Vermittler sowie der sachlich gebildeten und interessierten Laien im deutschen
und im deutschsprachigen Literaturraum der Minderheit.
2. Die komplexen Zusammenhänge fordern für den Verfasser: germanistische
Kompetenz, kulturwissenschaftliches und interkulturelles Fachverständnis,
Kenntnis der beteiligten Fremdsprachen, Literaturen und Nationalphilologien,
der Minderheitenforschung und Minderheitenkultur, Problembewußtsein hinsichtlich
minderheitenkultureller Binnen- und Außenperspektive des Betrachters,
der kulturpolitischen Konditionen, der eigenen Historizität und Wertungsmaßstäbe,
Orientierung an der methodisch anregenden Literatur im Zusammenhang
mit der Literaturgeschichtsschreibung der Commonwealth-Literatur und
der amerikanischen ,ethnic literatures1.42
3. Instabile Verhältnisse des gesellschaftlichen wie kulturellen Sozialsystems
von Minderheiten führen zu komplexen Definitionen der literaturräumlichen
Abgrenzung und literarhistorischen Zuordnung, wozu territoriale resp. regionale
und geopolitische, sprachliche, kultursoziale, wanderungshistorische und
rezeptionsgeschichtliche Umstände sowie die ökonomisch-kulturelle Kommunikationsöffnung
heranzuziehen sind. Die Literatur ist auch kulturgruppenindividuell
zu betrachten, indem deutlich zwischen Zuwanderungskultur und nach
1945 entstandener deutschsprachiger Kultur der alten Reichsprovinzen, zwischen
Importliteratur und der Literatur autochthoner, zugewanderter (z. B.
Exulanten) und abgewanderter Autoren (z. B. nach Deutschland) zu differenzieren
ist.
4. Die fachbegriffliche Erfassung von Literatur und Kontext hat von einem
eindeutig definierten, wissenschaftsbezogenen terminologischen Feld auszugehen,
das auch aktuelle Sammelbezeichnungen wie ostdeutsche Literatur4 und
,Regionalliteratur1 als semantisch fehlbesetzt erkennt.
5. Die inhaltliche Erfassung zielt auf eine Literatur und Gesellschaft verknüpfende
sozialgeschichtliche Darstellung ihrer dynamischen Entwicklung, indem
deutlich wird, daß Gegenstand und Darstellung selbst Teil des historischen Prozesses
sind, Geschichte und Kunstqualität des Gegenstandes sowie Geistes- resp.
Kulturgeschichte mit politisch-sozialer Geschichte verbunden werden, Literaturgeschichtsschreibung
als Gegenstand von Literaturgeschichte begriffen wird.
Der dokumentierte literarhistorische Diskurs umfaßt ausgewählte Belletristik
einschließlich Mundart-, Kinder-, Exilliteratur, übersetzter und einflußreicher
42 Vgl. u.a.: Riemenschneider, Dieter (Hrsg.): The History and Historiography of
Commonwealth Literature, Tübingen 1983; Zyla, Wolodmyr T. u. Aycock, Wendell M.
(Hrsg.): Ethnie Literatures since 1776 : The Many Voices of America. 2 Bde., Lubbock
TX 1978 (Proceedings Comparative Literature Symposium, Texas Tech University, Vol.
IX); Friggieri, Oliver: In Search of a National Identity: A Survey of Maltese Literature,
Sonderdruck o.J. u. o.O.
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