Full text : Sprachenpolitik in Grenzregionen

Königtum  von  Deheubarth  in  Südwales.5  Hierzu  kamen  weitere  verwandtschaftliche
  Verbindungen  mit  anderen  walisischen  Herrschergeschlechtern.  In
genealogischer  Hinsicht  kann  Owain  Glyndwr  Ende  des  14.  Jahrhunderts  als  der
Kandidat  mit  den  wohl  am  besten  begründeten  Ansprüchen  auf  die  Nachfolge
der  alten  Fürsten  von  Wales  beschrieben  werden.6
Der  größere  Teil  seiner  Besitztümer  lag  in  Nordwales.  Das  für  die  Engländer
namengebende  Glyndyfrdwy  lag  in  Edeirnion,  in  der  heutigen  Grafschaft
Powys,  im  Tal  des  Dee,  zwischen  Llangollen  und  Corwen.  Sycharth  lag  nahe
Llansilin.7  Diese  Besitzungen  waren  seit  der  frühen  Regierungszeit  Eduards  II.,
und  zwar  seit  dem  zweiten  Jahrzehnt  des  14.  Jahrhunderts,  als  Königslehen  im
Familienbesitz.8
Owain  hielt  sich  am  häufigsten  in  dem  Herrenhaus  von  Sycharth  auf,  das  die
Engländer  Saghern  nannten.9  Sein  Hofbarde  Iolo  Goch  beschrieb  das  Leben  an
dieser  Residenz  in  einem  Gedicht.10  Er  schildert  einen  beeindruckenden  Komplex
  aus  Haupthaus,  Wirtschaftsgebäuden,  Wildparks,  Kaninchengehegen  und
Vogelvolieren,  der  seinesgleichen  erst  in  Westminster  und  Dublin  finde.  Owain
selbst  wird  als  Mann  königlicher  Abstammung,  als  freigiebig  und  gastfreundlich
  sowie  als  Mäzen  der  Barden  vorgeführt.
Owains  Ehefrau  galt  dem  Barden  Iolo  Goch  als  beste  aller  Frauen.  Ihre  uns  aus
anderen  Zeugnissen  bekannte  englische  Abstammung  ließ  er  außer  acht.  Der
Barde  betonte  allein  das  königliche  Blut  der  gemeinsamen  Kinder.11
Die  beschriebene  Lebensführung  ist  nicht  außergewöhnlich  für  das  Wales  des
späten  14.  Jahrhunderts.12  Durch  das  Eindringen  von  englischen  Aristokraten  in
herrscherliche  Positionen  wurden  die  Angehörigen  der  einheimischen  Nobilität
in  den  Niederadel  abgedrängt.  Als  uchelwyr  bildeten  sie  gemeinsam  mit  eingewanderten
  englischen  Niederadeligen  -  sogenannten  advenae  -  eine  neue  Oberschicht.13


5  So  Pierce:  DWB,  S.  691;  vgl.  dagg.  Tout:  DNB  21,  S.  428.
6  Siehe  Williams:  Owain  Glyndwr,  S.  12.  -  Pierce:  DWB,  S.  691,  sieht  ihn  lediglich  als  einen
  von  mehreren  Kandidaten.
7  Westsüdwestlich  von  Oswestry;  siehe  OSA.,  S.  42.
8  Vgl.  Williams:  Owain  Glyndwr,  S.  12.
9  Vgl.  Tout:  DNB  21,  S.  428,  und  POPC  2,  S.  61  (=  Ellis,  Nr.  3,  S.  11).
10  Siehe  Clancy,  S.  135-38;  vgl.  für  das  folgende  auch  Williams:  Owain  Glyndwr,  S.  17  f.
11  Owain  heiratete  vermutlich  1383  Margaret,  Tochter  von  David  Hanmer  von  Maelor;  der
Ehe  entsprossen  6  Söhne  und  mehrere  Töchter.  Vgl.  Pierce:  DWB,  S,  691,  und  Williams:
Owain  Glyndwr,  S.  17.
12  Vgl.  Jacob,  S.  4L
13  Vgl.  Williams:  Recovery,  S.  96  f.

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