spräche allgemein als ein heiliges Nationalgut geachtet ... werden sollte“,21
woraus wiederum folgt, daß der Staat alle auf seinem Staatsgebiete vorkommenden
Nationalsprachen, auch die Erlernung derselben zu fördern hat.22 * Es
folgt daraus auch - wie der einflußreiche Publizist Alfred Dove in einer schon
zu Kriegszeiten geschriebenen Rezension des Werkes feststellte25 - daß die
Grundrechte vorwiegend sprachlich definiert sind: Unveräußerlich sind „die
Pflege und Lehre der Muttersprache in den Schulen“, „Gottesdienst in der
Muttersprache“, Gebrauch der „Muttersprache in öffentlichen und persönlichen
Angelegenheiten“. So rückt auch bei der Ermittlung, der statistischen Ermittlung
der Nationalität, die Sprache in die erste Stelle ein.24 Gefordert sind als
Grundlage präziser Aussage Volkszählungen mit Angabe der Muttersprache.
Wo diese Mittel fehlen, können mit Reserven und mit Vorsicht die Aussage der
Familiennamen eines Ortes und die Benennungsweise der Ortschaften, die Ortsnamen,
herangezogen werden.25
Mit diesem Instrumentarium hat Böckh minutiös die deutschen Sprachgebiete
und Sprachinseln in Europa zu bestimmen gesucht, auch den Umfang des deutschen
Sprachgebiets von Elsaß und Lothringen, hat sogar Schätzungen über die
Anzahl der Sprecher gewagt.26 Gerade in der politisch motivierten Bestimmung
von Sprachgrenzen hatte Böckh Vorläufer und Mitstreiter in einigen deutschen
Geographen wie Heinrich Kiepert27 und vor allem Dr. Nabert, einem Hannoveraner,
der zwischen 1844 und 1847 die deutsch-französische Sprachgrenze gewissermaßen
erwandert und 1852 eine Sprachkarte im Physikalischen Atlas von
Heinrich Berghaus veröffentlicht hatte.28 Im Jahre 1856 erschien von ihm die
Abhandlung Über Sprachgrenzen,29 worin er die Sprachgrenzen (im Gegensatz
S. 27f.: „Was uns die Nation kennzeichnet, ist ihre Sprache, und in der Gemeinsamkeit
der Sprache glaubten wir ja auch vor allem den großen Vorzug des Nationalstaats finden
zu müssen.“
21 Böckh (Anm. 3), S. lOf.
22 Böckh (Anm. 3), S. 14.
25 Dove, Alfred: „So weit die deutsche Zunge klingt“, in: Die Grenzboten. Zeitschrift für
Politik und Literatur (Leipzig, Verlag von Friedrich Ludwig Herbig) 29 (1870), 2.
Semester, 2. Bd., S. 179-186; auch schon in einem zur Elsaß-Lothringen-Frage Stellung
nehmenden Artikel, der nach dem 14. August 1870 geschrieben wurde: ebd. 29, 2.
Semester, 1. Bd., S. 434ff.
24 Böckh (Anm. 3), S. 19ff.
25 Böckh (Anm. 3), S. 32ff.
26 Böckh (Anm. 3), S. 161ff. 291 ff.
27 Vgl. u. Anm. 88.
28 Berghaus, Heinrich: Physikalischer Atlas, Bd. III, 8. Abtheilung, No. 9., 2. Aufl., Gotha
1852.
29 Dr. Nabert: „Ueber Sprachgrenzen, insonderheit die deutsch-französischen in den Jahren
1844—1847“, in: Jahresbericht der höheren Bürgerschule zu Hannover, H. 1856, S. 3-29.
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