Entwicklung und Wertung der Literatur (Besonderheit/Universalität) im interliterarischen
Kontext, die Multikulturalität rumäniendeutscher Minderheit an, den
kulturpolitischen Wechsel nach Historizität und Aktualität beachtend. Die
rückblickende Selbstkritik als Literaturhistoriker, der im Dilemma von Zensur,
Selbstzensur und philologischer Redlichkeit stand, ergänzt den immer noch bemerkenswerten
Entwurf um die Problematisierung von Autorrolle und literarhistorischer
Erkenntnis. Die Verschränkung der frühen, wegweisenden Überlegungen
von Richard Csaki (1920) mit aktuellen methodologischen Ansätzen
wie denjenigen von Hans Robert Jauß (1970) weist auf die Konvergenzen im
literarkritischen Diskurs unter minderheitenkulturellen Bedingungen. Unabhängig
von Motzan legt Sigurd Paul Scheichl drei Jahre später (1983) ein differenziertes
Konzept für eine Literaturgeschichte Südtirols vor, das - ohne zu einem
endgültigen Koordinatensystem zu gelangen - die inhaltlich vielfältigen
Dimensionen aufführt, Epochengliederung abwägt, die beeinflußbare Verfasserrolle
als Manko reflektiert, das Problem regionalliterarischer Zuordnungen mit
interliterarischen Verwerfungen abwägt, Literatur im Kommunikationssystem
einer Region und darüber hinaus anspricht. Mit der theoretischen Begründung,
die Adrien Finck 1992 seiner Literaturgeschichte fürs Elsaß von 1987 nachreicht,
spricht er die zentralen Probleme von Definition (Sprache, Regionalkultur,
Autorbiographie, Thema), Periodisierung (Politik, Sprache) und Wertung
(ästhetische, engagierte, identitätsfördernde Kriterien) an, überzeugend systematisiert.
Wie die vorher genannten Beiträge weist auch seiner auf mehrere
Handicaps hin: das Fehlen einer eindeutigen Terminologie, die mangelnde Reflexion
des literarkritischen Diskurses, die noch zu wenig beachtete historizistische
Qualität des Gegenstandes und seiner fremdästhetischen Implikationen,
einschließlich der Biografik des Literaturhistorikers und seiner Autoren.
Von den Beiträgen, die vor allem auf den Zusammenhang von Regionalliteratur,
Literaturgeschichte allgemein und regionale Literaturgeschichte ausgerichtet
sind, leisten die Ausführungen von Norbert Mecklenburg (1985, 1986),
Germaine Goetzinger (1991) und Norbert Oellers (1992) Grundlegendes auch
für die Methodik der Literarhistorie von deutschsprachigen Literaturen im
Ausland.41
41 Mecklenburg, Norbert: „Deutsche Literaturlandschaften. Zur Erforschung regionaler
Dimensionen in der Literaturgeschichte“, in: Ders.: Die grünen Inseln. Zur Kritik des
literarischen Heimatkomplexes, München 1986, S. 253-264; dass, zuerst: „Stammesbiologie
und Kulturraumforschung? Kontroverse Ansätze zur Analyse regionaler Dimensionen
der deutschen Literatur“, in: Albrecht Schöne (Hrsg.): Akten des VII. Internationalen
Germanisten-Kongresses Göttingen 1985, Tübingen 1986, Bd. 10, S. 3—15;
Goetzinger: Referenz (Anm. 1), S. 179—188; Oellers, Norbert: „Aspekte und Prinzipien
regionaler Literaturgeschichtsschreibung“, in: Grund, Uwe und Scholdt, Günter (Hrsg.):
Literatur an der Grenze. Der Raum Saarland-Lothringen-Luxemburg-Elsaß als Problem
der Literaturgeschichtsschreibung. Festgabe für Gerhard Schmidt-Henkel,
Saarbrücken 1992, S. 11-21.
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