ausstellen zu lassen eine Geburtsurkunde, weil ich bei der Bezirkshauptmannschaft
einen Reisepaß beantragen will4.26 Zwar wird auch für Oberpullendorf
alter Ursprung angenommen, doch starke Nachbesiedlung im 16. Jh. und die
Lage in Grenznähe bedingen dort eine viel jüngere Dialektform. Schließlich leben
mehrere Ungarn auch noch in Frauenkirchen im Seewinkel und nur mehr
wenige in Schachendorf und Weiden bei Rechnitz. Sie sind Nachkommen jener
Landarbeiter, die im 19. Jh. aus den Gebieten um Kapuvär östlich von Ödenburg/Sopron
und der Großen Schütt-Insel bei Preßburg/Bratislava (heute Slowakei)
von den Adelsfamilien der Esterhazy und Batthyäny auf ihre Meierhöfe
geholt wurden. Überall gilt als Schrift- und Standardsprache die Sprachform,
die auch in Ungarn üblich ist, und alle burgenländischen Ungarn sind heute
zweisprachig.
Nach den Volkszählungen gab es im Burgenland 1971 5.447, 1981 4.025 und
1991 4.973 Ungarn, was 1,9% der 263.029 österreichischen Staatsbürger des
Burgenlands ausmacht. Damit scheint wie bei den Kroaten auch bei den Ungarn
der jahrzehntelange Abnahmetrend angehalten und Stabilisierung eingetreten zu
sein. Im einzelnen leben 1991 in der Wart 2.491 Ungarn, wobei diese in Siget
mit 223 Personen 82,0%, in Unterwart mit 670 Personen 66,1% und in Oberwart
mit 1.598 Personen 24,7% der jeweiligen Gesamtbevölkerung bilden.
Oberpullendorf zählt 631 Ungarn und somit 23,9% der gesamten Einwohnerschaft.
In Frauenkirchen sind es 215 Ungarn, die noch 8,2% ausmachen, während
in Schachendorf und in Weiden nur mehr 77 bzw. 25 Ungarn registriert
sind. Auch hier wird die Anzahl der Volksgruppe gegenüber der Volkszählung
viel höher geschätzt, die der ungarische Volksgruppenbeirat mit 8.000 - 10.000
doppelt so hoch veranschlagt. Nach einer 1991 von der Burgenländischen Forschungsgesellschaft
gemachten Studie beherrschen 14.050 Personen aktiv und
2.525 Personen passiv das Ungarische, so daß an der Aussagekraft der gleichzeitigen
Volkszählung ebenfalls gezweifelt wird.27 Wie die Kroaten beanspruchen
auch die burgenländischen Ungarn keine zweisprachigen Ortstafeln zur
Kennzeichnung ihrer Siedlungsgebiete. Eine eigene Amtssprachemegelung gibt
es nicht.
Entsprechend den burgenländischen Schulgesetzen (siehe oben 3) gibt es nur in
Unterwart und in Siget eine zweisprachige Volksschule, die zwar gesetzeskonform
„Volksschule mit ungarischer bzw. deutscher und ungarischer Unterrichtssprache
für die 1.-4. Schulstufe“ heißt, wo es aber pro Klasse 3 Wochenstunden
Ungarisch gibt. 1993/94 beteiligten sich daran 57 Schüler. An einigen
weiteren Volksschulen wird Ungarisch als Freigegenstand angeboten, so u.a. in
Oberwart und in Oberpullendorf. An den Hauptschulen in Oberwart und Oberpullendorf
kann Ungarisch als alternativer Pflichtgegenstand und an den Gym¬26
27
Vgl. Grundlagenbericht 1991, S. 18.
Vgl. Grundlagenbericht 1991, S. 15, und Burgenländische Ungarn 1992, S. 17.
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