2.000 Deutsche). In Oberschlesien sind jetzt die Postulate der Minderheit, auch
Religion auf Deutsch zu unterrichten, nur deswegen schwierig zu erfüllen, weil
es sehr wenige zweisprachige Priester gibt.
Die heutige Sprachsituation in Schlesien wird sich ändern. Die Zahl der Deutschen
wird größer werden, wenn die Aktivität der Minderheitenorganisationen
zu einem weiteren Wiedererwachen des Deutschtums führt, oder kleiner, wenn
ein Teil der Leute, die heute aus rein ökonomischen Gründen in die Mitgliederlisten
eingeschrieben sind, seine Meinung ändert oder nach Deutschland ausreist.
Auch die Sprachenpolitik des Staates muß sich ändern, wenn die Integration
in die EU weiter voranschreiten soll (das hängt heute nicht nur von Polen
ab). Auch die neuesten Regelungen der Gemeinschaft auf dem Gebiet von
Sprache und Kultur müßten dann in Kraft treten. Die Gesetze empfehlen z.B.
Zulassung einer Minderheitssprache in der lokalen Administration, Einführung
zweisprachiger Ortsnamen und sogar vom Staat finanzierte Radio- und Femsehstationen
der Minderheit.
Auf solche Regelungen werden Minderheiten in Polen aus finanziellen und
auch rechtlichen Gründen noch warten müssen. Für Femsehstationen gibt es
kein Geld, und die Ortsnamen sind schon seit langem eines der größten Probleme.
Sogar der Freundschaftsvertrag hat das Thema auf die Zukunft verschoben.
Ohne Zweifel ist die Mehrheit der polnischen Bevölkerung gegen zweisprachige
Namen. Es gibt bis jetzt auch für andere Minderheiten keine entsprechenden
Regelungen. Aber es wäre besser, wenn zweisprachige Ortstafeln vom
Staat aufgestellt würden, als wenn dies der Bürgermeister von Dziewkowice
tut.
Auch die deutsche Minderheit muß noch lernen, mit den Polen zusammenzuleben.
Der Bürgermeister von Dziewkowice wurde von deutschen Journalisten
gefragt, warum er den deutschen Rechtsradikalen Häuser vermietet. „Weil ich
auch ein rechtsradikaler Deutscher bin“, war die Antwort. Man kann sich nur
damit trösten, daß viel wichtiger ist, wie viele schlesische Schüler in den nächsten
Jahren zweisprachig werden, wie viele auch polnische Schüler aus Schlesien
die Ferien in Deutschland verbringen und dabei die andere Kultur kennenlemen.
Seit 1989 fahren jedes Jahr ein paar Hundert polnische Jugendliche aus
Oppeln und Umgebung in den Ferien nach Deutschland. Weniger deutsche Jugendliche
kommen nach Schlesien (ein paar Dutzend).
324