Full text : Sprachenpolitik in Grenzregionen

stände  in  Rom44  und  vor  allem  bezüglich  des  Glyndwr-Aufstandes.45  Festzuhalten
  ist  hier  vor  allem,  daß  Adam  zum  Zeitpunkt  des  zitierten  Sprachenerlasses
  der  Engländer  noch  zu  den  regierungsnahen  Kreisen  zählte  und  gut  informiert
  gewesen  sein  dürfte.
Erstaunlich  an  seiner  Nachricht  ist  die  überraschende  Milde  der  Engländer,  deren
  Strategie  1401/02  eigentlich  mit  ,verbrannter  Erde1  am  ehesten  zu  charakterisieren
  ist.  Ihre  gnadenlose  Kriegführung  führte  zur  Verwüstung  und  Entvölkerung
  ganzer  Landstriche,  wie  Adam  selbst  zum  Herbst  1401  eindrücklich  beschrieb.46
  Beispiele  für  Begnadigungen  auf  breiter  Front  gibt  es  erst  aus  dem
Jahr  1403:  Im  Sommer  durfte  der  [englische]  Fürst  von  Wales  die  Rebellen  von
Chester  [!],  Flint  und  Denbigh  in  Gnaden  aufnehmen.  Im  Herbst  durften  die
Herren  William  Beauchamp,  John  Oldcastle,  John  ap  Henry  und  John  Fairford
ihre  rebellischen  Pächter  nach  Gutdünken  strafen  oder  begnadigen.47  Da  die
Waliser  erst  1405  die  Kontrolle  über  Cardigan  erlangten,  läßt  sich  vielleicht
schlußfolgern,  daß  die  Einwohner  von  Cardiganshire  zum  Zeitpunkt  der  Begnadigung
  über  unverbindliche  Sympathiekundgebungen  hinaus  noch  nicht  für
Glyndwr  eingetreten  waren.48
Eine  eventuelle  Vernichtung  der  Sprache  als  Kriegsziel  setzt  voraus,  daß  die
Frontenbildung  entlang  der  Sprachgrenze  erfolgte,  daß  die  Englisch-Sprecher
den  Walisisch-Sprechem  in  Feindschaft  gegenüberstanden.  Oben  wurde  bereits
auf  die  oft  engen  familiären  Beziehungen  zwischen  Walisern  und  Engländern
des  Niederadels  hingewiesen.  Diese  Bindungen  stehen  einer  Frontenbildung
entlang  der  Sprachgrenze  eigentlich  entgegen.
4. Gab  es  eine  Frontenbildung  zwischen  den  Sprachgruppen?
Englische  Stadtgründungen  und  Englishries  waren  den  Walisern  eigentlich  verschlossen.
  Trotzdem  kam  es  zur  Aufnahme  von  Walisern  als  Stadtbürgem.  In
dem  1282  gegründeten  Aberystwyth  wurde  das  Leben  daher  längst  vor  der  Rebellion
  vom  walisischen  Element  bestimmt.49  In  der  Umgebung  waren  die
Städter  demnach  nicht  als  Engländer  verhaßt,  sondern  aufgrund  ihrer  ökonomischen
  Privilegien  und  ihrer  Verbindung  zur  Burg.50  Im  Zusammenhang  mit
Glyndwrs  Aufstand  ist  bedeutsam,  daß  die  Bewohner  von  Aberystwyth  trotz

44  So  Storey:  ebd.
45  Siehe  Lloyd:  DWB,  S.  3.
46  „Unde  Anglici,  in  multitudine  glomerosa  illas  partes  invadendo,  totaliter  depopulatas  et
depredatas  ferro,  fame,  et  flamma,  eciam  pueris  et  ecclesiis  non  parcendo...“;  Adam  von
Usk,  S.  70.
47  Siehe  Syllabus,  S.  548  zum  1403  VII  25  bzw.  S.  549  zum  1403  IX  14.
48  Vgl.  Jacob,  S.  57  f.
49  Siehe  Griffiths:  Aberystwyth,  S.  39.
50  Vgl.  ebd.,  S.  38.
            
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