Die Frage der Polen in Deutschland ist eher marginal im Rahmen der Diskussion
über Ausländer. Polen - wie Westslaven allgemein - sind assimilationswillig
und assimilationsfähig. (Diese Meinung haben H. Merkens und P. Bott
während einer Tagung vom 7.-8. September 1989 an der Freien Universität
Berlin geäußert, vgl. Janusz 1990, 124.)
Dies bedeutet nicht, daß alle Probleme gelöst worden sind. Nicht nur in der Gesellschaft,
sondern auch unter Politikern herrscht viel Mißtrauen,
Ein fast anekdotisches Beispiel ist die Interpellation der Abgeordnetengruppe
der CSU (mit Franz Joseph Strauß), die im Dezember 1970 an den Außenminister
Hans-Dietrich Genscher gerichtet wurde. Die Interpellation enthielt u. a.
auch eine Frage, warum Mitglieder des Verbandes „Zgoda“ ein Lied auf ihren
Versammlungen singen, welches mit dem Satz beginnt: „Nie bgdzie Niemiec
plut nam w twarz“ („Es wird kein Deutscher uns ins Gesicht spucken“). Es
handelt sich um ein berühmtes Gedicht von Maria Konopnicka, „Rota“, aus der
Zeit der Teilungen Polens, welches damals, anfangs des XX. Jahrhunderts, eine
besondere Rolle spielte und bis heute eine Hymne der Auslandspolen ist.
Die deutsche Reaktion auf die Worte, die Polen einfach als Ausdruck ihres Patriotismus
empfinden, gibt einen Anlaß zur Revision der alten Stereotypen.
Da wir hier über Sprachenpolitik diskutieren wollen, möchte ich zum Schluß
noch eine Bemerkung machen, die mit „kleiner“ Sprachenpolitik zu tun hat.
Vielleicht ist das diesmal eine polnische Überempfindlichkeit, aber es ist bemerkenswert,
welche Sprachen in einer multinationalen Kommunikation eigentlich
Sprachen der Verbote sind, in welchen dagegen Warnungen und Hinweise
formuliert werden. Aufschriften auf polnisch in Deutschland gehören zur
ersten Gruppe (nie smiecic! - am Rasthof, tylko dla szkla! - an einer Mülltone,
tylko dla klientöw z wözkami! - bei Aldi). Es ist nicht schwierig vorauszusehen,
welche Implikationen solche Sprechakte für Empfänger haben können.
314