Full text : Sprachenpolitik in Grenzregionen

neben  gibt  es  elf  DAAD-Lektoren,  drei  Fachberater  und  87  Gastlehrer.10  Weiter
  teilt  das  Goethe-Institut  mit,  daß  an  den  Grundschulen  46  %  der  Schüler
Deutsch  wählen,  31  %  Englisch  und  20  %  Russisch,  an  den  weiterführenden
Schulen  ist  es,  analog  zur  Tschechischen  Republik,  umgekehrt:  43  %  wählen
Englisch,  33  %  Deutsch,  15  %  Russisch  und  lediglich  9  %  Französisch.
Schließlich  wird  vermutet,  daß  etwa  201.300  Schüler  Deutsch  als  Fremdsprache
  lernen,  das  bedeutet  19,5  Schüler  je  Tausend  Einwohner.11  An  sechs  Hochschulen
  kann  Germanistik  studiert  werden,  an  17  Hochschulen  gibt  es  eine
Deutschlehrerausbildung.  Bei  dieser  Gelegenheit  müssen  im  übrigen  einmal  die
finanziellen  Verhältnisse  der  ungarischen  Deutschlehrer  angesprochen  werden:
sie  verdienen  im  Durchschnitt  450,—  DM  im  Monat  und  müssen  daher  einen
zweiten  oder  gar  dritten  Beruf  ausüben,  um  zu  überleben.  Ungarn  ist  im  übrigen
  eines  der  von  der  deutschen  auswärtigen  Kulturpolitik  meistgeförderten
Länder.
An  deutschsprachigen  Medien  stehen  die  Neue  Zeitung  vom  Verband  der  Ungamdeutschen,
  die  Neuesten  Nachrichten,  der  Deutsche  Kalender,  Wirtschaftsblätter
  sowie  deutschsprachige  halbstündige  (pro  Tag)  Sendungen  zur  Verfügung.
  Ein  Sprachkurs  wird  im  Rundfunk  angeboten.
Földes  kommt  in  seiner  Analyse  daher  auch  zu  einem  positiven  Gesamturteil:
„Pauschal  könnte  man  sagen,  Deutsch  befindet  sich  [nach  dem  politisch-gesellschaftlichen
  Umsturz  -  L.G.]  im  Aufwind.  Bedeutsame  Veränderungen  haben
sich  in  letzter  Zeit  abgespielt,  die  als  neue  Faktoren  zum  gestiegenen  Interesse
für  Deutsch  beitragen.  ...  [Nach  der  Abschaffung  des  obligatorischen  Russischunterrichts
  -  L.G.]  kann  man  resümieren,  daß  das  Deutsche  als  Verkehrssprache
  in  Ostmitteleuropa  über  beachtliche  Ressourcen  verfügt.  Nach  einer  Periode
der  Stagnation  gelangt  nun  Deutsch  wieder  zu  mehr  Geltung  und  hat  nicht  zuletzt
  aus  pragmatischen  Gründen  Konjunktur.  Es  kann  ja  den  Zugang  zu  Politik,
  Wirtschaft,  Wissenschaft  und  Kultur  unserer  deutsch-sprachigen  Nachbarn
sowie  dadurch  zu  Europa  eröffnen.  Dabei  darf  nicht  übersehen  werden,  daß  in
bestimmten,  vor  allem  den  „gehobenen“  Domänen  auch  in  unserem  Areal  Englisch
  die  führende  Rolle  übernimmt,  während  dem  Deutschen  die  -  nicht  zu
unterschätzende  -  Funktion  zukommt,  im  Alltag  als  regionale  Verständigungssprache
  zwischen  Mitteleuropäem  zu  fungieren.“12
Ich  schließe  mit  einigen  Anmerkungen  zur  auswärtigen  Sprachförderungspolitik:

1. Gezielte  Sprachförderung  des  Deutschen  ist  notwendig  und  richtig,  keine
Gießkannenpolitik  wie  häufig  in  der  Vergangenheit.  Dabei  kann  von  einem

*0  Vgl.  Datenbank  DaF.  Goethe-Institut  e.V.  1995,  S.  155.
11  Ebda.,  S.  156.
12  Vgl.  Földes,  Csaba:  a.a.O.,  S.  221,  233.

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