bund temporäre Phänomene, darum sind „die Wurzeln dieses finis Saxoniae“,
wie es Schlesak für Rumänien sagt, schon in der Geschichte der Minderheit
angelegt“.8
Dieter Schlesaks Schlußfolgerung hängt unmittelbar mit Michael Markeis Hinweis
zusammen, daß die „Identitäts- und Zuordnungsfragen dieser Literatur
[die rumäniendeutsche, d.V.] offenbar nicht eindeutig beantwortet werden können,
weil sie Standpunkt- und sichtwinkelbedingt sind“9 und somit Perspektivenvarianz
ursächlich mit dem facettenreichen, ungesicherten historischen
Selbstverständnis von Minderheiten zu tun hat. Beide in diesem Kontext kontinuierlich
benannten Umstände, Minderwertigkeitskomplex1 und ,Identitätskrise4,
sind charakteristische Folgen eines Netzwerks von Parametern, die in der
verkürzenden Synopse die folgenden generellen Umstände umfassen:10
1. historisch-politische Bedingungen:
Minderheitenexistenz ist gruppenpsychologisch, strukturell und politisch vorgeprägt
durch entstehungshistorische Umstände von Wanderungsvorgängen
(Immigrationskultur) oder Geopolitik (Grenzregulierung). Dadurch ergibt sich
sowohl für eine autochthone Regionalkultur als auch für eine allochthone Zuwanderungskultur
ein vervielfältigtes Netzwerk geschichtlicher Bezüge zwischen
eigenem Kulturerbe und der Geschichte der Herkunftsnation, der Heimatnation,
ihrer regionalgeschichtlichen Besonderheiten, den anderen Minderheiten,
den sprachlich verwandten Minderheiten in anderen auf nationale Einheit
bedachten Nationalstaaten. Die Qualität dieser Bezüge und auch der weiteren
Identitätsparameter wird weitgehend bestimmt durch den Grad der Autonomie,
die Integrationsfähigkeit von Kulturkontakten, durch politisch-kulturelle
Führungspersönlichkeiten, gesellschaftspolitische Veränderungen, signifikante
politische Einzelereignisse, allgemein durch nationalstaatlich direkt oder indirekt
ausgeübte (Heimatstaat/Herkunftsstaat), in Schüben ablaufende politische
8 Schlesak: S. 203 (Anm.7).
9 Markei, Michael: „Ich wohne in Europa/Ecke Nummer vier. Identitätsprobleme einer
Minderheitenliteratur im Spiegel der siebenbürgischen Literaturgeschichte“, in: Neue
Literatur 41/42(1990/91), Nr. 7/8, S. 117-128; S. 117.
10 Philipps, Eugène: Schicksal Elsaß. Krise einer Kultur und einer Sprache, Karlsruhe
1980, (vgl. S.14-61); Ritter, Alexander: „Germanistik ohne schlechtes Gewissen. Die
deutschsprachige Literatur des Auslands und ihre wissenschafüiche Rezeption“, in: Ritter,
Alexander (Hrsg.): Deutschsprachige Literatur im Ausland, Göttingen 1985, S. 10-34
(Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik (LiLi), Beiheft 13); Mecklenburg,
Norbert: „Rettung des Besonderen. Zur Analyse und Kritik deutschsprachiger Minderheitenliteratur“,
in: Mecklenburg, Norbert: Die grünen Inseln. Zur Kritik des literarischen
Heimatkomplexes, München 1986, S. 28lf.; Markei: Identitätsprobleme (Anm.9); Ritter,
Alexander: “Das Eigene im Konflikt mit dem Fremden: Zur kulturellen Identität von
Minderheiten“, in: Der Schiern 68(1994), H. 12, S. 714-725.
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