als Herr der Burg Dinas Bran bei Llangollen sein Nachbar bei Glyndyfrdwy
war. Ebenso wie dieser trat er später in den Dienst von Heinrich Lancaster, dem
späteren König Heinrich IV. Somit gehörte er beim Dynastiewechsel 1399 wohl
nicht zu dessen Gegnern, obschon seine Position nicht mit Sicherheit bekannt
ist.21 Weder Owains Karriere noch seine Bindungen an die Engländer deuteten
auf seine bald darauf beginnende Rolle als Anführer des letzten großen nationalen
Aufstandes der Waliser hin.
2. Der Verlauf des Glyndwr-Aufstandes
Vor dem Hintergrund von Heilserwartungen, die einen Sieg über die Engländer
und die Herrschaft über Britannien verhießen, lebte unter den Walisern der
Glaube an das Auftreten eines nationalen Anführers.21 22 * Hoffnungsvoll begrüßt
wurde daher 1372 der Versuch von Owain ap Thomas ap Rhodri, genannt
Owain Lawgoch, von Frankreich aus eine Invasion nach Wales vorzutragen.
Owain Lawgoch war als Ur-Ur-Enkel von Llewelyn ap Iorwerth und Großneffe
von Llewelyn ap Gruffudd unbestrittener Erbe der letzten unabhängigen Fürsten
von Wales im 13. Jahrhundert. Die in diesem Zusammenhang greifbare
Zielvorstellung eines einigen Wales wird als Folge der englischen Eroberung
gewertet.22 Der Vorstoß von 1372 scheiterte zunächst an übergeordneten Interessen
des französischen Königs und wurde durch die von den Engländern angestiftete
Ermordung Owain Lawgochs 1378 endgültig unmöglich gemacht.
Die Reaktion der walisischen Öffentlichkeit belegt, daß Ende des 14. Jahrhunderts
der Boden für derartige Unternehmungen fruchtbar war. Owain Glyndwr
wurde schon vor Beginn des nach ihm benannten Aufstands von Barden als
Hoffnungsträger der walisischen Sache gepriesen.24
Die Anfänge der Erhebung sind obskur und mögen im privaten Bereich gelegen
haben. Doch war die labile Stabilität der Situation in Wales durch den Staatsstreich
Richards II. 1397 und den Dynastiewechsel von 1399 gefährdet. Zudem
wird in der Forschung auf die ,erdbebenartige Erschütterung4 hingewiesen, die
durch das Ausscheiden einer Vielzahl von Markgrafen in Verbindung mit diesen
Ereignissen ausgelöst wurde.25 In einer ohnehin von wachsender Feindseligkeit
geprägten Situation, die durch die unter Richard II. deutlich werdende
Tendenz zum Ausschluß von Walisern vom Aufstieg in Verwaltung und Kirche
21 Vgl. Williams: Owain Glyndwr, S. 16. - Tout sieht ihn als Gefolgsmann Heinrichs IV.
DNB 21, S. 428.
22 Vgl. Davies: Conquest, S. 436, und Williams: Owain Glyndwr, S. 11.
22 Vgl. Davies: Conquest, S. 436, auch für das Folgende.
24 Vgl. ebd., S. 448.
25 Davies: Conquest, S. 442, charakterisiert die Bedeutung der Jahre 1397-99 für Wales mit
Begriffen wie „territorial avalanche“, „earthquake“ oder „seismic impact“.
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