Full text : Sprachenpolitik in Grenzregionen

K.  Jestem  boszarbajter,  boszler  i  pracujg  na  flisbandzie,
M.  A  przy  czym?
K.  Ainszpricery  do  audi  robimy.
(K.  ,  43,  Immigrant  aus  Schlesien,  seit  14  Jahren  in  Deutschland,  mit  höherer
akademischer  Ausbildung  (Ökonom),  Arbeiter  bei  Bosch.)
Wie  gesagt,  die  sprachlichen  Mechanismen  einer  Entlehnung  und  einer  Lehnübersetzung
  sind  universell  (vgl.  arbajtowac  und  szprycowac,  glansowac,
pucowac  im  Standardpolnisch).  Der  Unterschied  liegt  in  ihrem  Ausmaß,  was
zur  Pidginisierung  und  Kreolisierung  führen  kann.
Die  Metapher  „Sprachen  in  Kontakt“  impliziert  natürlich  „Menschen  in  Kontakt“.
  In  den  Regionen,  wo  polnische  Einwanderer  einen  großen  Anteil  an  der
Bevölkerung  hatten,  mußten  auch  einheimische  Deutsche  in  Kontakt  mit  der
polnischen  Sprache  kommen.
Polnische  Einflüsse  beschränken  sich  überwiegend  auf  die  Dialektebene.  Sie
kommen  v.a.  in  Grenzgebieten  vor,  z.B.  in  Schlesien  (vgl.  Micewicz  1975,
Reiter  I960  -  der  Verfasser  resümierte:  „Wie  miserabel  das  Deutsch  des  Oberschlesiers
  im  Grunde  war,  erfuhren  die  meisten  erst  nach  1945  als  sie  von  ihren
Landsleuten  im  Westen  ausgelacht  und  als  Ausländer  verschrien  wurden“  -
Reiter  1960,  55).
Polnische  Spuren  sind  auch  im  Regiolekt  des  Ruhrgebiets  zu  finden,  vgl.
Michalewska  1991.  Die  Autorin  zitiert  25  Beispiele  aus  dem  Wörterbuch  von
Claus  Sprick  „Hömma!  Sprache  im  Ruhrgebiet“.  Mit  einem  Nachwort  von  K.
Birkenhauer  (Darmstadt  1984).  Charakteristisch  für  diese  Polonismen  ist  eine
stark  expressive  Färbung,  darunter  des  Ethnonyms  Polak  (deutsch  Pollack,
meistens  im  PL).
Schon  das  sprachliche  Material  zeigt,  daß  die  Integrationsprozesse  in  der  neuen
Gesellschaft  auf  viele  Hindernisse  stoßen:  Auto-  und  Heterostereotype,  das
Verhältnis  zur  Vergangenheit,  zur  alten  und  neueren  Geschichte,  was  eine  Polenfeindlichkeit
  wie  auch  eine  Polenfreundlichkeit  evoziert  (B.  Löffler  1989
unterscheidet  in  seinem  Aufsatz  4  Polenbilder  in  den  Augen  der  Deutschen:
pejoratives,  euphorisches,  selektiv-instrumentales  und  authentisches  Bild.  Der
Autor  fügt  hinzu:  „z  pejoratywnymi,  pelnymi  euforii  oraz  autentycznymi
obrazami  Polski  spotkac  sie  mozna  jedynie  u  mniejszosci  Niemcöw  Zachodnich,
  albowiem  w  RFN  przewaza  raczej  selektywno-instrumentalny  punkt
widzenia“  -  vgl.  Löffler  1989,  5).  Authentisch  kann  eine  Beziehung  nur  dann
sein,  wenn  sie  auf  Wissen  gegründet  ist.  Wissensdefizite  bedeuten  ein  geringes
Interesse,  und  das  ist  eine  objektive  Tatsache.

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