Full text : Sprachenpolitik in Grenzregionen

haben  in  Verbindung  mit  politischen  und  ideologischen  Implikationen  zur
Folge,  daß  die  Südkämtner  Slowenen  in  der  Einstellung  zu  ihrem  Volkstum,
ihren  Volksgruppen  Vertretern  und  ihren  Nachbarn  in  Slowenien  bzw.  im  ehemaligen
  Jugoslawien  gespalten  sind.  Wer  sich  zum  kulturellen  Zusammenhang
und  zur  slowenischen  Schrift-  und  Standardsprache  in  Slowenien/Jugoslawien
als  Dachsprache  seines  Dialekts  bekennt,  bezeichnet  sich  trotz  österreichischer
Staatsbürgerschaft  und  Inkulturation  als  Slowene  und  seine  Sprache  als  Slowenisch.
  Wer  aber  dazu  auf  Distanz  geht  und  die  österreichische  Integration  hervorkehrt,
  wählt  für  sich  und  seine  Sprache  die  traditionelle  Bezeichnung  Windisch.
  Beides  spiegelt  sich  in  den  Ergebnissen  der  Volkszählungen.
Die  Volkszählungen  von  1971,  1981  und  1991  fragen  nach  der  Umgangssprache
  als  Sprache,  die  gewöhnlich  im  privaten  Bereich  (Familie,  Verwandte,
Freunde  usw.)  gesprochen  wird.  Danach  bekannten  sich,  Slowenisch-  und
Windisch-Angaben  zusammengefaßt,  1971  20.972,  1981  16.552  und  1991
14.850  Personen  zur  Volksgruppe,  das  sind  1991  bei  530.726  österreichischen
Staatsbürgern  in  Kärnten  2,8%.  Als  Windische  bekannten  sich  davon  1981
2.348  Personen,  das  sind  14,2%,  während  sich  ihre  Zahl  1991  auf  888  und
somit  auf  6,0%  verringert  hat.  Spiegelt  sich  im  Rückgang  der  Einstufung  als
Windisch  die  um  sich  greifende  politisch-ideologische  Aussöhnung  innerhalb
der  Volksgruppe,  so  ist  der  ständige  Rückgang  der  gesamten  Volksgruppe  nicht
zu  leugnen,  wobei  dieser  zwischen  1971  und  1981  21,1%  und  zwischen  1981
und  1991  10,2%  ausmacht.  Er  äußert  sich  seit  dem  Bestehen  der  Republik  nicht
nur  in  einem  Gebietsrückgang,  sondern  auch  innerhalb  des  Siedlungsraumes  erfolgt
  zunehmend  ein  Übergang  zum  Deutschen.  Freilich  werden  die  amtlichen
Zahlen  von  Fachleuten  und  Volksgruppenvertretem  als  zu  niedrig  angesehen,
die  außerdem  statt  einer  Registrierung  der  Umgangssprache  die  Frage  nach  der
Muttersprache  als  Sprache  des  Denkens  und  Fühlens  verlangen.  Im  einzelnen
divergieren  diese  Schätzungen  sehr.57  So  nimmt  eine  Kärntner  Forschergruppe
die  Größe  der  Volksgruppe  um  1980  mit  40.000  Personen  an,  während  sie  die
politischen  slowenischen  Vereinigungen  selbst  auf  20.000  bis  25.000  Personen
schätzen.  Dabei  wird  jeweils  von  der  Annahme  ausgegangen,  daß  sich  bei  der
Volkszählung  viele  „Windische“  zum  Deutschen  bekennen.  Neben  der  aktiven
Verwendung  schlägt  sich  wohl  passive  Kompetenz  des  Slowenischen  in  den
durchschnittlichen  Hörerzahlen  slowenischer  Radiosendungen  nieder,  die  nach
Meinungsumfragen  an  Samstagen  von  65.000  und  an  Sonntagen  von  46.000
Hörern  empfangen  werden,  also  im  Durchschnitt  von  55.000  Leuten,  wobei
hier  aber  angesichts  von  Volksmusik  der  Folklorewert  gegenüber  der  Sprache
zweifellos  den  Vorrang  hat.  Im  einzelnen  ergibt  die  Volkszählung  von  1991,
daß,  die  Landeshauptstadt  Klagenfurt  beiseite  gelassen,  zwei  Drittel  der  Slowenen
  in  nur  11  Gemeinden  mit  jeweils  mehr  als  700  Personen  wohnen  und
daß  davon  bloß  zwei  eine  Mehrheit  von  über  50%  aufweisen  (Zell  93,5%,  Globasnitz
  51,6%),  während  die  weiteren  9  Gemeinden  nur  Anteile  von  10  bis

I7  Vgl.  Grundlagenbericht  1991,  S.  15.

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