Full text : Sprachenpolitik in Grenzregionen

pung  der  Ergebnisse  und  beschränkt  den  Nutzen  des  Vortrags  auf  einen  ersten
regionalhistorisch  akzentuierten  Überblick,  dem  ein  Appell  zur  weiteren  Lektüre
  immanent  ist.  Erschließt  sich  doch  die  besondere  Leistung  literarischer
Zeitzeugenschaft  meist  erst  dem  ausführlicheren  Zitat.  Darüber  hinaus  konzentrieren
  sich  die  Erläuterungen  weitgehend  auf  das  Elsaß  und  Lothringen.  Die  in
Umfang  und  Bedeutung  erheblich  geringere  saarländische  Problemvariante  wird
lediglich  skizziert.
4.  Des  weiteren  unterbleibt  eine  Erörterung  diffiziler  historiographischer  Fragen
  der  Quellenkritik,  die  sich  besonders  dadurch  ergeben,  daß  einerseits  ästhetische
  Formungen  bzw.  literarische  Gattungsmerkmale  zu  beachten  sind,  andererseits
  zeitgleiche  und  rückblickende  Zeugnisse  unterschiedlicher  Gewichtung
bedürfen  und  schließlich  die  Autoren  meist  in  die  nationalpolitischen  Parteiungen
  verstrickt  waren  und  von  daher  zu  tendenziösen  Darstellungen  neigten.  Nur
soviel  sei  hier  angemerkt,  daß  selbst  eindeutig  parteiliche  Texte  im  relativierenden
  Ensemble  unterschiedlichster  Äußerungen  ihren  nicht  zu  unterschätzenden
Informationswert  besitzen  können  und  daß  die  Glaubwürdigkeit  der  einzelnen
Zeugnisse  ohnehin  von  Fall  zu  Fall  bestimmt  werden  muß.
5.  Die  Betrachtung  der  Autoren  bzw.  Texte  wird  auf  drei  grundsätzliche  Funktionen
  bzw.  Haltungen  eingegrenzt:  So  erscheinen  ihre  Verfasser  in  erster  Linie
als  Beobachter  und  Reporter,  zugleich  aber  auch  als  unmittelbar  von  den  Ereignissen
  Betroffene,  deren  Schreibtätigkeit  zuweilen  der  Selbstheilung  gedient
haben  mochte,  und  schließlich  als  politisch  Plädierende,  deren  Erfahrungen  in
gewünschte  Konfliktregelungen  münden.  Beginnen  wir  die  Musterung  entsprechender
  Texte  mit  Beispielen,  in  denen  Autoren  vor  allem  als  Zeitzeugen  auftreten.
  Daraus  ergibt  sich  zugleich  ein  knapper  chronologischer  Abriß  der  Ereignisse:


*
In  der  sogenannten  Reichslandzeit  stößt  man  in  Texten  über  Elsaß-Lothringen
immer  wieder  auf  Unmut  der  Bevölkerung,  den  die  Germanisierungsbestrebungen
  hervorriefen.  Gemäß  der  vomehmlichen  Wirkungsweise  von  Literatur  finden
  dabei  weniger  argumentative  Erörterungen  von  bestimmten  Gesetzen  oder
Verordnungen  statt.  Vielmehr  verdeutlichen  die  Texte,  welche  unmittelbaren
Auswirkungen  solche  legislatorischen  Abstraktionen  hatten.  Es  geht  also  häufig
um  typische  Situationen  von  Durchschnittsbürgem,  um  konkret  erlebte  Mißstände
  im  täglichen  Umgang  mit  Sprache.
So  beklagte  etwa  René  Bazin  im  vielgelesenen  Roman  Les  Oberlé  das  Vorgehen
der  Polizei  gegen  politische  Lieder  und  Äußerungen  oder  Inschriften  in  Französisch.
  2  Als  groteskes  Exempel  überlieferte  Emil  Felden  eine  Obrigkeitsma߬2
  Bazin:  Oberle,  S.  207  f;  220-222.

252
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.