Full text : Sprachenpolitik in Grenzregionen

lerdings  liegen  hier  die  „Teils-teils-Antworten“  insgesamt  relativ  hoch,  nämlich
54%  mit  dem  Pfarrer  und  mit  Nachbarn,  30%  mit  Arbeitskollegen  und  dem
Briefträger,  22%  mit  dem  Tierarzt,  19%  mit  dem  Gemeindesekretär,  18%  mit
dem  Lehrer,  15%  mit  dem  Arzt,  12%  mit  dem  Chef  und  10%  mit  dem  Gendarmen.
  Daß  auch  hier  eine  Abnahme  nach  den  Alters-  und  den  Sozialgruppen
festzustellen  ist,  versteht  sich  auf  Grund  der  allgemeinen  Sprachverhältnisse.
Hinsichtlich  der  Einstellung  finden  es  2/3  der  Befragten  zwar  „manchmal  vorteilhaft,
  daß  man  Slowenisch  kann,  weil  man  dadurch  leichter  durchkommt“,
aber  ebenfalls  63%  meinen,  „Wenn  man  in  Österreich  vorwärtskommen  will,  so
braucht  man  Deutsch.  Slowenisch  ist  dabei  eher  ein  Hindernis“.  44%  glauben
sogar,  „daß  es  in  den  meisten  Berufen  ungünstig  ist,  wenn  man  Slowenisch
kann“.  Bezüglich  der  Zweisprachigkeit  von  Kindern  sind  25%  der  Befragten
der  Ansicht,  daß  ein  Kind,  „wenn  es  mit  zwei  Sprachen  aufwächst,  schließlich
keine  ganz  richtig  kann“,  30%  glauben,  daß  ein  Kind  „eine  Sprache  gut,  die
andere  aber  schlecht  kann“,  und  45%  meinen,  daß  „es  einem  Kind  nicht  schwer
fällt,  beide  Sprachen  vollständig  zu  lernen“.
Für  die  Zukunft  der  Zweisprachigkeit  Südkämtens  sind  aber  die  grundlegenden
Einstellungen  von  Bedeutung.  Hier  ergibt  sich,  daß  die  Mehrheit  von  70%  ganz
oder  großteils  der  Auffassung  ist,  „Wenn  eine  Minderheit  zu  schwach  ist,  um
selbst  zu  überleben,  dann  soll  man  sie  nicht  künstlich  am  Leben  halten“.
Dementsprechend  stimmen  ebenfalls  69%  zu,  daß  „eine  Minderheitenpolitik  so
angelegt  sein  sollte,  daß  sie  die  Assimilierung  fördert“  und  bloß  12%  empfehlen,
  daß  „eine  Minderheit  wegen  ihrer  schwachen  Position  mehr  Rechte  bekommen
  soll  als  die  Mehrheit“.  Aber  immerhin  vertreten  48%  die  Meinung,
daß  „Minderheiten  eine  Bereicherung  der  Kultur  eines  Landes  sind“  und  daß
„sie  schon  deswegen  geschützt  gehören“.  Bei  70%  der  Befragten  herrscht  jedoch
  die  Skepsis  vor,  daß  „es  die  heutige  gesellschaftliche  Entwicklung  mit  sich
bringt,  daß  sich  Minderheiten  nicht  halten  können“.  Dafür  gibt  es  aber  auch  innersprachliche
  Ursachen.  Bei  den  slowenischen  Dialekten  handelt  es  sich  nämlich
  durchwegs  um  eine  ländlich-bäuerlich  geprägte  Sprachform.  Deren  beschränktes
  Lexikon  aber  reicht  nicht  aus,  die  Belange  des  modernen  Lebens
sprachlich  zu  bewältigen,  und  dies  umso  weniger,  als  der  dafür  erforderliche
Wortschatz  nur  in  der  sich  stets  neuernden  Schrift-  und  Standardsprache  zur
Verfügung  steht,  die  für  den  Großteil  der  Kärntner  Slowenen  aber  nicht  die
slowenische,  sondern  die  deutsche  Schrift-  und  Standardsprache  ist.  So  halten
es  viele  Eltern  für  vorteilhaft,  ihre  Kinder  im  Hinblick  auf  das  zukünftige  Berufsleben
  ganz  oder  vornehmlich  im  Deutschen  gut  ausbilden  zu  lassen  und  ihnen
  erst  in  zweiter  Linie  Slowenisch  zu  vermitteln.  Dabei  finden  es  die  einen
für  ausreichend,  wenn  sich  die  Kinder  in  der  häuslichen  Kommunikation  mit
den  Spielkameraden  den  Dialekt  mehr  oder  minder  gut  aneignen  und  in  der
Schule  bloß  Deutsch  lernen,  während  die  anderen  ihre  Kinder  zusätzlich  in  der
zweisprachigen  Volksschule  anmelden,  damit  sie  zumindest  rudimentäre  Kenntnisse
  der  slowenischen  Schrift-  und  Standardsprache  im  zweisprachigen  Unter¬355


            
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