tisch-methodischen Konsequenzen für die Literaturgeschichtsschreibung zu
verbinden.
Weil es auch in einer Geschichte von deutschsprachiger Literatur im Ausland
neben der Information über Autoren und Werke vor allem um sozialgeschichtliche
Zusammenhänge des Literatursystems und der Sozialisationsbedingungen
von labiler Literaturgesellschaft im Kulturkontakt geht, ist der Begriff von Literatur
weit zu fassen. Über die unumstrittenen Gegenstände im sprachlichen,
distributionsorganisatorischen und kommunikativen Bereich hinaus sind Gebrauchsliteratur
(Kalenderkultur, Periodikabeiträge u.a.), muttersprachliche/
fremdsprachige ,Importliteratur4 und übersetzte Literatur im interkulturellen
Austausch für den Produktions- wie Rezeptionsprozeß zu berücksichtigen.
Literaturgeschichtsschreibung hat sich nicht nur des Gegenstandes und seines
methodischen Umgangs damit im Rahmen herkömmlicher Literarhistoriographie
zu vergewissern. Als Teil der Geschichtsschreibung wird sie von den Disputen
innerhalb der Geschichtswissenschaft mitbestimmt. Auf einige Aspekte
interdisziplinärer Zusammenhänge, die uns für den eigenen Gegenstand relevant
erscheinen, weisen die Beiträge von Burckhardt Krause (1985), Günter Oesterle
(1985), Hans-Ulrich Gumbrecht (1985), Reiner Wild (1985), Jörn Rüsen
(1983, 1990, 1993) hin;34
* Kulturidentität ist Teil des historischen Bewußtseins und erfüllt sich in ihrer
doppelten Bedeutung kultureller Konfrontation und Duldung in der Bewahrung
des Eigenen sowie der Rezeption, zumindest der Tolerierung des Fremden.
34 Gumbrecht, Hans-Ulrich: „Posthistorie Now“. in: Gumbrecht, Hans-Ulrich und Link-Heer,
Ursula (Hrsg.): Epochenschwellen und Epochenstrukturen im Diskurs der Literatur-
und Sprachhistorie, Frankfurt am Main 1985 (stw 486), S. 34-50; Krause,
Burckhardt: „Interkulturelles Erbe: Europäisches Mittelalter und Ethnologie“, in: Thum,
Bernd (Hrsg.): Gegenwart als kulturelles Erbe. Ein Beitrag der Germanistik zur Kulturwissenschaft
deutschsprachiger Länder, München 1985 (Publikationen der Gesellschaft
für Interkulturelle Germanistik 2), S. 55-83; Oesterle, Günter: „Zur Historisierung des
Erbebegriffs“, in: Ebd., S. 411-451; Rüsen, Jöm: „Die Kraft der Erinnerung im Wandel
der Kultur. Zur Innovations- und Emeuerungsfunktion der Geschichtsschreibung“, in:
Cerquiglini, Bemard und Gumbrecht, Hans-Ulrich (Hrsg.): Der Diskurs der Literaturund
Sprachhistorie. Wissenschaftsgeschichte als Innovationsvorgabe, Frankfurt am Main
1983 (stw 411), S. 29-72; ders.: „Die vier Typen historischen Erzählens“, in: Rüsen,
Jöm: Zeit und Sinn. Strategien historischen Denkens, Frankfurt am Main 1990 (FW
7435), S. 153-230. Vgl.: Jöm, Rüsen: „Einleitung“ in: Ebd., S 11-20; ders.: Konfigurationen
des Historismus; Studien zur deutschen Wissenschaftskultur, Frankfurt am
Main 1993 (stw 1082); Oexle, Otto Gerhard und Rüsen, Jöm (Hrsg.): Historismus in
den Kulturwissenschaften, Wien 1996 (Beiträge zur Geschichtskultur, Bd. 11); Wild,
Reiner: „Kulturelles Erbe, Prozeß der Zivilisation und Literatur“, in: Gegenwart, (s.o.), S.
31-52.
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