Die Tschechen unterhalten im 3. Wiener Gemeindebezirk über den privaten
„Schulverein Komensky“ einen Kindergarten, eine Volks- und eine Hauptschule,
wobei die beiden Schulen 1993/94 von 77 bzw. 76 Schülern besucht
wurden. Die Unterrichtssprache ist vorwiegend tschechisch, doch bedingt die
Verwendung der deutschsprachigen österreichischen Schulbücher in allen Lehrgegenständen
auch einen deutschsprachigen Anteil; nur Deutsch, in der Volksschule
anteilsmäßig und in der Hauptschule mit 4 Wochenstunden, wird natürlich
ausschließlich deutsch unterrichtet.
Von zahlreichen kulturellen Vereinigungen seien für beide Volksgruppen die
politischen Sprachrohre des „Minderheitsrates der tschechischen und slowakischen
Volksgruppe in Österreich“ und der „Vereinigung der Tschechen und
Slowaken in Österreich“ sowie der besonders um die Emigranten von 1968 bemühte
„Kulturklub der Tschechen in Österreich“ und der „Österreichisch-Slowakische
Kulturverein“ genannt. Geben die erstgenannten Vereine vierzehntäglich
die Nachrichtenmagazine „Videnske svobodne listy“ bzw. „Krajanske noviny“
heraus, so die beiden weiteren Vereine monatlich die Kulturzeitschriften
„Klub“ bzw. „Pohl’ady“. In religiöser Hinsicht sind die Tschechen und Slowaken
mehrheitlich Katholiken mit kirchlichen Zentren im 3. Wiener Gemeindebezirk:
die einen in der Pfarre „Herz Jesu“ mit eigener Kirche, die anderen nur
in Form einer Seelsorgestation des Stephanushauses mit Kapelle.
6. Die Roma und Sinti
Die Roma und Sinti,33 die volkstümlich als Zigeuner bezeichnet werden,
stammen aus Indien und kamen um 1000 über die Türkei nach Europa. Sie
traten in Ungarn im Gefolge der Türken in größeren Gruppen im 16. und 17.
Jh. auf und waren zum Teil bis ins 20. Jh. nomadisierend. Wegen ihrer nichtseßhaften
Lebensform, keiner festen Berufe und ihres fremdländischen dunklen
Aussehens waren sie stets diskriminiert und Außenseiter der Gesellschaft. In der
zweiten Hälfte des 18. Jhs. wurden sie unter Maria Theresia und Josef II. im
Königreich Ungarn am Rande oder außerhalb von Ortschaften zwangsangesiedelt.
Um 1930 gab es im Burgenland ca. 8.000 ganz oder teilweise seßhafte
Roma und am Rande der größeren österreichischen Städte ca. 3.000 nomadisierende
Sinti. Während des Nationalsozialismus begann eine systematische Verfolgung
und Ausrottung, der insgesamt über die Hälfte und im Burgenland rund
90% der Roma und Sinti zum Opfer fielen. Überlebende und Neuhinzugekommene
wurden 1948, sofern sie staatenlos waren, neuerlich ausgewiesen, und die
Verbleibenden versuchten vielfach in der anonymen Atmosphäre der Großstädte
eine neue Existenz aufzubauen. Zu einer größeren geschlossenen Ansiedlung
von Roma kam es lediglich am Rande von Oberwart im Burgenland. Nach der
Volkszählung von 1991 bekannten sich in ganz Österreich bloß 122 Staatsbürger
zur Umgangssprache Romanes, von denen 95 auf das Burgenland und dort
33 Über die allgemeinen Hinweise in Anm. 9 hinaus vgl. speziell Roma & Sinti 1991.
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