Full text : Sprachenpolitik in Grenzregionen

schwer  zu  ziehen.  Im  Ganzen  kann  die  Sprachgrenze  dazu  erhoben  werden“.86
Sie  ist  auch  durch  die  „Ermittlung  des  zusammenhängenden  Gebiets  der  deutschen
  Ortsnamen“  zu  ergänzen.* 87  Diese  Sprachgrenze  wird  nach  Böckh  und  anderen
  akribisch  beschrieben.88  Man  ist  sich  bewußt,  daß  die  deutschen  Ortsnamen
  eventuell  nur  historische  Zustände  spiegeln.  Doch  wird  dies  in  Kauf  genommen,
  da  man  einer  Rückgewinnung  dieses  doch  zumindest  ehemals
deutschsprachigen  Gebietes  für  die  eigene  Sprache  durchaus  optimistisch  gegenübersteht.
  „Mögen  die  Franzosen  behalten,  was  von  Natur  und  Rechts  wegen
ihr  Eigen  ist.  Aber  womöglich  auch  kein  deutsches  Dorf,  das  sie  stahlen  und
verdarben,  sollen  sie  behalten.  Was  diesseits  unserer  Naturgrenze  und  innerhalb
unseres  Sprachgebiets  liegt,  muß  wieder  unser,  der  Rhein  wieder  Deutschlands
Strom  werden,  nicht  länger,  wenigstens  gegen  Frankreich  nicht  länger,
Deutschlands  Grenze  bleiben!  So  kämpfen  wir  für  uns,  aber  wir  kämpfen  für
eine  Idee  zugleich,  für  das  Nationalitätsprincip,  das  Ihr,  Franzosen,  stets  mit
Füssen  tratet  oder  nur  befolgtet,  wo  es  Euch  nützlich  war.  Wir  wollen  auch  jetzt
nicht  weiter  gehen,  als  jene  hohe  Idee  gestattet.“89  In  der  Tat  folgte  die  neue

86  Wagner  (Anm.  39),  S.  22.
87  Böckh  (Anm.  3),  S.  33f.;  Wagner  (Anm.  39),  S.  26.
88  Wagner  (Anm.  39),  S.  60f.  Die  Kartierung  der  Sprachgrenze  spielt  vor  und  nach  dem
Krieg  eine  große  Rolle.  Man  vgl.  die  Arbeiten  von  Dr.  Nabert  (Anm.  28f,),  R.  Böckh
(Anm.  14)  und  Kiepert,  Heinrich:  Special-Karte  der  deutsch-französischen  Grenzländer
mit  Angabe  der  Sprachgrenze,  Berlin  1867,  2.  Aufl.  1870,  3.  Aufl.  1875,  4.  Aufl.  1888;
Ders.:  „Der  Gebietsaustausch  zwischen  Deutschland  und  Frankreich  in  Folge  des
Frankfurter  Friedens“,  in:  Zeitschrift  der  Gesellschaft  für  Erdkunde  zu  Berlin  6  (1871),  S.
273—288;  Ders.:  Specialkarte  von  Eisass  und  Lothringen  nach  ihrer  gegenwärtigen
Einteilung  seit  der  deutschen  Besitzergreifung,  2.  Aufl.,  Berlin  1871;  Ders.;  Karte  der
neuen  deutschen  Reichsgrenze  gegen  Frankreich  nach  den  Friedenspräliminarien  von
Versailles  mit  Angabe  der  sprachlichen  und  historischen  Grenze  (1.750000),  Berlin
1871;  Ders.:  „Die  Sprachgrenze  in  Elsaß-Lothringen“,  in:  Zeitschrift  der  Gesellschaft  für
Erdkunde  zu  Berlin  9  (1874),  S.  307-316.  Schon  1870  hatte  Prof.  Dr.  H.  Guthe  ebenfalls
eine  Sprachgrenzkarte  veröffentlicht:  Die  französisch-deutschen  Grenzgebiete  nebst
Angabe  der  ehemaligen  Grenzen  Deutschlands  gegen  Frankreich  und  der  Sprachgrenze
beider  Völker,  Hannover  (Verlag  Schmorl)  1870;  1871  legte  Dr.  Karl  Bemhardi  seine
,Sprachkarte  von  Deutschland*  von  1844  erneut  auf:  Die  Sprachgrenze  zwischen
Deutschland  und  Frankreich,  ermittelt  und  erläutert  von  Dr.  K.  Bernhardi,  Kassel  1871,
Vgl.  für  spätere  Arbeiten  zur  Sprachgrenze  u.  S.  244f.  Die  französische  Geschichtsforschung
  und  Geographie  nimmt  diese  Arbeiten  erst  nach  dem  Kriege  zur  Kenntnis,
erkennt  dann  freilich  sofort  ihren  politischen  Charakter:  Gaidoz,  H.:  „Des  travaux
allemands  sur  la  géographie  des  langues  en  Alsace  et  en  Lorraine“,  in:  Revue  des
Questions  Historiques  16  (1874),  S.  228-235;  Grad,  Charles:  „Un  écrivain  allemand  sur
la  limite  des  langues  en  Alsace-Lorraine“,  in:  Revue  Catholique  d’Alsace  NS  2  (1883),  S.
385-393;  459-466;  May  (Anm.  1),  S.  102.
89  Wagner  (Anm.  39),  S.  5.  Wagner  ist  deshalb  auch  strikt  gegen  eine  Mosel-  oder  Maasbzw.
  Argonnengrenze  und  hegt  starke  Bedenken  selbst  gegen  die  Annexion  von  Metz

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