Full text : Sprachenpolitik in Grenzregionen

21.  Juli  1870  ,  Augsburger  Allgemeine  Zeitung1:44
„  ...  solange  die  Franzosen  nicht  hinter  die  Vogesen  zurückgewiesen,  bleibt
die  aufgeworfene  Völkerfrage  ungelöst.“
25.  Juli  1870  .Münchener  Neueste  Nachrichten1:45
„Wir  wollen  keinen  Fußbreit  von  Frankreichs  Boden  nehmen,  aber  das
deutsche  Gebiet,  unser  städtereiches  Elsaß,  unser  herrliches  Lothringen,
das  Ludwig  XIV.  durch  die  Reunionen  geraubt,  wollen  wir  holen  und  sie
für  alle  Zeiten  halten.“
Noch  ist  unklar,  wie  das  Wort  ,deutsch1  gemeint  ist,  im  Sinne  der  verlorenen
Reichsgrenzen  oder  im  Sinne  der  Sprache.  Pamphlet-  und  Aufrufcharakter  hat
es,  wenn  der  preußische  Historiker  Heinrich  von  Treitschke  (1834—1896),  Bismarcks
  ,Herold  der  Reichsgründung1,  am  25.  Juli  aus  Heidelberg  sein  siebenstrophiges
  ,Lied  vom  schwarzen  Adler1  erklingen  läßt:46
„Auf  die  Rosse,  tapfre  Reiter,
Jäger,  aus  dem  Waldversteck!
Auf,  zur  letzten  blut’gen  Reise
Nach  dem  höchsten  Siegespreise:
Holt  uns  wieder  Straßburgs  Dom,
Und  befreit  den  deutschen  Strom!“
Anfang  August  beginnt  dann  der  Krieg  der  Professoren.  Namhafte  Gelehrte
verschiedener  Disziplinen,  vor  allem  der  Geschichte,  der  Nationalökonomie,
der  Theologie  und  der  Geographie  führen  ihn  in  ausführlichen  offenen  Briefen,
Denkschriften  und  Broschüren  hoher  Auflage,  begründen  ausführlich,  welche
neuen  Grenzen  Deutschland  zu  fordern  habe  und  warum.  Die  Artikel  gelangen
ins  Ausland,  auch  ins  kriegführende  Frankreich,  wo  wiederum  Gelehrte,  wenn
auch  nicht  so  zahlreich  wie  in  Deutschland,  replizieren.47

44  Jacob  (Anm.  34),  S.  8.
45  Ebd.
46  Treitschke,  Heinrich  v.:  Zehn  Jahre  Deutsche  Kämpfe,  Berlin  21879,  S.  269ff.,  hier  ein
Auszug  aus  der  fünften  Strophe.  Über  die  Verbreitung  dieses  in  der  Kölnischen  Zeitung
gedruckten  Liedes  vgl.  den  Brief  Hermann  Baumgartens  an  Treitschke  vom  2.  August
1870:  Comicelius,  Max  (Hrsg.):  Heinrich  von  Treitschkes  Briefe,  Bd.  3,  Leipzig  1920,  S.
281  Anm.  2.  Am  16.7.  schon  hatte  Treitschke  bei  einem  Abschiedscommers  der
Heidelberger  Studentenschaft  eine  eindrucksvolle  Kriegsrede  gehalten  (ebd.  Anm.  4).
Auch  noch  im  Juli  1870  scheint  die  Schrift  von  Marcard:  Das  schwarze  Buch  von
Frankreich,  erschienen  zu  sein,  die  (zitiert  nach  Körner,  Anm.  43,  S.  17)  fordert:  „Fällt
aber  uns  der  Sieg  zu,  ein  Sieg,  bei  dem  kein  Fremder  mitzusprechen  hat,  so  müssen  wir
auch  von  Frankreich  seinen  Einsatz  fordern,  und  dieser  Einsatz  lautet:  <  Elsaß  und
Deutsch-Lothringen  mit  Thionville  (Diedenhofen)  und  Metz  >“.
47  Die  ausführlichste  Information  über  die  Publikationen  innerhalb  des  norddeutschen
Raumes  immer  noch  bei  Körner  (Anm.  43).  Wichtige  Auszüge  aus  der  Presse  finden  sich
auch  bei  Hirth,  Georg/v.  Gosen,  Julius:  Tagebuch  des  Deutsch-Französischen  Krieges

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