  und  Lebensmittelembargo
  gegen  Wales  fand  die  Zustimmung  des  Königs.  Den  Antrag  auf
Verhängung  eines  totalen  Wirtschaftsboykotts  nahm  er  nur  zur  Beratung  an.114
Das  beschlossene  Teilembargo  blieb  weitgehend  wirkungslos.  Angesichts  der
Durchmischung  der  Bevölkerungsgruppen  war  an  eine  wirksame  Überwachung
nicht  zu  denken.  Die  Rebellen  bezogen  auch  weiterhin  Getreide  vor  allem  aus
Chester,  Waffen  aber  sogar  von  so  weit  her  wie  London.115  Die  Verdienstaussichten
  überwogen  etwaige  Bedenken  gegen  die  Zusammenarbeit  mit  den  Walisern
  auf  Seiten  der  englischen  Lieferanten.
Gefordert  wurde  auch  das  Verbot  walisischen  Rechts  und  aller  gegen  das  englische
  Gemeinrecht  verstoßenden  Bräuche  in  sämtlichen  Gebieten,  die  der  Krone
unterstanden.  Dies  hätte  auch  sprachenpolitische  Folgen  gehabt,  da  das  Walisische
  aus  einem  wichtigen  Bereich  öffentlichen  Lebens  hinausgedrängt  worden
wäre.  Der  König  übergab  diesen  Antrag  allerdings  zur  Beratung  an  den  Rat.116
Der  Forderungskatalog  der  Commons  läßt  Mißtrauen  gegen  Waliser  und  solche
Engländer  erkennen,  denen  man  aufgrund  ihrer  Lebensführung  Sympathie  für
die  Aufständischen  zutraute.  Anhaltspunkte  dafür  waren  Mischehen,  aber  auch

p[u]rposes  faire  ...  sil  ne  soit  p[ar]  ...  licence  de  les  Chiefs  Offic[ier]s  &  ministres  del
s[eigneu]rie  ...  en  p[re]sence  de  mesmes  les  Offic[ier]s  &  ministres  ...“  Statutes  Nr.
XXVIII,  S.  140f.
109  Rot.Pari.  III,  Nr.  93,  S.  509.  -  Statutes  Nr.  XXIX,  S.  141.
110  Rot.Pari.  III,  Nr.  95  und  96,  S.  509.
111  Siehe  Ellis,  S.  13  -  15  und  37  f.  für  die  Vielzahl  der  von  walisischen  Verantwortlichen
kampflos  an  GlyndWr  übergebenen  Burgen.  -  Vgl.  auch  Jacob,  S.  42.
112  Siehe  Rot.Pari.  III:  Nr.  97,  S.  509.  -  Statutes  Nr.  XXXI,  S.  141.
113  Rot.Pari.  III,  Nr.  101,  S.  509.  -  Statutes  Nr.  XXXIII,  S.  141.
114  Rot.Pari  III,  Nr.  94  bzw.  98,  S.  509.  -  Statutes  Nr.  XXX,  S.  141.
115  Siehe  Rhidian  Griffiths,  S.  172.  -  Vgl.  Jacob,  S.  43  f.
116  Siehe  Rot.Pari  III,  Nr.  100,  S.  509.

95
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.