Full text : Sprachenpolitik in Grenzregionen

wichtigster  der  „Kroatische  Kulturverein“  mit  Teilorganisationen  in  allen  gemischtsprachigen
  Gemeinden  ist.  Der  „Kroatische  Presseverein“  gibt  auch  die
Wochenzeitung  „Hrvatske  Novine“  heraus,  die  von  rund  3.400  Abonnenten  gelesen
  wird.  Vor  allem  mehrere  jüngere  kroatische  Literaten  treten  nicht  nur  als
Autoren  von  Romanen  und  Erzählungen,  sondern  besonders  als  Lyriker  hervor.
Hier  ist  auch  zu  erwähnen,  daß  der  zweisprachige  Kroate  Rudolf  Buczolich  als
prominenter  Schauspieler  am  Wiener  Burgtheater  wirkt.
Schließlich  ist  noch  zu  sagen,  daß  die  in  Wien  lebenden  Kroaten  mit  österreichischer
  Staatsbürgerschaft  durch  das  Volksgruppengesetz  von  1976  als  Teil  der
kroatischen  Volksgruppe  zählen.  Nur  ein  Teil  der  dort  1991  registrierten  6.604
Kroaten  stammt  allerdings  aus  dem  Burgenland,  doch  nimmt  der  „Kroatisch-Burgenländische
  Kulturverein  in  Wien“  ihre  tatsächliche  Gesamtzahl  mit
10.000  -  15.000  an.  Er  gibt  auch  die  zweimonatliche  Zeitschrift  „Put“  heraus.
Organisieren  die  Burgenlandkroaten  für  Kinder  ihrer  Angehörigen  mit  Wiener
Volkshochschulen  Kroatischunterricht  mit  5  Schulgruppen,  so  wird  vor  allem
für  die  Kinder  zugewanderter  Kroaten  muttersprachlicher  Unterricht  an  Volksund
  Hauptschulen  mit  Begleitlehrem  durchgeführt.  Ebenso  getrennt  verläuft  die
seelsorgliche  Betreuung,  wobei  die  Kirche  Zu  den  neun  Chören  der  Engel  am
Hof  im  1.  Wiener  Gemeindebezirk  die  kroatische  Nationalkirche  ist.
4. Die  Ungarn  im  Burgenland
Obwohl  das  Burgenland  aus  dem  Königreich  Ungarn  hervorgegangen  ist,  bilden
die  Ungarn  nur  eine  kleine  Volksgruppe.24  Auf  alte  Ansiedlungen  gehen  nur
die  Ungarn  einerseits  in  der  Wart  mit  Oberwart,  Unterwart  und  Siget  und  andererseits
  in  Oberpullendorf  zurück.  Die  Wart  war,  wie  schon  ihr  Name  sagt,  eine
Grenzwächtersiedlung  des  11.  Jhs.  zur  Beobachtung  und  Sicherung  der  offenen
Westgrenze  des  Königreiches.  Da  die  westungarischen  Landstriche  im  14./15.
Jh.  durch  Kriege  und  Pest  verheert  und  entvölkert  wurden,  gerieten  die  Magyaren
  der  Wart  in  die  Isolierung.  Linguistisch  betrachtet  entstand  auf  diese  Weise
eine  Sprachinsel,  deren  Dialekt  den  Anschluß  an  die  Sprachentwicklungen  im
Zentrum  verlor,  sehr  altertümlich  verblieb  und  neue  Kontakte  mit  dem  Deutschen
  aufnahm.25  Durch  den  Rückgang  der  sprachlichen  Beziehungen  zu  Ungarn
  nach  dem  Ersten  Weltkrieg,  die  Abschließung  durch  den  „Eisernen  Vorhang“
  nach  den  Zweiten  Weltkrieg  und  die  rein  ländlich-bäuerliche  Sprachprägung
  ist  der  moderne  Wortschatz  zur  Gänze  aus  dem  Deutschen  entlehnt,  obwohl
  natürlich  das  Magyarische  in  Ungarn  über  alle  erforderlichen  Ausdrücke
verfügen  würde.  So  kommt  es  zu  Sätzen  wie  Megyek  a  rdthauzba,  a  standeszamhoz,
  austellütetem  a  gehurtsurkundemot,  mert  a  becirkshauptmannsafton
reizeppaszt  akarok  beantrdgolni  ,Ich  gehe  ins  Rathaus,  zum  Standesamt,  um

24  Über  die  allgemeinen  Hinweise  in  Anm.  9  hinaus  vgl.  speziell  Triber  1977,  Szeberenyi
1986  und  Burgenländische  Ungarn  1992.
25  Vgl.  Imre  1971  und  Imre  1977.
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