Full text : Sprachenpolitik in Grenzregionen

deutsch  erschienenen  Biographie  Friedrichs  des  Großen,  damals  schon  75  Jahre
alt,  zugunsten  des  deutschen  Standpunkts  das  Wort.74
Am  22.  November  wird  die  extreme  Forderungen  aufstellende,  aber  kaum  Einfluß
  gewinnende  Broschüre  des  Greifswalder  Geographen  Gustav  Lenz  Die  alten
  Reichslande  Elsaß  und  Lothringen  und  ihre  Stellung  zum  neuen  Reiche  ausgeliefert.75
 *  Bereits  am  8.  Dezember  abgeschlossen,  aber  erst  1871  ausgeliefert
wird  die  auf  die  französisch-sprachige  Öffentlichkeit  berechnete  Arbeit  eines
anonymen  Verfassers,  der  sich  Historicus  nennt:  Les  conditions  de  la  paix  et  les
droits  de  I'AllemagneJb  Der  Verfasser,  der  sich  als  Basler  gibt,  geht  stark  auf
die  Schweizer  sowie  die  französische  und  englische  Diskussion  ein.77  Im  prodeutsch
  begründenden  Teil  folgt  der  anonyme  Historicus  vorwiegend
Treitschke.

74  Carlyle,  Thomas,  Brief  vom  11.11.1870  an  die  ,Times1,  deutsch  abgedruckt  in  dem  Amn.
50  angezeigten  Insel-Buch  Nr.  164.  Über  weitere  -  teils  dem  deutschen  Standpunkt
zugeneigte,  teils  abgeneigte  -  englische  Reaktionen  vgl.  Michelet  (Anm.  67),  S.  121ff.;
Sorel  (Anm.  40),  S.  270f.
75  Lenz,  Gustav:  Die  alten  Reichslande  Elsaß  und  Lothringen  und  ihre  Stellung  zum  neuen
Reiche,  Greifswald  1870.  Die  Argonnengrenze  fordert  der  ebenfalls  militär-geographisch
argumentierende  Berliner  Maurer,  Franz:  „Der  strategische  Werth  von  Elsaß-Lothringen“,
in:  Ergänzungsblätter  zur  Kenntnis  der  Gegenwart  1870,  S.  508-515;  danach  gesondert
gedruckt:  Hildburghausen  [Leipzig]  (Bibliographisches  Institut)  1870  unter  dem  Titel:
Deutschlands  strategische  Grenze  gegen  Frankreich4.  Vgl.  Körner  (Anm.  43),  S.  26.
Elsaß,  Lothringen  und  die  Franche-Comté  dazu  forderte  die  schon  am  1.  August
erschienene  Schrift  von  Rohrbach,  Carl:  Wofür  wir  kämpfen,  Gotha  (Verlag  Windaus)
1870.  Rohrbach  (1824—1889)  war  Lehrer,  promovierte  1852  in  Berlin  und  lebte  seit  1860
als  Publizist  in  Gotha.  Vgl.  Körner  (Anm.  43),  S.  26.  Bis  zu  den  Vogesen  und  der  Mosel
will  Graf  Münster:  Deutschlands  Zukunft  -  das  Deutsche  Reich,  Berlin  (Verlag  Janke)
1870,  neues  Land  für  Preußen  gewinnen,  das  einzelne  aber  den  strategischen
Gesichtspunkten  unterordnen.  Vgl.  Körner  (Anm.  43),  S.  62.  Neudruck  dieser  Schrift  in:
Brönnle  (Anm.  43),  S.  120-133.
7^  Historicus:  Les  conditions  de  la  paix  et  les  droits  de  l’Allemagne,  Genève  (Imprimerie
Pfefferet  Bourg)  1871.
77 Die  Referenzen,  die  er  außer  den  bekannten  Schriften  von  Strauß,  Renan,  Carlyle  und
Treitschke  gibt,  sind  bibliographisch  wertvoll:  1)  Max  Muller,  Brief  an  die  Times,
reproduziert  3.8.1870  in  der  Augsburger  Zeitung;  2)  Emil  Dubois-Reymond,  Rede
anläßlich  des  Friedrich-Wilhelm-Tages  der  Universität  Berlin  am  3.8.1870  (Anm.  43);  3)
Arnold  Rüge,  Brief  an  die  Basler  ,National-Zeitungi  vom  16.11.1870;  Adolphe  Stahr,
Brief  ebd.  22.11.1870;  Charles  Vogt,  Brief  an  den  Journal  de  Genève‘  vom  22.10.  und
8.11.1870;  Daniel  Stern,  Briefe  ebd.  vom  29.10.  und  8.11.1870;  Charles  Dollfuss,  Brief
ebd.  vom  29.10.  1870;  Edouard  Schuré,  Brief  an  die  ,.Indépendance  Suisse‘  vom
5.11.1870;  Hippolyte  Taine,  Artikel  für  den  Moniteur*,  wiederabgedruckt  am  12.10.1870
in  der  .Indépendance  Belge4.

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