Full text: Sprachenpolitik in Grenzregionen

45% haben. Es sind dies 3 Gemeinden des Rosentales (St. Jakob im Rosental 
20,5%, Ludmannsdorf 32,6%, Ferlach 10,0%), 5 des Jauntales (St. Kanzian am 
Klopeiner See 16,2%, Eberndorf 12,3%, Sittersdorf 26,1%, Feistritz ob Blei¬ 
burg 44,3%, Bleiburg 39,5%) und Eisenkappel-Vellach (41,8%), also der Süd¬ 
osten des Minderheitengebietes. 
Hinsichtlich des Schulunterrichts in slowenischer Schrift- und Standardsprache 
gibt es im gemischtsprachigen Gebiet insgesamt 63 „Volksschulen mit sloweni¬ 
scher bzw. deutscher und slowenischer Unterrichtssprache für die 1.-4. Schul¬ 
stufe“ der 6- bis 10-Jährigen, und zwar in den Bezirken Hermagor 1, Villach- 
Land 18, Klagenfurt-Land 13 und Völkermarkt 29, wozu noch 2 derartige 
zweisprachige Schulen in der Landeshauptstadt Klagenfurt hinzukommen. Der 
Unterricht soll von der 1. bis 3. Klasse etwa zur Hälfte auf Slowenisch und auf 
Deutsch erteilt werden, wobei besonders in der 1. Klasse den mitgebrachten 
Sprachkenntnissen der Schüler besonders Rechnung zu tragen ist. In der 4. 
Klasse erfolgt Sprachentrennung, indem eigener slowenischer Sprachunterricht 
im Ausmaß von 4 Wochenstunden erteilt wird. Zur Teilnahme am zweisprachi¬ 
gen Unterricht bedarf es der Anmeldung eines Kindes durch die Eltern. Im 
Schuljahr 1993/94 beteiligten sich von insgesamt 4.614 Volksschülem daran 
bloß 1.338, das sind 29,0%, also ein gutes Viertel. In der sich ab dem 11. Le¬ 
bensjahr anschließenden vierklassigen Hauptschule kann dann Slowenisch als 
obligatorische 1. Fremdsprache, als alternativer Pflichtgegenstand statt Englisch 
oder als Freigegenstand im Ausmaß von 4 Wochenstunden gewählt werden. Da¬ 
für entschieden sich 1993/94 an 15 Hauptschulen 285 Schüler, also 21,3% oder 
ein gutes Fünftel der Absolventen der zweisprachigen Volksschule. Seit 1990 
gibt es in Klagenfurt auch eine Handelsakademie mit Slowenisch und Deutsch 
als Unterrichtssprachen, die 1993/94 von 144 Schülern besucht wurde. Insge¬ 
samt ist also der Besuch des Slowenischunterrichts gering, und er verringert 
sich mit der nächst höheren Schulstufe noch mehr, so daß die Beherrschung der 
slowenischen Schrift- und Standardsprache rudimentär bleibt bzw. sich auf 
wenige beschränkt. Schließlich gibt es in Klagenfurt seit 1957 das Slowenische 
Gymnasium mit rund 450 Schülern in 8 Klassen, wo Slowenisch Unterrichts¬ 
sprache und Deutsch 1. Fremdsprache ist. 
Die Amtssprachenregelung von 1977 (BGBl.Nr.307/1977) sieht die Verwen¬ 
dung der Volksgruppensprache als zusätzlicher Amtssprache zur deutschen bei 
Behörden und Dienststellen wie den Gemeindeverwaltungen, der Gendarmerie, 
den Bezirkshauptmannschaften, den Bezirksgerichten und dem Militärkom¬ 
mando vor. Hinsichtlich der Gemeinden gilt dies für jene, bei denen sich min¬ 
destens 20% der Bevölkerung zur Volksgruppensprache bekennen, was bei 14 
Gemeinden der Fall ist. 
An Rundfunksendungen stehen den Slowenen im Kärntner Landessender des 2. 
Programms des Österreichischen Rundfunks wöchentlich 5 Stunden und 50 Mi¬ 
nuten Sendezeit zur Verfügung. Sie sind so verteilt, daß es von Montag bis 
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