usw.) wird im folgenden der Begriff „Sprachenpolitik” verwendet.7 Als Objekte
für Sprachenpolitik kommen grundsätzlich beliebige Existenzformen von
Sprache in Frage. Sprachenpolitik setzt aber bevorzugt auf der Ebene von
Standardsprachen an. Deshalb behandelt die folgende Darstellung im wesentlichen
die bewußte Einflußnahme auf das Verhältnis zwischen Standardsprachen
(bzw. ihren Vorformen wie Schriftsprachen u.ä.). Dabei ist unerheblich, wer
Einfluß zu nehmen versucht. Heute sind es meist staatliche oder vom Staat anerkannte
Einrichtungen (Ministerien, Sprachämter, Akademien, Sprachgesellschaften),
aber Sprachenpolitik kann auch von einzelnen ausgehen.8
„Slavia” ist ein Gebiet, das durch die Sprache der in ihm beheimateten Bevölkerung
definiert ist. Die Bevölkerung dieses Gebiet verwendet sprachliche
Formen, die dem ursprünglichen slavischen sprachlichen Kontinuum angehören.9
Das slavische sprachliche Kontinuum hat (wie jedes Kontinuum) zunächst
nur gegen außen deutliche Grenzen, nicht aber im Innern. !0 Dieses ursprüngliche
Kontinuum ist aber im Laufe der Geschichte durch außersprachliche Einflüsse
stark verändert worden, welche die allmählichen Übergänge bündeln und
damit zunehmend sprachliche Abgrenzungen entstehen lassen. Diese Entwicklung
wird vor allem gefördert durch nichtsprachliche Grenzen verschiedenster
Art (natürliche, staatliche, kirchliche, wirtschaftliche Grenzen usw.), die meist
untereinander in vielfachen Wechselbeziehungen stehen. Sie verändern das
Kontinuum, ohne es aber in der Regel ganz aufzulösen. Wesentlich stärker
wirkt hier ein sprachlicher Einfluß: die Entstehung von Standardsprachen, die
ihrerseits wieder vor dem Hintergrund außersprachlicher Verhältnisse und Einflüsse
zu sehen ist. Standardsprachen „überdachen” ein sprachliches Kontinuum
' Eine andere begriffliche Unterscheidung zwischen „Sprachpolitik” und „Sprachenpolitik”
findet sich bei Haarmann 1987/88, 1661. Sie ist hier nicht berücksichtigt (und scheint mir
auch wenig einleuchtend).
8 Vgl. als Beispiele etwa die sprachenpolitische Tätigkeit von Ivar Aasen zugunsten von
Landsmäl/Nynorsk gegen Riksmäl/Bokmäl oder von Vuk Stefanovic Karadiic für das
Serbokroatische gegenüber den verschiedenen damals verwendeten Schriftsprachen.
9 Der Begriff „(horizontales) sprachliches Kontinuum” bezeichnet ein in der Regel zusammenhängendes
bewohntes Gebiet, dessen Bevölkerung als Muttersprache genetisch verwandte
sprachliche Formen verwendet, die sich im Raum allmählich verändern und damit
durch eine ununterbrochene Kette gegenseitiger Verständlichkeit verbunden sind. Dabei
gilt die Bedingung eines hohen Grades an gegenseitiger Verständlichkeit nur für unmittelbar
benachbarte Formen. Ein sprachliches Kontinuum endet entweder dort, wo es keine
sprachtragende Bevölkerung mehr gibt, oder dort, wo es an ein anderes Kontinuum
grenzt. Vgl. zum sprachlichen Kontinuum Willemyns/Bister 1989, 541-542.
Die Gliederung in eine westliche, eine südliche und eine östliche Gruppe ist nichts mehr
als „eine bequeme Arbeitshypothese, deren Realität uns verdächtig geworden ist”
(Trautmann 1947,20).
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