ten Zusammenhang versteht.11 Die Philologie hat darum gerade im Hinblick
auf diese Literaturen mit ihrer engen Verschränkung von literarischer Ästhetisierung
und Geschichte komparatistisch im Sinne von Interdisziplinarität, Intertextualität,
Intermedialität, Interkulturalität und Interhistorizität vorzugehen.
Die vereinfachte Sichtweise des interkulturellen Zugriffs ist dabei im Sinne von
Michael Böhler zu modifizieren,12 indem Interkulturalität als außensprachlichkulturelle
Grenzüberschreitung zu verstehen ist und lntrakulturalität als binnensprachlich-kulturelle
Perspektive im binnendeutschen Sprachraum und dem der
deutschsprachigen Minderheiten.
n
Trotz Paradigmaerweiterung, Methodenpluralisierung und interkultureller Perspektivenvarianz
seit den siebziger Jahren ist die deutsche literaturwissenschaftliche
Auseinandersetzung mit deutschsprachiger Literatur im Ausland und ihrer
literargeschichtlichen Erfassung insgesamt ein Randanliegen geblieben.13 Die
skeptische bis ablehnende Argumentation bemüht die wesentlichen Kriterien,
die Literatur philologisch vorgeblich uninteressant erscheinen lassen: sie existiere
außerhalb des nationalen, binnendeutschen Sprach- und Literaturraums,
sei von daher, von ihrer regional besonderen, epigonalen Thematik bei formaler
Armseligkeit, von ihrer weithin künstlerischen Unzulänglichkeit, ihrer kulturpolitischen
Manipulierbarkeit hier fast ohne Leserschaft, d.h. ohne Einfluß und
damit in großen Teilen verzichtbar. Gehen wir mit Helmut Kreuzer davon aus,
daß auch in diesem Fall nach den „Konventionen der publizistischen Literatur-11
Großklaus, Götz: „Philologie im Medienzeitalter“, in: Thum, Bernd und Fink, Gonthier-Louis
(Hrsg.): Praxis interkultureller Germanistik. Forschung-Bildung-Politik. Beiträge
zum II. Internationalen Kongreß der Gesellschaft für Interkulturelle Germanistik,
Straßburg 1991, München 1993 (Publikationen der Gesellschaft für interkulturelle Germanistik
4), S. 185-191; ders.: Medien-Zeit/Medien-Raum. Zum Wandel der raumzeitlichen
Wahrnehmung in der Moderne, Frankfurt am Main 1995 (stw 1184); Vergl.
auch: Turk, Horst: „Intertextualität als Form der Aneigung des Fremden“, in: Wierlacher,
Alois (Hrsg.): Perspektiven und Verfahren. Akten des I. Kongresses für interkulturelle
Germanistik, München 1987 (Publikationen der Gesellschaft für interkulturelle Germanistik
3), S. 629-641; Fohrmann, Jürgen: „Interdisziplinarität“, in: Mitteilungen des deutschen
Germanistenverbandes 42 (1995), H. 4, S. 5-10.
12 Böhler, Michael: „Interkulturalität in der literarischen Sozialisation im binnensprachlichen
Ländervergleich. Eine Problemskizze“, in: Wierlacher, Alois (Hrsg.): Perspektiven und
Verfahren interkultureller Germanistik, München 1987 (Publikationen der Gesellschaft
für Interkulturelle Germanistik 3), S. 251-366.
13 Vgl. z.B.: Holzner, Johann: „Literatur in Südtirol - deutsche, österreichische, italienische
Literatur?“ in: Schmidt-Dengler, Wendelin/Sonnleitner, Johann und Zeyringer, Klaus
(Hrsg.): Literaturgeschichte: Österreich. Prolegomina und Fallstudien, Berlin 1995 (Philologische
Studien und Quellen, H. 132), S. 91-99.
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