Full text : Sprachenpolitik in Grenzregionen

Diese  Angaben  unterscheiden  nicht  zwischen  Einwanderern  und  denjenigen,  die
sich  für  begrenzte  Zeit  in  der  Bundesrepublik  aufhielten.  Sie  sind  auch  nicht
vollständig,  aber  zeigen  deutlich  eine  steigende  Tendenz.
Besonders  nach  dem  Jahr  1981  ist  die  Zahl  der  Asylbewerber  sprunghaft  angestiegen.
  Zum  Vergleich:  in  den  siebziger  Jahren  waren  Polen  unter  den  eingebürgerten
  Personen  aus  den  damaligen  Ostblockstaaten  auf  dem  6.  Platz  (nach
Jugoslawen,  Ungarn,  Rumänen,  den  Bürgern  aus  der  Tschechoslowakei  und  der
Sowjetunion).  In  den  Jahren  1981  -  1987  standen  Polen  an  der  Spitze  der  eingebürgerten
  Personen  (18%  von  264226  Ausländem  -  nach:  Janusz  1990,  177).
Alle  zitierten  Angaben  geben  noch  keine  richtige  Vorstellung  von  der  zahlenmäßigen
  Stärke  der  „Polonia“,  Die  polnischen  Quellen  liefern  verschiedene  abweichende
  Daten,  weil  die  einzige  anwendbare  Methode  nur  Schätzungen  sind.
Die  meisten  Autoren  (Korbei  1985,  419,  Brozek  1990,  61,  und  Janusz  1990,
182)  schätzen  die  Größe  der  „Polonia“  in  Deutschland  auf  600  000  -  700  000.
Nach  Angaben  der  Konsularabteilung  des  polnischen  Außenministeriums
(MSZ)  beträgt  die  Zahl  sogar  doppelt  so  viel:  1  400  000.  Diese  Größe  scheint
nicht  realistisch  zu  sein  -  es  werden  einfach  alle  Auswanderer  nach  Deutschland
in  der  Nachkriegszeit  berücksichtigt,  um  gegenüber  deutschen  Ansprüchen  in
bezug  auf  die  deutsche  Minderheit  in  Polen  ein  Gegengewicht  zu  schaffen.
Nicht  alle  Aussiedler  bekennen  sich  zum  Polentum.  Wie  die  Statistiken  der
polnischen  Verbände  in  der  Bundesrepublik  zeigen  (z.B.  die  der  „Zgoda“),
stammen  nur  einzelne  ihrer  Mitglieder  aus  dem  ehemaligen  Ostpreußen  und
Oberschlesien,  obwohl  75%  der  Organisationsmitglieder  Auswanderer  nach
dem  Jahr  1955  sind  (ich  berufe  mich  auf  Daten  für  die  Zeit  vor  zwanzig  Jahren
-  vgl.  Janusz  1990,  182  -  allerdings  handelt  es  sich  um  eine  konstante  Verhaltensweise).

Man  kann  aber  annehmen,  daß  die  Anzahl  der  polnischsprechenden  Bürger  in
Deutschland  größer  ist,  als  es  die  Schätzungen  für  „Polonia“  angeben:  eine
Million  wäre  wohl  nicht  übertrieben.
Für  die  sprachliche  Charakteristik  dieser  bestimmt  nicht  einheitlichen  Population
  sind  solche  Faktoren  wichtig  wie:
-  die  Migrationsperiode  (unter  diesem  Gesichtspunkt  unterscheidet  man  zwischen
  einer  „alten“  und  einer  „neuen“  Polonia  -  für  die  erste  ist  eine  Dialektbasis
  typisch,  die  neue  Polonia  spricht  vorwiegend  Hochpolnisch  oder
eine  hochsprachennahe  Umgangsprache)
-  die  Geographie  und  die  Art  der  Ansiedlung:  in  kompakten  Gruppen  oder
verstreut.

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